Rezension zu "Der Junge im gestreiften Pyjama" von John Boyne

Neuer Beitrag

Dupsi

Vor 1 Jahr

(17)

_„Genau genommen waren es keine Kinder. Zumindest nicht alle. Es waren kleine Jungen und große Jungen, Väter und Großväter. Vielleicht auch ein paar Onkel. Und ein paar von den Leuten, die allein wohnen, weil sie keine Verwandten haben. Sie waren jedermann.“_ (S. 42)

Das ist es, was Bruno aus seinem Fenster in dem Haus in Aus-Wisch sehen kann. So viele Menschen, die alle gestreifte Pyjamas tragen, nur durch einen Zaun von ihm getrennt. Er versteht nicht, warum er den ganzen Tag allein, allenfalls mit seiner älteren Schwester Gretel verbringen muss, die er als hoffnungslosen Fall bezeichnet.
Generell passt es ihm nicht, dass die Familie ihr schönes Haus in Berlin verlassen muss, um in dieses im Gegensatz dazu so ungastliche Haus zu ziehen, in diesem Ort mit dem merkwürdigen Namen Aus-Wisch. Nur, damit sein Vater einer wichtigen Arbeit nachgehen kann, für die er vom Furor bestimmt wurde.
Doch dann macht Bruno sich auf Entdeckungsreise, weg von dem Haus, in dem es so gar nichts zu entdecken gibt, hin zu dem geheimnisvollen Zaun, der die zahlreichen Menschen von ihm trennt, Ewig, so kommt es ihm vor, wandert er an dem Zaun entlang, bis er zu einer Stelle kommt, an der der Zaun nicht richtig befestigt zu sein scheint.
Dort trifft er auf Schmuel, den Jungen im gestreiften Pyjama. Die beiden ungleichen und doch so ähnlichen Jungen, die nur von einem Stacheldrahtzaun getrennt sind, entwickeln eine ungewöhnliche Freundschaft, neugierig auf das Leben des anderen.
Ob das gut geht, wenn man bedenkt, wofür die beiden stehen?


Die Geschichte von Bruno und Schmuel ist unglaublich schon, aber auch unglaublich traurig. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft in einer Zeit, in der alle alles Ungewöhnliche verteufelt wird. Dass Bruno ein doch recht naiver Junge ist, macht die Geschichte für mich irgendwie noch anrührender, noch tragischer, da alle Schrecknisse dieser Zeit nur angedeutet werden, aus der Sicht eines unschuldigen Kindes beschreiben werden.
Für mich war es auch nicht störend, dass Bruno so naiv, dargestellt wurde, denn ich kann mir vorstellen, dass die Kinder damals ganz anders erzogen wurden, dass diese Schrecken von ihnen ferngehalten bzw. ganz anders erklärt wurden. Zudem kommt wahrscheinlich hinzu, dass Bruno viele Dinge einfach nicht sehen will, weil er nicht glauben kann, dass auf der Welt, genau in seinem Umfeld so böse Dinge geschehen, wie damals in „Aus-Wisch“ geschehen sind.
In der Hinsicht habe ich Schmuel bewundert, dass er niemals die Geduld mit Bruno verloren hat,
Alles in allem konnte man sich, trotz der teilweise nur wagen Andeutungen ein gutes Bild von der damaligen Zeit machen, was allerdings besser gelingt, wenn man schon etwas Hintergrundwissen über diesen Abschnitt der Geschichte hat.

„Der Junge im gestreiften Pyjama“ ist ein Buch, das ich jedem an Herz legen möchte. Denn obwohl es Dinge beschreibt, auf die bestimmt niemand sonderlich stolz ist, ist es doch auch ein Buch über die Freundschaft. Eine Freundschaft, die Grenzen überwindet.

5 Sterne dafür.

Autor: John Boyne
Buch: Der Junge im gestreiften Pyjama
Neuer Beitrag