Leser-Rezension zu „Gottes Werk Und Teufels Beitrag” von John Irving
am 28.01.2012
"Ob ich mich in diesem Buch zum Helden meiner eignen Lebensgeschichte entwickeln werde oder ob jemand anders diese Stelle ausführen soll, wird sich zeigen." Diese Anfangszeilen aus Dickens "David Copperfield" werden das Waisenkind Homer Wells von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter begleiten. Genauso wird sich das Waisenhaus St. Clouds als weitaus mehr als nur der missliche Startpunkt seiner Lebensgeschichte erweisen. In John Irvings "Gottes Werk und Teufels Beitrag" geht es jedoch nicht nur um Homer Wells und seinen Werdegang. Da ist der äthersüchtige Dr. Wilbur Larch, der mit seinem abendlichen Gruß "Gute Nacht, ihr Prinzen von Maine, ihr Könige Neuenglands!" in den Schlafsaal der Waisenjungen gerufen, mehr zu versprechen scheint als sich je für all die Kinder bewahrheiten wird. Und doch kann ihm niemand verübeln, dass Dr. Larch seine eigenen Strategien verfolgt, denn was er tut, tut er mit einem Herzen voll Empathie und einem Kopf voll Verstand.
Da sind Candy und Wally, die das Leben nach St. Clouds führt, vieles wird sich durch diese Begegnung verändern.
Und ich will Melony nicht vergessen. Melony, die allzu barsch, zu ehrlich und zu grausam erscheinen mag.
Irving erzählt mir eine große Geschichte, eine Geschichte voll Wahrheit und noch mehr Lügen, gespickt mit mächtigen Sehnsüchten und den dunklen Kammern des Lebens. Warum mag ich diese Erzählung so sehr? Das habe ich mich schon mehr als einmal gefragt. Ich vermute es ist die Tiefe der Gefühle, die Irving mit seinen Charakteren in mir erweckt, es ist die Sprache, die so gewandt und vielfältig von Schicksalen spricht, die für mich so real und greifbar erscheinen, dass es beinahe schmerzhaft anmutet das Buch zu beenden.
Mir fehlt weder Spannung, noch stört mich das Konstrukt aus Lügen und Unwahrheiten. Ich reibe mich nicht an der stellenweise derben Ausdrucksweise auf und suche nicht nach Sinn und Unsinn. Dieses Buch gehört schlicht und ergreifend zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, weil es mein Herz berührt!
Allein von der Verfilmung möchte ich aus eigener Erfahrung abraten. Eine tiefe Enttäuschung, die ich hätte vorhersehen müssen. Lasse nie andere deine eigenen Phantasien verwirklichen, sie können nur scheitern.
Jedoch möchte ich allen Liebhabern unbedingt das Hörbuch, gelesen von Rufus Beck ans Herz legen!
Kommentare zu dieser Rezension
AnnaChi vor 3 Monaten
Gefällt mir auch sehr gut - deine Rezension und Irving! Ich glaube, das Hörbuch gönne ich mir mal.
thursdaynext vor 3 Monaten
Wunderschön ausgedrückt ! Gottes Werk und Teufels Beitrag ist auch eines meiner Liebsten ;) Wobei da noch "Owen Meany" und "Die wilde Geschichte vom Wassertrinker" , "Freiheit" und und und wären .



