Leser-Rezension zu „Zerbrechlich” von Jodi Picoult
am 19.01.2012
Charlotte O'Keefe ist überglücklich als sie nach zwei Jahren endlich schwanger ist. Sie, ihr Mann Sean und ihre Tochter Amelia sind schon gespannt auf das Baby und Charlotte ist umso froher, dass ihre beste Freundin Piper ihre betreuende Gynäkologin ist. Ein Ultraschall in der 18. Woche zeigt, dass alles okay ist und die Freude wird immer größer. Doch in der 27. Woche wird auf einmal alles anders, der Fötus hat mehrere Knochenbrüche, ganz frische und bereits heilende. Für Charlotte und Sean bricht eine Welt zusammen und auch Piper ist verzweifelt. Die Familie O'Keefe ist jedoch strikt gegen eine Beendung der Schwangerschaft und so kommt Willow zur Welt...fünf Jahre später ist der Alltag der Familie komplett auf Willow ausgerichtet, Charlotte hat ihre Arbeit aufgegeben um immer für ihre kleine Tochter da sein zu können. Da kommt der geplante Ausflug nach Disney World als Entspannung für alle genau richtig. Niemand ahnt, dass ausgerechnet der erste Urlaub seit fünf Jahren das Leben der gesamten Familie auf den Kopf und eine Probe stellen wird...
Jodi Picoult zeigt mit "Zerbrechlich" die Klagefreudigkeit der Amerikaner auf, die auf Teufel komm raus klagen, was das Zeug hält, ohne jegliche Rücksicht auf Verluste, sogar in der eigenen Familie. Was ist ein Leben wert, was ist die beste Freundin wert, was ist die eigene Familie wert? Diese Fragen sind die Grundlage der neuesten Geschichte von Jodi Picoult, die immer die heißesten Eisen anfasst und alle Facetten der "Wahrheit" aufzeigt. In ihren Büchern kommen kapitelweise die Protagonisten der Geschichte zu Wort, so dass man viele Sichtweisen präsentiert bekommt.
Die Rechtsanwältin Marin drängt Charlotte zu einem Prozess, der sie über ihre eigene Lebensgeschichte nachdenken lässt und so geht es in einer Nebengeschichte noch um die Suche Marins nach ihrer leiblichen Mutter. Jodi Picoult zeigt die Krankheit Osteogenesis imperfecta, bekannt als Glasknochenkrankheit, authentisch und detailgetreu auf, die Probleme, die mit der Diagnosestellung auftreten und wie tough Kinder mit ihrer Krankheit umgehen. Das Buch selbst ist wie ein Brief an Willow geschrieben, der Leser wird so direkt angesprochen, was die Geschichte sehr viel persönlicher und vor allem fühlbar macht. Hier werden drei Themen zu einem absolut lebesnwerten Buch verknüpft, sowie es wohl nur Picoult kann. Auch wenn das Ende ein wenig zu amerikanisch ist, ist es doch wieder ein Buch, das nachdenklich macht, fesselt und einfach richtig gut ist - Jodi Picoult eben!

