Rezension verfasst vor 7 Monaten
(3)
Inhalt:
Durch ein kleines Fenster beobachtet der junge Samuel, wie sich vier seiner Nachbarn, mehr aus Langerweile als aus Überzeugung, an einem schwarzmagischen Ritual versuchen. Unglücklicherweise funktioniert dies besser als gedacht, und ein Portal zur Hölle tut sich auf. Einige Dämonen entkommen und nehmen fortan die Rollen der Nachbarn ein, um ungestört an den Vorbereitungen der Ankunft des „Großen Verderbers“ arbeiten zu können. Natürlich finden Samuels Wahrungen erst Gehör, als schon die ersten Legionen des Satans durch das Portal marschieren und es für die Rettung der Welt fast schon zu spät ist.
Rezension:
Klappentext und Referenzen stellen „Das Portal“ durchweg als „das erste Kinderbuch von Bestsellerautor John Connolly“ dar. Meiner Meinung nach eine bemerkenswerte Fehleinschätzung. Connolly ergeht sich zwar nicht in detaillierten Beschreibungen der, durchaus vorhandenen, Todesfälle dennoch wird das Buch allzu jungen Lesern keine Freude bereiten.
Der Humor von „Das Portal“ ist doch recht speziell, um nicht zu sagen skurril. Über Fragen der Logik und der natürlichen und altersgerechten Verhaltensweisen seiner Figuren setzt sich der Autor mit einer beachtenswerten Kaltschnäuzigkeit hinweg. Aber auch die kurzen quantenphysikalischen Einschübe erscheinen mir wenig kinderfreundlich. Doch dies sind nicht die eigentlichen Schwachpunkte des Buches - im Gegenteil. Unlogik und schräger Humor können durchaus unterhaltsam sein. Doch leider fehlt es der Geschichte an Herz.
Das größte Problem von „Das Portal“ sind wohl seine Charaktere. Die sind zwar keineswegs alltäglich, eigentlich also beste Voraussetzungen, trotzdem wird man nicht richtig warm mit ihnen. Dies mag zum einen an dem bereits erwähnten Mangel an menschentypischen Emotionen liegen, zum anderen aber, was wesentlich wichtiger ist, räumt der Autor seinen Figuren kaum Entscheidungsfreiheit ein. Neue Handlungsschritte scheinen selten Produkt der Überlegungen der Figuren zu sein, sondern erscheinen vorherbestimmt.
Hier liegt auch der Unterschied zu Jonathan Strouds „Bartimäus-Reihe“, an die beim Lesen einer Geschichte über unhöfliche Dämonen unweigerlich Erinnerungen wach werden. Die Story ist zu linear, die Charaktere ohne Tiefe.
Fazit:
Insgesamt ist „Das Portal“ also durchaus kurzweilig und unterhaltsam, leider absolut ohne Nach- und Tiefenwirkung. Zu lesen für Mädchen und Jungen gleichermaßen, aber bitte erst ab 15 Jahren. Ich vergebe darum 3 von 5 Punkten.
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