Leser-Rezensionen zu „Tiere essen” von Jonathan Safran Foer
Rezension verfasst vor 3 Tagen (4)
Ich bin Vegetarierin und kann alle Argumente des Autors absolut nachvollziehen. Ich fand das Buch inhaltlich und thematisch gut, es ist ein wichtiges Buch, daß bestimmt einige Menschen zum Nachdenken udn vielleicht auch zum Umdenken gebracht hat. Nichtsdestotrotz hatte ich mir dann doch noch etwas mehr davon erwartet. Es ist dann doch sehr reißerisch und populistisch. Man könnte dann doch einige Argument mit objektiven Daten untermauern; natürlich hat er seine eigene Sicht der Dinge sehr klar zum Ausdruck gebracht, aber der Autor hätte das auch in einem oder zwei Kapiteln begrenzen können udn ansonsten objektiver an die Sache rangehen können. Aber man merkt, daß er ein breites Publikum ansprechen wollte.
Rezension verfasst vor 3 Wochen (4)
Foer beleuchtet in seinem Buch die Massentierhaltung und die Alternativen, zitiert Eindrücke aus Schlachtbetrieben, die an die Substanz gehen. Er ist dabei nicht radikal, nicht missionarisch, sondern sogar sehr sachlich. Er zeigt uns die Dinge aus beiden Perpektiven, aus der der Frau, die nachts in Ställe schleicht, um kranken Tieren zu helfen, und der des Schlachters, der die Haltung und die Schlachtung der Tiere aus seiner Sicht nachvollziehbar rechtfertigt.
Dass im Konsens dabei natürlich ein schlechtes Licht auf die allgemeine Fleischproduktion geworfen wird, ergibt sich aus den Fakten selbst, ohne dass Foer dies groß propagieren muss. Nein, er zeigt nur und der Leser bildet sich seine Meinung selbst.
Sehr gut ist auch der Anhang des Vegetarierbundes, der die Sachlage in Deutschland erklärt. Keine Sorge, bei uns ist es kaum besser als in den USA.
Diese Buch hat bei mir auch den letzten Zweifel augelöscht, Vegetarier zu bleiben.
Rezension verfasst vor 1 Monat (8)
Obwohl Jonathan Safran Foer dieses Buch aus ganz persönlichen Gründen geschrieben hat, ist es wohltuend sachlich und lässt auch andere - wie z.B. Tierzüchter - zu Wort kommen. Und es wird endlich auch einmal auf die Nebenwirkungen der Massentierhaltung gedeutet, vor allem auf das Problem der Mistentsorgung. Und auch wer weiterhin Fleisch essen will, sollte dieses Buch lesen, um die "richtige" Wahl zu treffen, wie es produziert werden soll. Nur wenn keiner die Produkte aus Massentierhaltung mehr kauft (denn wie vielen ist es wirklich egal, daß sie einen ganzen Cocktail aus Medikamenten, Wachstums- und Stresshormonen automatisch mit verzehren?) kann sich etwas ändern. Und genau in diese Richtung gibt das Buch die nötigen Informationen.
Schade finde ich, daß die Themen Eier und Milchprodukte so weit außen vor gelassen werden. Sehr viele Vegetarier "kompensieren" ihren Fleischnichtkonsum genau damit, und auch dort gibt es Massentierhaltung und es müssen viele Tiere sterben (z.B. die männlichen Küken der Legehuhnrasse, da es für die Fleischproduktion ja eine andere Züchtung gibt - was im Buch nur kurz am Rande erwähnt war; und genauso betrifft es auch den Nachwuchs der milchproduzierenden Tiere - ohne gibt es keine Milch, aber irgendwo muß der ja auch "bleiben").
