Als „amüsanter Schelmenroman über unsere Zeit“ wird der neue Roman von Jonathan Coe vom Verlag auf der hinteren Umschlagsseite beworben. Doch wer denkt, die Lektüre sei besonders lustig, irrt sich. Denn der Ich-Erzähler Maxwell Sim ist eigentlich ein trauriger Verlierer, einer, wie sie „unsere Zeit“ in Massen produziert und am Rand liegen lässt.
Gerade aus Australien, wo er seinen seit langem dort lebenden Vater besuchte und versuchte ihm endlich näher zu kommen, nach Watford in England zurückgekehrt, geht ihm eine Szene nicht mehr aus dem Sinn, die er in Sydney in einem Restaurant beobachtet hat. Dort sitzen eine Chinesin und ihre Tochter und spielen Karten. Die Innigkeit, die Tiefe und die Liebe, die er bei diesen beiden Menschen spürt, rühren ihn tief an, weil er die Leere in seinem eigenen Inneren spürt und darunter leidet. Eben darunter hat auch seine Frau jahrelang gelitten, die ihn vor sechs Monaten mit der gemeinsamen Tochter verlassen hat.
Das ganze Buch ist so etwas wie die Suche nach seinem eigenen Selbst. Durch viele Zufälle, die schon im Flugzeug von Sydney nach England ihren Anfang nehmen, begegnet er nicht nur Menschen, mit denen er in so etwas wie einen Kontakt kommt, sondern auf seinem Weg, der schlussendlich bei Aberdeen in einer Schneewehe endet, kommt er auch in den Besitz von Texten. Geschichten sind das, die das Buch auflockern und enorm bereichern. In der ersten lernt er Donald Crowhurst kennen, einen tragisch-gescheiterten Weltumsegler, mit dem er sich später auf nicht weniger tragische Weise identifiziert.
Maxwell Sim ist ein Loser, aber einer der kämpft. Er kämpft und sucht nach so etwas wie Sinn in seinem Leben, er sucht die Spur wieder zu finden aus der Sackgasse heraus, und verliert sie doch immer wieder.
Doch er bleibt konsequent seiner Suche treu, auch wenn er fast so geendet wäre wie sein großes Vorbild Donald Crowhurst. Er bleibt dabei und trifft tatsächlich jenen Menschen, dessen sprachlos-beeindruckende Erscheinung seine Seele und sein Herz beschäftigt hat von Anfang des Buches an…
„Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim“ ist ein sensibel erzählter Roman, in dem der Autor immer mit seinem scheiternd-kämpfend-suchenden Ich-Erzähler solidarisch bleibt. Manchmal zaubert er dem Leser ein Lächeln auf die Lippen, manchmal macht er ihn traurig über diese wirklich „ungeheuerliche Einsamkeit“.