Aber wo genau lag der Unterschied?, fragte Bruno sich. Und wer entschied, welche Leute die gestreiften Anzüge und welche Leute die Uniformen trugen?
Seite 127
(Mir gefällt dieses Zitat so viel besser als alle anderen, die ich auch ausgewählt habe, weil es zeigt, dass ein 9 Jahre alter Junge kaum verstehen kann warum es jetzt einen Zaun gibt, und dass diese Welt, in der er lebt, überhaupt nicht geeignet für ihn ist.)
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Inhalt:
Bruno führt ein ganz normales Leben: Er trifft sich mit seinen Freunden, spielt Streiche, nervt seine Schwester Gretel, die ein hoffnungsloser Fall ist, rutscht das Treppengeländer herunter und wird an Feiertagen in Berlin bei den vielen Cafes von Pontius zu Pilatus geschubst.
Doch alles beginnt damit, dass Bruno am Abend nicht mehr lesen darf, weil sie das Licht ausschalten müssen, wenn es Unruhe gibt. Dann kommt ein kleiner Mann mit Schnauzbart zum Essen, den Bruno gar nicht ausstehen kann und Vater darf von den Bediensteten nur mehr mit Kommandant angesprochen werden. Und dann kommt Bruno von der Schule nach Hause und alle seine Sachen, auch die die keinen etwas angehen, werden in große Kisten gepackt: Sie ziehen um.
In ein riesiges Haus in Aus-Wisch, mit großen Garten, einer Bank mit einem Schild, einem Koch und vielen Soldaten, die im Haus aus- und eingehen, als wäre es ihr eigenes. Bruno ist es von Anfang an nicht geheuer und er meint, es sei ein riesengroßer Fehler, doch keiner will ihm zuhören.
Doch aus seinem Zimmerfenster sieht Bruno einen riesigen Zaun mit Stacheldrahtrollen obendrauf, dahinter Leute in gestreiften Pyjamas, die Arbeiten, nichts tun, oder von den Soldaten angebrüllt werden Bruno versteht die Welt nicht mehr, warum darf er nicht zum Spielen auf die andere Zaunseite, warum muss er Hemden tragen und die Pyjamas, warum gehen die Soldaten und Vater auf die andere Zaunseite, die Leute werden aber nie eingeladen ins Haus zu kommen?
Dann beginnt Bruno in der Gegend zu forschen. Er geht an der Zaunseite entlang und trifft einen Jungen in einem gestreiften Pyjama. Sie beginnen zu reden und bald sitzt Bruno jeden Nachmittag dem Jungen gegenüber, nur ein Zaun trennt sie, der auch nicht so fest ist, wie alle glauben, denn Bruno kann Essen für den Jungen hinein schmuggeln.
Doch der Vater von Schmuel, dem Jungen im gestreiften Pyjama, wird vermisst und alle versuchen ihn wieder zu finden, vergeblich. Und als Bruno wieder nach Berlin umziehen soll, müssen sich die beiden verabschieden. Sie planen ein Abenteuer, das für sie beide ein Verhängnis werden könnte…
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Meine Meinung:
Ich habe mich schon in der Inhaltangabe bemüht so zu schreiben, wie in dem Buch aus Brunos Sicht erzählt wird. Manche Wörter werden öfters wiederholt, wie zum Beispiel; in Berlin, wo man an Feiertagen von Pontius zu Pilatus geschubst wird oder Vaters Arbeitszimmer, das zu betreten immer und ausnahmslos verboten ist.
