Leser-Rezension zu „Dear American Airlines” von Jonathan Miles

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Ailis Ailis
Verfasst von Ailis
am 8.12.2010
 

Die New York Times bezeichnete dieses Buch als "wild, witzig, unterhaltsam", was ich allerdings nur bedingt unterschreiben möchte - denn dieses Buch ist mehr als das. Dem Zitat der Times folgend habe ich einen Roman erwartet, der sich durch einen wilden, flapsigen Humor auszeichnet - insgesamt rechnete ich einfach mit einer witzigen und seichten Geschichte, doch "Dear American Airlines" ist wesentlich tiefgründiger.
Jonathan Miles erzählt in seinem Roman die Geschichte des Mittfünfzigers Benjamin Ford, dessen Beschwerdebrief an die American Airlines zu einer Lebensbeichte wird. Eigentlich hatte er zur Hochzeit seiner Tochter fliegen wollen, die er vor über 25 Jahren das letzte Mal gesehen hat, doch sein Flug wurde auf halber Strecke storniert und nun sitzt er auf dem Flughafen fest und raucht vor Wut. Und so beginnt er noch vor Ort mit seinem Brief an die Fluglinie, dessen erstes Anliegen es ist, die Summe von $392,68 zurückzufordern, die ihn sein Ticket gekostet hat. Doch Benjamin kann sich einfach nicht auf diese schlichte Forderung beschränken, denn er hat viel Zeit, während er auf seinen Flug wartet, und er hat eine Menge zu erzählen, warum dann also nicht in diesem Brief? Er erzählt von seiner schizophrenen Mutter und seinem polnischen Vater, der sein Schicksal stoisch erträgt, obwohl er sich von seinem neuen Leben in Amerika sicher mehr versprochen hat. Er erzählt von seiner Kindheit mit einer manisch-depressiven Mutter und einem schweigsamen Vater, von seinem eigenen Scheitern als Mann und Vater, von seinen Alkoholexzessen und von allem, was in seinem Leben noch schiefgelaufen ist. Jetzt, wartend auf diesem Flughafen, ist sein einziges Ziel, das er im Leben noch hat, nämlich zur Hochzeit seiner Tochter erscheinen zu können, wieder in weite Ferne gerückt. Wird er seine Chance bekommen, Vergangenes wiedergutmachen zu können?

Während der Lektüre dieses Romans durchlief ich als Leser mehrere Phasen. Anfangs dachte ich noch: Na, das wird witzig! Dann war ich ein wenig genervt von diesen Einschüben, die meine Aufmerksamkeit von Benjamins Lebensgeschichte immer wieder zurück an diesen Flughafen holten, zumal diese Passagen sich auch sprachlich stark von den anderen unterscheiden. Außerdem war mir auch die Motivation dieses Beschwerdebriefs, der zum Roman wird, nicht ganz klar. Doch nach und nach verließ mich dieser Groll und ich tauchte ein in Benjamins tragische Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Ich denke zwar auch jetzt noch, dass diese Beschwerdebrief-Einschübe nicht hätten sein müssen, dass Jonathan Miles vielleicht einfach einen normalen Roman hätte schreiben sollen, doch die guten Gefühle überwiegen, so dass ich trotz allem das Gefühl habe, ein gutes Buch gelesen zu haben.

Ich würde, wenn ich könnte, dreieinhalb Sterne geben! :)

 

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Dear American Airlines Dear American Airlines
Jonathan Miles

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Dear American Airlines
von Jonathan Miles

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