Daß die Tiere aus der Massentierhaltung bei ihrer Schlachtung nichtmal "komplett" genutzt werden, hätte ich auch gerne weiter ausgeführt gelesen. Was wird denn alles nicht genutzt (wie ich aus dem Film "Food INC." weiß - den man in 7 Teilen übrigens auch unter dem Namen "Was essen wir wirklich" auf Youtube anschauen kann - gehört dazu u.a. das Leder, wofür lieber in anderen "billig" produzierenden Ländern nochmals Tiere getötet werden) - und was passiert mit dem, was da übrig bleibt? Trotz dieser offen bleibenden Punkte bekommt dieses Buch von mir 5 Punkte. Es ist einfach realistisch und gut recherchiert, lässt auch Leute zu Wort kommen, die davon leben, Tiere für den Verzehr zu züchten und zeigt, daß es gar kein Widerspruch sein muß, diejenigen zu unterstützen, die sich dabei für eines Lebewesens würdigen Bedingungen einsetzen.
Wie gut die Angaben recherchiert sind, zeigt der ausführliche Anhang, in dem das Zahlenmaterial mit Quellenangabe und Erläuterungen dargestellt ist - sogar ein weiteres Kapitel für die Lage in Deutschland ist dabei. Daß ein paar Punkte dennoch zu kurz kommen - z.B. wie die gängige Praxis in deutschen Schlachthöfen aussieht, wie die Tiere im Detail gehalten werden (in Deutschland gibt es einfach nicht solche "unendlich" großen Agrarflächen wie in USA, schon die hier "großen" Äcker wären dort klein), ist nicht anders zu erwarten gewesen. Wenn aber schon so ausführlich zu deutschen Zahlen recherchiert wurde, hätte man vielleicht außer dem reinen Zahlenmaterial auch da noch ein Kapitel zu anhängen können. Vor allem interessant fände ich zu wissen, wo und wie man evtl. hier die Ausnahmen findet, die in USA meinem Eindruck aus dem Buch nach deutlich seltener sein dürften. Denn zumindest hier in der näheren Umgebung weiß ich 4 Höfe, die sich auf bestimmte Tierprodukte spezialisiert haben und zumindest von außen noch nach einem "guten" Tierleben aussehen (eben in dem Rahmen, wie das auf den zur Verfügung stehenden, eingezäunten Flächen möglich ist). Und mindestens 2 der 4 Höfe bieten dann auch direkt mehrere Produkte an (einmal Fleisch und Fell und einmal Eier, Fleisch, Leder und Federn). Und das alles mitten im Ballungsgebiet ;) Nun will ich aber nicht noch weiter vom Buch abschweifen - das sollte nur ein Beispiel sein, daß es bei uns noch nicht so schlimm zu sein scheint wie in USA...
Rezension verfasst vor 1 Monat (4)
Als Jonathan Safran Foer sein Buch Tiere essen veröffentlichte war er selbst erstaunt, wie positiv es in den Medien aufgenommen und wenig es umstritten wurde. Tiere essen ist nicht nur der Titel sondern die zentrale Frage, die hinter dem ganzen Buch steht. Wie sieht unsere Beziehung zum Thema Fleisch essen aus? Wieso essen wir Tiere? Und vor allem wieso, wo wir doch eigentlich wissen, wo unser Fleisch herkommt - auch wenn wir Meister darin sind, die Augen davor zu verschließen.
Foer hat es sehr treffend formuliert:
Vielleicht verstehen wir im Grunde auch ohne diese ganzen wissenschaftlichen Erkenntnisse längst, dass irgendetwas schrecklich schiefläuft. Unsere Nahrung besteht aus Leiden. Wenn man uns anbietet, uns einen Film darüber zu zeigen, woher unser Fleisch kommt, wissen wir, dass es ein Horrorfilm sein wird. (S.166)
Stellt sich natürlich die berechtigte Frage: Wieso essen wir trotzdem noch immer Fleisch? Wieso verschließen wir die Augen vor der systematischen Grausamkeit, die sich in Massentierhaltungsbetrieben, auf Tiertransportern, in Schlachthöfen abspielt? Vor den verheerenden Folgen für die Umwelt? Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Risiken, die zum Beispiel damit einhergehen, wenn man Tiere mit Antibiotika vollpumpt?
