Leser-Rezension zu „Der ewige Krieg” von Joe Haldeman

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Babscha Babscha
Verfasst von Babscha
am 2.09.2011
 

Ende des 23. Jahrhunderts gerät die Menschheit durch einen dummen Zufall in einen Dauerkonflikt mit Aliens aus dem Sternbild Taurus. Jede Seite rüstet permanent auf, man verfolgt sich, beharkt sich, ersetzt laufend die Verluste. Zu Gesicht bekommen hat man sich allerdings noch nie. Junge Leute werden in einem unersättlichen weltumspannenden Militärsystem in den Kriegsdienst gepresst und sinnlos verheizt, Hauptsache, die Maschinerie läuft. Einer von ihnen ist William Mandella, der auch die Geschichte erzählt. Physikalisch perfektionierte Arten der Fortbewegung im All durch geschickte Raum-Zeit-Manipulationen führen dazu, dass auf der Erde Jahrhunderte vergehen, während im Raum kurzweilig ein Ereignis das Nächste jagt. Und da Mandella das Glück hatte, bereits mehrere Schlachten zu überleben, führt dies bei seinen kurzen Stippvisiten zur Erde zu immer verstörenderen Kontakten mit einer Welt, die ihm völlig fremd geworden ist. Nirgendwo findet er, Pazifist durch und durch, noch Halt oder zumindest etwas Erkenntnis. Ganz im Gegenteil: Als gefeiertem Kriegsveteranen werden ihm jetzt die mächtigsten Schlachtkreuzer und Kommandos anvertraut. Und die Kriegstreiberei bleibt natürlich ungebrochen. Nach einem Jahrtausend sinnlosen Kampfes und einer Welt, in der man dem Problem völliger Überbevölkerung zuletzt nur noch mit zwangsweiser Homosexualisierung der Menschheit zu begegnen weiß, läuft zuletzt natürlich alles aus dem Ruder.

Mit seinem bereits Anfang der Siebziger-Jahre geschriebenen Kultroman gelingt dem Autor tatsächlich ein aufrüttelndes, ungewöhnliches und nachdenklich machendes Werk über die Sinnlosigkeit des Krieges in einer fortschreitend degenerierenden Gesellschaft, ganz so, wie es durchaus denkbar wäre, wenn es denn endlich mal zu einem Kontakt mit draußen käme. Und das gerade nicht mit der großen Pathetik und den schicksalhaften Entwicklungen und Wendungen großer Weltliteratur, nein, im Grunde empfinde ich das Buch als richtig kleines, gemeines, aber feines Machwerk, das ganz bewusst mit harter, streckenweise brutaler Sprache, triefendem Zynismus und für damalige Verhältnisse auch sexuell recht freizügig die Dinge auf den Punkt bringt. Die -zumindest im All- hastig nach vorne treibende Geschichte lässt -mit der einzigen Ausnahme einer unerwünschten, allerdings dauerhaft angelegten Liebe des Hauptprotagonisten zu einer Frau- auch gar keinen Raum für die Entwicklung oder Akzentuierung einzelner Personen. Alles nicht wichtig, alles austauschbar, keine Zeit für sowas. Und nebenbei ist man echt überrascht sowohl über das für die damalige Zeit bereits äußerst fortschrittliche technische Wissen des Autors und seine visionären Gedankengänge wie auch die allen Ernstes immer mal wieder durchblitzende humoristische, na sagen wir sarkastische Ader und den ansprechenden Wortwitz des Autors, zumeist gerade dann, wenn´s besonders dicke kommt.
Haldeman, seinerzeit traumatisiert und schwer verletzt aus dem Vietnamkrieg zurück gekehrt, versteht sein Buch selbst als engagierte, offene und aus tiefstem Herzen kommende Anklage gegen den Irrsinn des Krieges. Wie großartig ihm dies gelungen ist, erschließt sich dem Leser von Seite zu Seite mehr. Ein echter Klassiker mit durchgängig 10/10 verdienten Sternen.

 

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Der ewige Krieg Der ewige Krieg
Joe Haldeman

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