Leser-Rezension zu „Via Mala” von John Knittel
am 6.06.2008
Viele sagen , Via Mala sei ein Heimatroman - das stimmt so nicht, finde ich. Es geht eher um das Portrait einer Famile in der Schweiz der 30er Jahre. Die Mutter sowie die drei bereits erwachsenen Kinder leiden unter der Herrschaft des Vaters, der Alkoholiker ist und zu Gewaltausbrüchen neigt. Eines Tages können sie die Armut und Trostlosigkeit ihres Lebens schließlich nicht mehr ertragen und es kommt zum "Showdown" - sie bringen den Vater gemeinschaftlich um. Nur die eine Tochter, Silvia, ist nicht an dem Mord beteiligt, findet aber trotzdem schnell heraus, was passiert ist. Im weiteren Verlauf wird beschrieben, wie die einzelnen Familienmitglieder mit der Tragödie umgehen, wie sie versuchen, ein freies und unbeschwertes Leben zu führen, aber die Vergangenheit holt sie wieder und wieder ein. Silvia heiratet schließlich einen Juristen, der durch Zufall mit dem Fall des "verschwundenen" Vaters betraut wird -schnell wird ihm klar, dass hier etwas nicht stimmen kann. Er beginnt nachzuforschen...
Ein spannender Roman, der viel über die Zeit, die Gesellschaft in der Schweiz, die Landschaft und das Leben dort preisgibt. Zudem beschreibt Knittel treffend den Konflikt, in dem sich der Richter befindet: Ist ein Mord an einem gewalttätigen, bösen Menschen zu rechtfertigen? Hat auch er ein Recht, dass die Täter bestraft werden? Ein absoluter Klassiker, der sich lohnt, auch wenn es zwischendurch tatsächlich etwas "heimatlich" wird.