Bruno ist als einziger Charakter, so kommt es mir vor, richtig ausgearbeitet. Dagegen Schmuel taucht erst ab der Hälfte des Buches auf (ich hätte mir vorgestellt, dass mehr von der Zeit beschrieben wird, in der sie sitzen und einfach nur reden) und ist einfach ein ängstlicher Junge, dessen Geschichte wir erfahren, mehr aber auch nicht. Brunos Schwester Gretel ist einfach nur zickig und durchlebt eine Phase. Sie verliebt sich in den jungen Oberleutnant, was Bruno gar nicht verstehen kann, weil der schrecklich ist und die ganze Zeit nur herumbrüllt. Mutter braucht meistens Sherry aus medizinischen Gründen und hält Mittagsschläfchen, während ihr anscheinend nicht auffällt, dass täglich mehr Kuchen und Gebäck aus der Küche verschwinden und ihr Sohn am Nachmittag ein paar Stunden weg ist. Ehrlicherweise hat mich das nachher ziemlich aufgeregt. Welche Mutter bekommt es nicht mit, wenn der Sohn die ersten paar Wochen Trübsal bläst und dann plötzlich doch einen Ansporn gefunden hat, in dem neuen Haus zu leben? Dann wäre es vielleicht nicht passiert. Der Vater wird aus Brunos und Schmuels Sicht beschrieben. Bruno hält ihn für den tapfersten und nettesten Mann, den es jemals gab, während Schmuel sich fragt, wie so ein Mann einen Sohn haben konnte, der einfühlsam und gut war (Seite 242).
Die ganze Geschichte wird in der 3. Person aus Brunos Sicht erzählt, manchmal werden aber auch die Gedanken und Gefühle von den anderen beschrieben. Am Anfang fand ich auch die kindliche Erzählweise und das ganze Unverständnis irgendwie süß. Natürlich versteht es ein neunjähriger Junge nicht, wenn man ihm sagt, dass dieser Umzug kein Fehler ist und dass die Menschen auf der anderen Zaunseite eigentlich gar keine Menschen sind. Wie gesagt am Anfang fand ich es süß und lieb, aber ca. ab der Hälfte des Buches einfach nur nervig. Vielleicht ist es auch nur für mich persönlich so kindisch, weil ich auch nicht gerade erwachsen bin und seine Schwester, die ein hoffnungsloser Fall ist und eine Phase durchlebt, genau in meinem Alter ist. Ich konnte mich einfach nicht in Bruno hineinversetzen und mit ihm fühlen, was bei einem neunjährigen Jungen sicher schwer ist, aber ich habe es nicht geschafft. Irgendwann sollte doch auch ihm klar sein, warum es verboten war, auf die andere Zaunseite zu gehen oder den Leuten in den Pyjamas vorzuwerfen, es sei unfair, weil er selbst keinen tragen darf. Also für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, aber wahrscheinlich will uns das Buch genau das sagen: Neunjährige Jungen dürfen nicht neben einem Konzentrationslager wohnen, wenn ihnen keiner (natürlich nicht…) sagt, was da drüben los ist. Denn genau das ist ihm schließlich zum Verhängnis geworden.
Ich hoffe, ich habe nicht zu viel gesagt, aber es ist wahrscheinlich den meisten klar, dass das nicht gut gehen kann, sonst wäre es unrealistisch.
Und zum Schluss muss ich das einfach loswerden (ein letztes Zitat, das mich ziemlich erschreckt hat): Bruno öffnete die Tür, aber Vater rief ihn noch einmal zurück, stand auf und hob eine Augenbraue, als wollte er ihn an etwas erinnern. […] Bruno drückte die beiden Füße aneinander und stieß den rechten Arm in die Luft vor ihm, knallte die beiden Hacken zusammen und sagte […] „Heil Hitler“, was, wie er annahm, ein andere Möglichkeit war zu sagen: Na dann, auf Wiedersehen und einen schönen Nachmittag.
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Fazit:
Ein spannendes Buch, das zum Nachdenken anregt. Jedoch hat mich die Sicht des neunjährigen Jungen später genervt, weil er einfach nicht verstanden oder es selbst herausgefunden hat, warum er nicht auf die andere Zaunseite darf, und was daran so schlimm ist. Das Ende ist genauso gekommen, wie ich es befürchtet habe. 4 von 5 Sternen, weil Brunos Gedanken für mich nicht nachvollziehbar waren.