Obwohl auf dem deutschen Buchmarkt noch bei weitem nicht so bekannt wie ein Ellroy, Deaver oder Harris, hört man von den meisten Lesern eines John Connollys zumeist nur wohlwollende Kritiken und Lobpreisungen in den höchsten Tönen. Ein Grund für mich mir den ersten Band der Charlie "Bird" Parker-Reihe zu kaufen und vorzunehmen. Wurde ich enttäuscht?
Definitiv nicht. Connollys knallharte, streckenweise bluttriefend brutale Sprache hat mich ebenso wie die genialen Figuren, insbesondere Parker selbst, von Seite eins an gepackt und bis zur letzten, zitternd umgeschlagenen Seite nicht mehr losgelassen. Ein fesselndes Buch, keine Frage. Den Olymp des Hard-Boiled-Krimis bzw. Thriller hat der Autor damit allerdings noch lange nicht erstürmt. Dafür ist einfach zuviel Luft nach oben.
Der Inhalt ist schnell erzählt: Charlie "Bird" Parker, Polizist in New York, sucht sich den falschen Abend aus, um seine Eheprobleme im Pub um die Ecke zu betrinken. Als er nach Hause zurückkehrt, findet er die Hölle vor. Frau und Tochter sind tot. Von einem Toten dahingeschlachtet, der sie einem mysteriösen Ritual nach im Tode angeordnet und ihnen die Haut samt Gesicht abgezogen hat. Parker, der kurzfristig selbst zum Mordverdächtigen wird, quittiert den Dienst und wird freischaffender Detektiv. Bei der Suche nach einem Kautionsflüchtling versucht er die gebrauchte Ablenkung vom "Fahrenden Mann", wie sich der Serienmörder nennt, zu finden. Was folgt ist eine Odyssee durch die Abgründe der menschlichen Seele, bei der er schließlich einer Reihe von Kindermorden auf die Spur kommt. Und, ohne es zu diesem Zeitpunkt zu ahnen, die Fährte des "Fahrenden Mannes" kreuzt.
In gewissem Sinne ist "Das schwarze Herz" also ein Buch mit zwei Plots, die bis kurz vor Schluss keine Verbindung miteinander zu haben scheinen, was den Leser anfangs stark irritiert und den Lesefluss stört. Das Buch mag dadurch an Tempo verlieren, an Spannung ganz sicher aber nicht. Immer wieder glaubt man die Lösung des Ganzen gefunden zu haben, bis eine überraschende und trotzdem logische Wendung einen wieder zum Anfang bringt. Wie Connolly hier mit unserer Vorstellungskraft spielt und mitunter an den Nerven zerrt, ist schlichtweg meisterhaft. Connolly beschreibt detailliert bis an die Grenze des Erträglichen, weshalb das Buch sicher nichts für zarte Gemüter ist. Im letzten Drittel sterben Figuren seitenweise und die stets allgegenwärtige Gefahr lässt den Leser auch um die Hauptprotagonisten, Bird, die wunderschöne Psychologin Rachel sowie das Dieb-Killer-Duo Angel und Louis, bangen. Die Auflösung mag den ein oder anderen überraschen, persönlich hatte ich diese Person fast seit Beginn unter Verdacht. Schade.
Insgesamt ist "Das schwarze Herz" ein Highlight des Hard-Boiled-Genres, das vor Action, Spannung und auch köstlichem Humor (Louis und Angel) nur so strotzt und den Leser das ein oder andere Mal (wenn auch meist etwas offensichtlich) in die Irre führt. Ohne Zweifel ein absolutes Must-Have für Fans des Genres und gelungener Start einer sich im weiteren Verlauf stetig steigernden Reihe.