Leser-Rezension zu „Die Unruhezone” von Jonathan Franzen
am 15.01.2009
Der preisgekrönte Schriftsteller Jonathan Franzen („Die Korrekturen“) erzählt aus seinen Kinder- und Jugendjahren: eine Thematik, die zunächst einmal starkes Interesse weckt. Leider nahm dieses im Laufe der Lektüre bei mir spürbar ab, da sich Franzen besonders im Mittelteil wiederholt teils episch breit in theoretischen Deutungsversuchen des menschlichen Daseins an sich in Verbindung mit
tiefenpsychologischen Analysen verschiedener aus seiner Sicht wesentlicher Werke der Literatur verliert und das Ganze dann in einen nur teilweise nachvollziehbaren Kontext zu seinem eigenen Leben setzt.
Die Jugenderlebnisse als solches kommen im Ganzen zu kurz und wenn, beschränken sie sich im Wesentlichen auf fast ausschließlich negativ geprägte Schilderungen eines erdrückenden, ignoranten Elternhauses und vieler weiterer persönlicher Nackenschläge aus zwischenmenschlichen Beziehungen. Eine traurige, teils sarkastische Rückblende und Abrechnung, die insbesondere durch den trockenen nüchternen Schreibstil des Autors irgendwie keine persönliche Anteilnahme des Lesers aufkommen lässt.
Meine ursprüngliche Erwartung an das Buch wurde leider nicht erfüllt. Nur die nach wie vor exzellente Sprachvirtuosität Franzens rechtfertigt insgesamt noch eine 3-Sterne-Bewertung.

