Leser-Rezension zu „Sehnsucht nach Elena” von Joel Haahtela

Rezension als hilfreich gekennzeichnet: (34)

Büchermädchen Büchermädchen
Verfasst von Büchermädchen
am 13.05.2010
 

Wenn es ein Eckchen im Regal für die liebsten und schönsten Bücher gibt, die, die einen unvergleichlich berührten und die, die immer wieder gelesen werden wollen, dann, ja, dann gehört dieses wunderschöne Buch "Sehnsucht nach Elena" von Joel Haahtela dazu!


Allein der Umschlag ist ein kleines Kunstwerk und ein Blickfang im Regal, wie ich finde. Eine junge Frau in einem roten Kleid mit einem Regenschirm in der Hand, auf Wasser blickend! Wunderbar und schon allein von der Aussagekraft des Motivs poetisch, gleichsam wie der Inhalt des Romans!


Ganz kurz zum Inhalt, aber wirklich nur kurz, denn zum einen ist bereits von anderen genug gesagt worden und zum anderen möchte ich auch nicht zu viel vorwegnehmen, das wäre für zukünftige Leser doch schade!
Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Erster Teil: Der Park, Zweiter Teil: Die Stadt, Dritter Teil: Die Insel, Vierter Teil: Der Park.


Ein Mann, der Leser erfährt zunächst weder Alter noch Beweggründe, beobachtet Elena, eine junge Frau, die er zufällig eines Tages im Park gesehen hat. Er geht jeden Morgen in den Park, um Elena immer wieder zu begegnen.


Zunächst weiß man nicht, was es mit diesem mysteriösen Mann auf sich hat, es könnte ein Verrückter sein, ein Stalker. Anfangs wusste ich das Buch nicht einzuordnen. Mit einigem leichten Widerwillen verfolgte ich den Mann während seiner eigenen Verfolgung; doch schnell wurde mir klar, dass es mehr als nur bloßes Verrücktsein sein muss, was hinter dem Verhalten des Mannes, dessen Name nie bekannt wird, steckt.


Und ja, ich sollte Recht behalten! Und nun könnte ich in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen, wäre das Buch nicht so schlicht und anrührend. Die unglaublich einfach gehaltene Sprache, auf das Notwendigste und Minimalste reduziert (was mich zunächst störte, da ich sie "zu einfach" fand) passt wunderbar zum Erzählton, der der Geschichte innewohnt! Da wird nicht blumig beschrieben, da werden im Gegenteil mit den knappsten sprachlichen Mittel die schönsten und bezauberndsten Wahrheiten und Aussagen dargebracht. Ganz unspektakulär, aber enorm in der Wirkung!


Da ich gerne kurze Ausschnitte und Zitate, die mich sehr berührten, in meinen Rezensionen widergebe, möchte ich Euch auch hier eine berührende Passage vorstellen:



"Ich kenne Leute, deren Liebe zerstört ist. Ihre Hoffnungslosigkeit kannte keine Grenzen mehr, und schließlich sind sie in ihr versunken. Die Welt ist voller Zeugnisse solcher Liebesgeschichten. Ein Bekannter sagte einmal: Die Liebe ist alles. Als ich ihn fragte, was er damit meinte, erwiderte er: Die Liebe ist alles, denn alles, was wir im Guten sagen, ist Liebe, und alles, was wir im Schlechten sagen, ist verlorene Liebe. Alle Taten haben ihren Ursprung in der Liebe oder sind ein Mahnmal ihrer Zerstörung. Es gibt keine Tat, die nicht auf die Frage antwortet: Wer hat mich geliebt? Ohne die Liebe bleiben nur Einsamkeit und Tod. Deshalb bin ich gezwungen zu sagen: Die Liebe ist alles. Das hat er gesagt, gezwungen. Wortwörtlich."


Ist das nicht wunderbar? Wieviel steckt in diesen kurzen und wenigen Sätzen!? Ist das nicht großartige Literatur, die tief bewegend wie ein innerer Sturm ist und leise auf Samtpfoten, wie eine Katze, daherkommt! Literatur, die wärmt und eine ganz eigentümliche und eigene erzählerische Wärme erschafft!


Ich merke, jetzt schwärme ich doch! ;) Was mir noch sehr sehr gut gefallen hat, sind die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen. Auch hier wieder: So weniges wunderbar in wenig Worten gesagt! Und dann noch dies: Immer wieder blitzen in den kurzen Absätzen (meist 1-2 Seiten lang) kleine funkelnde, ich nenne sie mal Satz-Juwelen auf!

Da ist ein Satz, der berührt oder in seiner Aussagekraft so wahr und weise ist, dass ich innehalten musste, und ihn noch einmal gelesen habe. Diese Sätze sind wie Muscheln, die ich bei einem Strandspaziergang einsammle; es gibt so viele Muscheln und auch schöne, jede einzelne auf ihre Art. Aber wenige sind so besonders, wecken meine Aufmerksamkeit, die möchte ich haben, die hebe ich auf und verschließe sie fest in meiner Hand, um sie nach Hause zu tragen.

So sind diese Sätze, die bewegenden und von denen gibt es viele in diesem kleinen Buch, das so wohlkomponiert anmutet. Im Grunde gibt es nur eine Empfehlung: LESEN! Und auch noch: Besitzen! Ich habe mir das Buch nur ausgeliehen, werde es mir aber doch tatsächlich noch kaufen, um jederzeit wieder in die Sehnsucht des Mannes nach Elena eintauchen zu können. Das kam bisher nicht oft vor, dass ich ein geliehenes Buch doch noch gekauft habe......


Und ein letzter, nein, zwei Gedanken noch: Den Autor sollten wir uns gut merken! Und: Das Buch ist etwas Besonderes und für all jene, die das Besondere mögen, die nicht mainstreammäßig lesen, sondern durchaus eine Vorliebe für klare, schnörkellose und fast poetisch anmutende Sprache und Literatur haben!

 

Dein Kommentar zu dieser Rezension

Sehnsucht nach Elena Sehnsucht nach Elena
Joel Haahtela

(60)  

96 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 39 Rezensionen

sehnsucht, liebe, einsamkeit, trauer, alter

Kaufen bei amazon.de
Sehnsucht nach Elena
von Joel Haahtela

Teilen