In den Industrienationen der westlichen Welt gibt es von allem mehr, als wir jemals benutzen oder genießen können. Ganz gleich ob Nahrung, Informationen, Güter oder Dinge. Alles ist jederzeit verfügbar und kann bis zum „Erbrechen“ konsumiert werden. Denn unsere „Steinzeitgene“ sind in dieser hochtechnisierten Welt noch immer für unser Konsumverhalten verantwortlich: Noch immer jagen wir den Dingen hinterher und streben nach mehr, mehr und mehr – auch wenn es uns krank, müde, unzufrieden und übergewichtig macht. Unser Gehirn wird tagtäglich mit Reizen überflutet, die Selektion wirklich wichtiger Informationen geht in der Tretmühle des modernen, schnellen Lebens allzu oft verloren. Die Werbung will das Konsumverhalten beeinflussen und uns Dinge verkaufen, die wir eigentlich nicht benötigen. Der Überfluss und seine Mechanismen zerstört nicht nur unsere persönlichen Ressourcen, sondern auch die unseres Planeten; und dass wir auf Kosten der Entwicklungsländer leben, steht wohl außer Frage. Unsere Gier ist unermesslich und was sie anrichten kann, zeigt ja gerade die Finanzkrise.
„Die Welt hat genug für jedermanns Notdurft, aber nicht für jedermanns Habgier“ hatte Gandhi schon festgestellt.
Im Alltag begegnet uns alles im XXL-Format was uns suggerieren soll, für wenig Aufwand besonders viel zu bekommen, obwohl es uns tatsächlich krank machen kann. Geistige Verflachung, egoistisches und unsoziales Verhalten, Vergnügungssucht und ein oberflächliches Leben nach dem „Lust-Prinzip“ sind das Ergebnis davon. Wie entkommen wir dem Höher-Schneller-Weiter unserer infantilen Gesellschaft, wie erkennen wir, worauf es im Leben wirklich ankommt?
John Naish, Redakteur im Gesundheitsressort „Body & Soul“ der Londoner Times schreibt hier von seinen eigenen Erfahrungen und denen vieler Betroffener und führt uns drastisch vor Augen, dass uns in Wahrheit eigentlich nur eines fehlt, um glücklich zu sein – nämlich die Fähigkeit, dem Überfluss den Rücken zu kehren. Diese Fähigkeit wohnt in uns allen inne, doch durch die permanente und notorische Informationsflut werden wir „klein“ gehalten, indoktriniert und unglaublich manipuliert.
John Naish beschert uns aufrüttelnde Gedanken, die diese ganze Konsumfarce durchleuchten und den Leser dadurch befreit aufatmen lassen. Der Autor, der selbst vor einem Burn-Out stand und daraufhin sein Leben komplett umkrempelte, lebt, was er beschreibt und dem Leser nahe legt. Frei von Belehrungen und Moralpredigten, direkt und mit trockenem Humor, zeigt er uns sinnvolle und freimachende Strategien, die jederzeit im Alltag umzusetzen sind. Vielleicht das Geschenk schlechthin für ein mittlerweile an Luxusgütern und Geschenkwahn übersättigtes Weihnachtsfest.
Schon vor mehr als zweitausend Jahren soll Sokrates beim Schlendern über den Markt gesagt haben: „So zahlreich sind all die Dinge und Waren, derer ich nicht bedarf.“