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Von verschiedenen Gesichtspunkten aus versucht Foer, all diesen Fragen und eigentlichen Paradoxien auf den Grund zu gehen und leistet gleichzeitig einen Akt der Aufklärung. Foer - der mittlerweile selbst überzeugter Vegetarier ist und erst mit dem Buch begann, als er Vater wurde und seinem Sohn eine gesunde und vernünftige Ernährung sichern wollte - hat meiner Ansicht nach sehr gute und fundierte Recherchearbeit geleistet. Er stützt sich auf zahlreichen Statistiken und Fachtexte, sprach mit Tierrechtlern und Farmern, besuchte Schlachtbetriebe und schreckte auch nicht davor zurück, bei Nacht-und-Nebel-Aktionen selbst in Massenbetriebe einzudringen.
Und doch bleibt Foer die gesamte Zeit über objektiv. Natürlich, er verurteilt offensichtlich die Massentierhaltung und die damit einhergehende Grausamkeit - weil das jeder vernünftige Mensch tun würde - doch er drängt niemanden dazu, Vegetarier zu werden. Er sagt offen, dass es für ihn persönlich keine Alternative mehr gäbe, doch er zeigt auch an vielen Beispielen, wie es anders laufen kann - auch wenn diese im Vergleich zur Massentierhaltung verschwinden gering sind.
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Foer belässt es nicht dabei, einen informativen Text, der sich auf Zahlen und Fakten stützt, abzuliefern. In Tiere essen wechseln sich besagte recherchierte Sachtexte mit eigenen Erfahrungsberichten und Anekdoten und mit philosophischen Betrachtungen über diverse Themen und Fragestellungen ab. In letzteren versucht er oft, verschiedene Begriffe wie Grausamkeit oder Leiden zu definieren, beschränkt sich hier allerdings nicht auf eine einzige Ansicht, sonder spielt unterschiedliche Betrachtungsmöglichkeiten durch. Wie wird Grausamkeit definiert? Leiden Tiere? Was ist Leiden überhaupt? Und wie viel Leiden kann man als Verbraucher verantworten? Wie viel Leiden ist notwendig, bis sich etwas ändert? Kann man Scham empfinden, nur weil man ein Mensch ist?
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Ich selbst habe noch keine anderen Bücher zu dieser Thematik gelesen, habe also innerhalb des "Genres" keine Vergleichsmöglichkeiten. Viele Dinge wusste ich natürlich schon, so wie jeder Dinge über die Fleischindustrie weiß, die er lieber nicht wissen würde. Ich wusste, dass es in der Massentierhaltung grausam zugeht - doch mir war nicht bewusst, wie grausam die Situation tatsächlich ist. Und vor allem wie systematisch diese Grausamkeit vonstatten geht, wie sie geduldet ist, wie nicht einmal versucht wird, sie zu verstecken, weil sie von Vorneherein mit einkalkuliert ist. Denn schließlich geht es hier nur um Profit. Das Wohl der Tiere, die Umwelt und zuletzt die Gesundheit des Verbrauchers scheinen in dieser Geldmacherei vollkommen nebensächlich - ja sogar unwichtig zu sein. Und das haben wir selbst verschuldet.
Mir war zum Beispiel auch nicht klar, wie viel die Massentierhaltung zur Klimaerwärmung beiträgt - mehr als der gesamte Verkehr, das sei hier mal angemerkt!
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Teilweise hätte ich mir noch mehr Informationen über andere Teilaspekte gewünscht, die hier nur kurz besprochen wurden. Zum Beispiel Fischfang und Aquakultur oder wie es mit den anderen Tierprodukten aussieht, Milchprodukte und Eier, aber zum Beispiel auch Leder oder Wolle.
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Zwischendurch ist das Buch wirklich sehr heftig. Man könnte natürlich sagen, dass das der Sinn der Sache ist - doch eigentlich ist es viel schlimmer: Es liegt nämlich einfach in der Natur der Sache. Es ist nicht möglich, ein Buch zu schreiben oder einen Film zu drehen, die sich mit Massentierhaltung beschäftigen, ohne dass es einem durch Mark und Bein geht und man am liebsten wegschauen würde. Und das sollte uns wirklich einmal zu denken geben.
