Leser-Rezension zu „Nebelsturm” von Johan Theorin
am 14.01.2012
Totenhaus?
Joakim und Katrine sind mit ihren beiden Kindern zusammen nach Öland gezogen. Sie haben den alten Hof gekauft, der zu den Leuchttürmen gehört, um die sich viele Legenden und Geistergeschichten ranken. Davon wissen die beiden aber nichts und mit viel Energie gehen sie an die Renovierung der Wohnräume. Katrine hat schon einen Bezug zu dem Hof, in dessen Waschhaus sie als Kind mit ihrer Mutter zusammen gelebt hat. Joakim, der noch als Lehrer in Stockholm gearbeitet hat, zieht erst etwas später ganz auf die Insel.
Da tritt auch Tilda ihre erste Stelle an. Sie hat die Ausbildung auf der Polizeischule beendet und nun soll sie die Dorfpolizistin werden. Auch sie kennt die Insel schon ein wenig, da sie den Bruder ihres Großvaters des öfteren im Altersheim besucht hat, um mit ihm über die Familiengeschichte zu sprechen. Gerlof erzählt ihr gerne von den alten Zeiten und natürlich hat er auch eine Meinung, wenn Tilda von den Ereignissen auf der Polizeistation berichtet.
Am Anfang war ich doch kurz davor etwas enttäuscht zu sein, beginnt der Autor doch mit einer sehr ruhigen Erzählung über Vergangenheit und Gegenwart, doch bald wird man von der winterlichen Stimmung des Buches gefangen genommen. Die Schaumkronen tanzen auf den Wellen, die Zeit der Dunkelheit rückt näher, der Wind pfeift um die Häuser. Eigentlich weniger wie ein Krimi mehr wie ein Gemälde des Nebelsturms so erschien mit dieser Roman. Mit jeder Seite, die ich las, war ich mehr im Banne der Ereignisse. Wie hängt alles zusammen, wieso geschehen Dinge. Selbst das Unheimliche, Geisterhafte hat etwas selbstverständliches. Wie kann man den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten, kann man es überhaupt.
In mehreren Erzählsträngen wird dem Leser das Leben auf der Insel näher gebracht. Der alte Volksglaube, die alten Geschichten und Legenden, haben sie Einfluss auf die Gegenwart. Kann ein Haus wirklich Unglück bringen. Oder ist es eher ein schöner Brauch, wenn der Toten auf eine eigene Art gedacht wird. Nun kommen jedoch alle Handlungsstränge zu einem furiosen Finale zusammen, das mich nach längerem mal wieder völlig der Welt entrückt hat, so in die Geschichte eingetaucht war ich. Und mal wieder von der Auflösung überrascht, die zwar völlig logisch mit wenigen Worten erklärt alles auf den Punkt bringt.

