persönliche Reflexionen
Mit Spannung habe ich es erwartet, das neue Buch von Jonathan Franzen. Schon sein autobiographischer Welterfolg "Die Korrekturen" hat mich in den Bann gezogen, nun auch "Die Unruhezone".
Es ist sicher nicht so ein "großer Wurf", so ein "Literaturknaller" wie der 2001 mit dem "National Book Award" ausgezeichnete Roman. Man kann es auf keinen Fall als Nachfolger bezeichnen. Dazu ist dieses Buch - gespickt mit vielen Fremdwörtern - zu sehr intellektuell. Es beansprucht "keine einzige quantitativ, inhaltlich oder erzählerisch spektakuläre Kategorie der Literatur", wie "DIE ZEIT" schreibt, aber...
Jonathan Franzen hat ein schönes Buch geschrieben.
Er erzählt uns wieder einmal aus seinem Leben: seiner Kindheut und Jugend im amerikanischen Mittelwesten und seinem Erwachsenenleben in New York.
In sechs wahrhaft kunstvollen Essays berichtet Franzen "von bizarren Familienverhältnissen, diversen Demütigungen und vom Wunsch, den Schein zu wahren", sei es die Erstbegegnung mit deutscher Wesensart in Gestalt einer irritierend reizvollen Österreicherin oder die Bedeutung Kafkas für den Verlust der Jungfräulichkeit.
Wie immer sind seine Geschichten bescheiden, urkomisch, selbstironisch und traurig ergreifend zugleich. Wir begleiten Franzen auf seinem Weg vom phobiengeplagten ängstlichen Kind (er hat Angst vor Spinnen, Schlaflosigkeit, Angelhaken, Schultanzveranstaltungen, Baseball, Höhen, Bienen, Urinalen, der Pubertät, Musiklehrern, Hunden, der Schulcafeteria, Tadeln, älteren Teenagern, Quallen, Umkleideräumen, Bumerangs, beliebten Mädchen, Turmspringen) zum gefeierten Star der US-Literatur.
Es ist ein Buch der Freiheit zur Unvollkommenheit. Ich kann mich nur anschließen wenn "DIE WELT" schreibt: "Wer mit Franzen über Franzen lacht, kann gar nicht anders: Immer lacht er auch über sich selbst."
Nur wenigen gelingt, was ihm nahezu perfekt gelingt:
Er braucht nur seinen "Bleistift" und zwei, drei Striche, und die Figur oder Szene ist da.
Ihm sei verziehen, dass er dieses mal an manchen Stellen gar vier bis fünf Striche benötigte ;-). Trotzdem hebt sich dieses Buch für den gewillten Leser wohltuend vom Literatur-Mainstream ab.
Die Rezensentin der Wochenzeitschrift "DIE ZEIT" meinte: "Franzen macht aus einer Mücke nicht gleich einen Elefanten. Aber er lässt die Mücke zu ausführlich kreisen."
Meine Meinung: "Herr Franzen, lassen Sie die Mücke ruhig kreisen, ich mag - auch wenn ich Mücken nicht so gern habe - ihr Buch und Ihren Erzählstil. Und diese Art von Literatur darf ruhig etwas ausufernder sein."
Danke, für diesen schönen Essay-Band!