Ich persönlich will keine fanatische Verfechterin von Vegetarismus sein - genauso wie es auch Jonathan Safran Foer immer wieder betont - und ich habe auch kein Problem damit, wenn jemand Fleisch ist, auch wenn ich es nicht (mehr) nachvollziehen kann, doch für mich gibt es - einfach ganz logisch und vernünftig betrachtet - keinen Grund, Fleisch zu essen. Und jeder sollte sich - ganz egal wie - einmal mehr mit diesem Thema befassen und sich bewusster mit Ernährung beschäftigen.
Ich haben in Tiere essen ein unheimlich schockierendes - weil ehrliches - und gut recherchiertes Buch gefunden, dass einem wirklich zu Denken gibt.
Rezension verfasst vor 1 Monat (6)
Über dieses Buch wurde schon so viel – alles? – geschrieben und gesagt, dass mir meine Rezension fast überflüssig vorkommt…
Meine Meinung dazu ist einfach : das Buch ist sicher wichtig; ich fand es auch ganz gut (vor allem sehr verständlich zusammengefasst, allerdings hier auch mit vielen Wiederholungen,….), aber viel Neues habe nicht erfahren.
Wer heutzutage sagt, er hat „keine Ahnung“, woher das Fleisch kommt, das auf seinem Teller liegt – nun, entweder macht derjenige sich was vor oder er verschliesst die Augen ganz fest vor allgemein bekannten Tatsachen. Und ob nun ausgerechnet DIE Leute, die angeblich noch nie was von Massentierhaltung gehört haben wollen, nun dieses Buch lesen…und damit wenigstens mal über dieses Thema nachdenken - - - das wage ich doch stark zu bezweifeln.
Rezension verfasst vor 2 Monaten (5)
Einleitung:
In meiner Freizeit lese ich sehr gerne Bücher über Medizin, Ernährung und gesellschaftskritische Themen.
Da mir das Thema Tierschutz am Herzen liegt und ich gerne mehr Informationen zu diesem Thema sammele, stieß ich eines Abends auf die Onlineseite von Peta.
Dort kam ich aus dem Lesen gar nicht mehr heraus und stieß dabei eher zufällig auf die Verlosung des Buches „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer.
Interessiert las ich den kurzen Infotext zum Buch und den Hinweis von Peta, das Buch am Besten an Bibliotheken, Freunde und andere Menschen weiterzugeben.
Schnell fing ich Feuer für das Buch und die Idee dahinter und nahm an der Verlosung teil.
Gewonnen habe ich es leider nicht, aber lesen wollte ich es unbedingt, daher war meine Freude umso größer, als es bei der örtlichen Bücherei bei den Neuerscheinungen zu finden war.
Ich musste mich mit dem Lesen beeilen, da das Buch kurz nach der Aufnahme im Bestand sofort vorbestellt wurde.
Warum das Buch so begehrt ist, erfahrt ihr im folgenden Bericht.
Zuvor möchte ich euch jedoch erst ein Mal den Buchautoren vorstellen und ein paar Fakten zum Buch nennen.
Der Autor:
Jonathan Safran Foer („Alles ist erleuchtet“ und „Exterm laut und unglaublich nah“)
wurde 1977 als Kind einer jüdischen Familie geboren.
Jahrelang aß er Fleisch ohne groß darüber nachzudenken, doch als seine Frau schwanger wird, beginnt er, den Dingen auf den Grund zu gehen.
Warum essen wir Tiere? Würden wir sie auch essen, wenn wir wüssten, wo sie herkommen?
Solchen Fragen geht er im vorliegenden Buch auf den Grund und zwingt so den interessierten Leser, sich auch mit diesen Themen auseinander zu setzen.
Fakten zum Buch:
Das gebundene Taschenbuch erschien am 19. August 2010 in der Erstauflage beim Kiepenheuer & Witsch Verlag und umfasst 399 Seiten.
Isabel Bogdan, Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit haben es aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche übersetzt.
Das Original heißt „Eating animals“ und wurde von Jonathan Safran Foer geschrieben.
Im Buchhandel kostet das Buch 19,95 Euro.
