Leser-Rezension zu „Schweres Beben” von Jonathan Franzen
am 7.09.2010
Eine Serie von mysteriösen Erdbeben erschüttert Boston. Zunächst zählt die Katastrophe nur ein Todesopfer. Die vermögende Großmutter des eigenartigen und eigenwilligen Louis Holland. Mit ihrem Tod bricht ein intriganter Kampf um das Erbe der alten Frau aus, so geraten alte Konflikte ans Tageslicht und das Streben nach Anerkennung gewinnt die Oberhand. Selbstverständlich dürfen Schuldzuweisungen und gebrochene Versprechen nicht fehlen. Doch für Louis soll nicht nur der Familienfrieden und die Natur beben, auch sein Herz wird in einen heftigeren Rhythmus versetzt. So lernt er die Seismologin Renée kennen und stürzt sich in eine abenteuerliche Liebesgeschichte.
Franzen bearbeitet hier präzise und gekonnt die Strukturen innerhalb einer Familie mit all ihren peinlichen Schattenseiten. So geht es um Neid, Schuld, verschmähte Liebe und gebrochene Versprechen. Diese allein schon füllende Thematik verbindet der Schriftsteller gekonnt mit einer ergreifenden Liebe, die noch dazu ihren Handlungsraum in einer von einem Erdbeben bedrohten Stadt findet. Franzen lässt hier sein erzählerischen Geschick durch eine grandiose Handlung und einem einzigartigen Stil aufblitzen. So wird die Gesellschaft seziert und moralische Vorstellungen in Frage gestellt. Ein wundervoll lesenswerter Roman, mit einem ernsthaften Hintergrund.

