Leser-Rezension zu „Das dunkle Vermächtnis” von John Connolly

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Stefan83 Stefan83
Verfasst von Stefan83
am 8.10.2011
 

Das Wort "Weltklasse" nehme ich eigentlich im Zusammenhang mit Krimis und Thrillern eher selten in den Mund. Bei John Connollys zweitem Streich mit Charlie "Bird" Parker bleibt mir aber keine Wahl, denn "Das dunkle Vermächtnis" ist wohl das Beste Stück Hardboiled-Literatur, das ich bisher genießen durfte. Derart düster, derart böse, derart packend ist mir noch kein Buch daherkommen. Noch nie hab ich einem Autor so an den gedruckten Lippen gehangen.

Schon im Erstling "Das schwarze Herz" deutete Connolly an, dass er das Potenzial hat sich in die erste Liga zu schreiben. Mit dem zweiten hat er dies nun ohne Zweifel getan. Im Gegensatz zum Vorgänger, der oftmals noch etwas langatmig wirkte, bei dem die mangelnde Zielstrebigkeit und fehlende Routine zwischen den Zeilen durchschimmerte, liest sich "Das Dunkle Vermächtnis" nun wie aus einem Guss. Die Figuren, die Atmosphäre, der Spannungsbogen, der Handlungsschauplatz. Hier passt einfach alles zusammen. Allein diejenigen, welche den ersten Band nicht gelesen haben, könnte vielleicht die Wucht, mit der John Connolly das Böse auf die Welt niederprasseln lässt, erschüttern. Für Zartbesaitete ist auch dieser Roman absolut nicht geeignet, auch wenn er noch so vermeintlich harmlos beginnt.

Es ist gut ein Jahr her, dass Charlie "Bird" Parkers Familie durch die Hand eines psychopathischen Serienmörders den Tod gefunden hat. Der Detective des NYPD hatte nach diesem Schicksalsschlag seiner Arbeit den Rücken gekehrt und auf der Jagd nach dem "Fahrenden Mann", so der Name des Mörders, eine Spur des Blutes hinterlassen. Die Art und Weise, in der er Selbstjustiz verübte, führte zu einer Ächtung durch seine Kollegen, worauf er schließlich den Dienst quittierte. Zurückgezogen im alten Haus seines Großvaters in Maine lebend, verdingt er sich nun als Privatdetektiv und hilft auch alten Freunden gern mal aus. So treibt er für Rita Ferris bei ihrem Ex-Mann, dem stadtbekannten Schläger Billy Purdue, dessen ausstehende Alimente ein... und katapultiert sich damit ohne sein Wissen in ein Gewirr aus Gewalt, Rache und Hass. Rita wird kurz danach samt Sohn tot aufgefunden und Billy, der Hauptverdächtige, der zuvor die Mafia um Geld erleichtert hatte, flieht in den Norden. Mafiosi, Bullen und zwei mysteriöse Killer dicht an seinen Fersen. Parker, von Billys Unschuld überzeugt, versucht ihn zu finden und wird im Verlauf dieser Jagd mit der Vergangenheit konfrontiert. Denn in den dunklen Wäldern von Maine treibt "Caleb Kyle" sein Unwesen. Ein mysteriöser Serienmörder, dem schon sein Großvater, selbst Polizist, auf der Spur war.

Wird Parker dessen dunkles Vermächtnis zu Ende bringen? Und welches Interesse hat "Caleb" Kyle an Billy Purdue? Diesen Fragen geht der "Birdman" einmal mehr mit seinen zwei alten Freunden, dem schwulen Pärchen Angel und Louis, auf den Grund. Und da ersterer Einbrecher und letzterer professioneller Killer im Halbruhestand ist, gibt es auch diesmal "a few bodies a long the way". Wirklich eindrucksvoll, wie Connolly den Leser in seinen Plot hineinreißt, ihn in die stimmungsvollen, nebligen Wälder zerrt und dort zum Schaudern bringt. Stundenlang hab ich um mich herum nichts mehr wahrgenommen, glaubte ich die Schüsse an meinen Kopf vorbeizischen, den kalten Atem von "Bird" in der Luft ausströmen zu sehen. Wenn es um den Aufbau einer spannungsgeladenen Atmosphäre geht, ist Connolly ein Meister.

Einen Spannungsbogen selbt gibt es eigentlich nicht. Einfach aufgrund der Tatsache, dass diese ständig am oberen Limit verweilt und einzig aufgrund der grandiosen Action-Sequenzen das Adrenalin noch höher getrieben wird. Nebenbei werden sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren weiter ausgearbeitet, wandelt sich der zynische und harte Charlie "Bird" Parker wieder in einen Menschen mit Reuegefühl und Mitleid. Für das komische Element sorgen erneut Angel und Louis, deren "Ehestreitigkeiten" mich mehr als einmal zum Schmunzeln brachten und zusätzlich Pfeffer in die Geschichte bringen. Das patronengeschwängerte Ende samt genialer Auflösung schließt ein an Unkonventionalität und Spannung nicht zu übertreffendes Leseerlebnis dann letztlich ab.

Insgesamt ist "Das dunkle Vermächtnis" ein grandioser, aus der Masse herausragender Thriller, der keine Zeit zum Luft holen lässt. Ein absolutes, uneingeschränktes Muss für alle Fans harter Kriminalliteratur!

 

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Das dunkle Vermächtnis Das dunkle Vermächtnis
John Connolly

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Das dunkle Vermächtnis
von John Connolly

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