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R_Manthey

vor 1 Jahr

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Joe Alexander fängt Pfeile, die mit hoher Geschwindigkeit auf ihn abgeschossen werden. Er springt auch manchmal in einen Pool, um dort unter Wasser einen Haufen Ziegelsteine mit bloßen Händen zu zertrümmern. Und er macht auch noch andere merkwürdige Dinge, bei denen manche Zeitgenossen vor Verblüffung den Mund nicht zukriegen und andere sich fragen, wem er damit was eigentlich beweisen will. Vom Cover blickt Alexander streng auf seine Leser und spreizt dabei seine Hände zur sogenannten Merkel-Raute. Und bei seinem strengen Blick fragt man sich fast zwangsläufig, was man eigentlich schon wieder ausgefressen hat.

Dass Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sind, zeigen viele Beispiele. Joe Alexander will mit seinem Buch wenigstens die Prinzipien darlegen, nach denen man verfahren muss, um sich selbst zu Leistungen zu bringen, die man nicht für möglich gehalten hätte. Der Autor ist achtfacher Guiness-Weltrekordler und war Coach vieler Leute, die bei "Wetten dass ...?" aufgetreten sind.

Sein Buch erzählt von solchen Coachings, erklärt die Weltrekorde des Autors, beschreibt seine Motive und benennt die Grundlagen für die außergewöhnlichen Leistungen, die man im Rahmen der eigenen Grenzen erreichen kann. Alexander nennt das wirkliche Motiv klar beim Namen: Ihn und andere Rekordbrecher treibt allein das Ego. Man will Erster sein, anderen diesen Rang ablaufen und diese kleine Berühmtheit genießen. Doch das Ego ist ein Nimmersatt. Manchmal frisst es auch die eigene Seele, wenn man es nicht zähmen kann.

Der Text gliedert sich in sieben Kapitel und einen Anhang zum Unfall von Samuel Koch bei "Wetten dass ...?". Nachdem Alexander uns klar gemacht hat, dass man mehr erreichen kann als man glaubt, erklärt er einige einfache Grundlagen auf diesem Weg. Immer wieder unterbricht er seine Erklärungen mit Berichten von seinen Coachings. Dann kommt er im fünften Kapitel auch zu seinen eigenen Rekorden, Stunts und Grenzen. Es folgen "Anekdoten mit Gottschalk, Beckmann, Raab und Co." und ein zusammenfassendes abschließendes Kapitel.

Natürlich stellt die Ankündigung, dass der Autor uns zeigen möchte, wie wir Unglaubliches erreichen können eine geschickt verpackte Illusion dar. Niemand wird nach dem Lesen dieses Buches hingehen und mit bloßen Händen sieben Ziegelsteine zertrümmern können. Falls es jemand dennoch versuchen sollte, wird er sich schlimmstenfalls einen irreparablen Bruch der Hand zuziehen. In diesem Buch geht es lediglich um Prinzipien, die wiederum mit Geschichten und Anekdoten aus dem Leben des Autors geschickt verbunden werden.

Joe Alexander trainiert aber offenbar nicht nur Wettkandidaten, sondern hilft auch in komplizierten Lebenssituationen. Zwei solcher Fälle beschreibt er in Andeutungen in diesem Buch. Davon hätte ich gern mehr gelesen. Alexander zeigt dort nämlich, dass man inneren Konflikten nicht ausweichen kann. In den beiden Fällen zwingt er seine Klienten geschickt zu einer Konfrontation mit sich selbst, die dann zu einem Befreiungsschlag führt. Eine solche individuelle Erfahrung wird sich als außergewöhnlicher, hilfreicher und nachhaltiger erweisen, als irgendein vergänglicher Rekord es je sein könnte.

Gibt es Tricks beim Pfeilefangen, fragt sich Alexander selbst in diesem Buch. Und die Antwort lautet: "Ja, es gibt Tricks, sie heißen individuelles Training, mentale Disziplin, Fokussierung und Visualisierung." Das ist eine hervorragende Zusammenfassung des Buches. Alles andere sind Geschichten, die das immer wieder aufs Neue illustrieren. Menschen, die eine Wette beim ZDF einreichen wollen, finden am Ende dieses Buches hilfreiche Tipps des Autors.

Autor: Joe Alexander
Buch: Fang den Pfeil!
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