Leser-Rezension zu „Das Haus zur besonderen Verwendung” von John Boyne
am 30.08.2010
Eine wunderschöne Liebesgeschichte!!
Georgi ist ein Bauernjunge, der zufällig einem Mitglied der russischen Zarenfamilie das Leben rettet. Aus Dankbarkeit bekommt er eine Anstellung im Zarenpalast, wo er von nun an Leibwächter des Zarewitsch Alexej ist. Ein wenig naiv stolpert er durch die Gegend, doch seine Treue zur Zarenfamilie ist durch nichts zu erschüttern. Er verliebt sich in Anastasia, die jüngste Zarentochter, und die Liebe wird erwidert, muss jedoch ein Geheimnis bleiben, denn Anastasia ("Schwipsik" - "Kobold" wird sie liebevoll von ihren Eltern genannt) soll natürlich nach dem Krieg mit einem Prinzen vermählt werden so wie ihre drei Schwestern auch.
In einem weiteren Handlungsstrang sehen wir das alte Ehepaar Georgi und Soja Jatschmenew. Soja ist todkrank, Georgi sitzt an ihrem Bett und kann eigentlich nichts anderes tun als warten und bei ihr sein. In Rückwärtsschritten wird von ihrem gemeinsamen Leben erzählt: eine Fahrt nach Finnland mit Abstecher nach Russland, der Tod der Tochter, die Arbeit in der British Library, die Geburt des Enkels, die Geheimdiensttätigkeit im Zweiten Weltkrieg, die Ankunft in London, das Leben in Paris ... es gibt viele Stationen im Leben des Ehepaars Jatschmenew, und das Buch führt den Leser zurück bis in die Zeit der Revolution.
Ach, war das ein schöner Roman! Opulente Bilder - die Pracht in den Palästen, das behütete Leben der Zarenkinder, alles so gut beschrieben, dass vor meinem inneren Auge alles so aussah wie in dem Bildband, den ich mir nach dem Lesen noch angeschaut habe. Eine wirklich schöne und eindringliche Sprache - die Leiden des Zarewitsch nach dem Sturz vom Baum wurden so dargestellt, dass es fast real zu spüren war. Und die gelben Zähne Rasputins habe ich mehr als einmal vor mir gesehen. Diese Liebe zwischen Georgi und Soja - bedingungslos und miteinander durch dick und dünn gehend. Die Übersetzung ist in meinen Augen gut gelungen. Das Buch ist ein absolutes Highlight, ein toller Schmöker für Herbst und Winter bei einer Kanne Tee auf dem Sofa.