Das Buch ist auch als Hörbuch (Audiobook) erhältlich.
Sehr sehenswert sind die kleinen Videos zum Buch, welche man sich auf Amazon ansehen kann.
Der Verlag über das Buch:
Wie viele junge Menschen war Jonathan Safran Foer lange Zeit mal Fleischesser,
mal Vegetarier.
Als er Vater wurde und er und seine Frau überlegten, wie sie ihr Kind ernähren sollten,
wollte er sich konsequenter mit seiner Ernährungsweise auseinandersetzen:
Warum essen wir Tiere? Würden wir sie auch essen, wenn wir wüssten, wie sie leben
und sterben?
Foer stürzt sich mit Leib und Seele in sein Thema.
Er recherchiert auf eigene Faust, bricht Nachts in Tierfarmen ein, konsultiert
einschlägige Studien und spricht mit zahlreichen Akteuren.
Vor allem aber geht er der Frage auf den Grund, was Essen für den Menschen bedeutet.
Er hinterfragt die Geschichten, die wir uns selbst erzählen, um unser Essverhalten zu
rechtfertigen, und die dazu beitragen, dass wir vor den Konsequenzen der
Massentierhaltung die Augen verschließen.
“Tiere essen“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ethischen Handeln beim Essen.
Das Buch besticht durch hervorragend aufgearbeitete Fakten, eindringliche
Undercover-Reportagen und die philosophische und sehr persönliche Analyse des
Schriftstellers Jonathan Safran Foer.
“Tiere essen“ ist ein internationaler Besteller.
Eine unverzichtbare Lektüre für jeden Menschen, der über sich und die Welt – und seinen
Platz in ihr- nachdenkt.
Der Inhalt des Buches und meine Meinung dazu:
Gleich zu Beginn des Buches meldet sich der Autor mit einem Vorwort zur deutschsprachigen Ausgabe zu Wort.
Viele Recherchen und Statistiken aus dem Buch betreffen überwiegend die USA.
Doch in Deutschland ist die Situation ähnlich.
Allein etwa 98 Prozent aller und Hühner, die hier für den Verzehr gedacht sind, stammen auch bei uns aus Massentierhaltung.
Mir ist besonders der letzte Satz diesen Vorworts in Erinnerung geblieben, in dem der Autor offen legt, an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit andere Entscheidung zum Thema Fleischkonsum treffen zu können.
Deutschland sei jedoch nicht der Ort dazu.
Das macht für mich ganz klar deutlich, dass auch hierzulande einiges im Argen ist und so bin ich schon sehr gespannt auf die Darstellung der Situation der Lage in Deutschland ab Seite 377 des Buches.
Der erste Abschnitt des Buches heißt „Geschichten erzählen“ und beginnt mit dem Hinweis oder soll ich eher sagen Armutszeugnis, dass Amerikaner weniger als 0,25 Prozent der bekannten essbaren Nahrungsmittel auf dem Planeten essen.
Auf den ersten Seiten des Buches erzählt der Autor von seiner Kindheit und dem Umgang seiner jüdischen Familie mit dem Thema Essen und Fleisch.
Nach den Entbehrungen des Krieges fürchtete seine Großmutter noch immer die Armut und maß die Früchte des Wohlstands am Gewicht ihrer Enkel.
Die Vaterschaft weckte in Foer den Wunsch, das Haus auf Vordermann zu bringen und sich bewusst mit dem Thema Ernährung auseinander zu setzen.
Immer wieder macht er kurze Schwenks in die Vergangenheit und macht seine Meinung und sein Leben so für den Leser erfahrbar.
Sehr wichtig finde ich dabei seine Meinung zum Thema Geschichten erzählen.
Als Kinder bekommen wir vieles vorgelebt und ahmen es oft ungefragt nach, weil wir die Entscheidungen der Erwachsenen für richtig halten.
Kaum einer denkt da ernsthaft darüber nach, dass sein Schnitzel vor Kurzem noch ein lebendes Wesen war.
Bei Foer führten solche Gedankengänge und Erlebnisse dazu, dass er zeitweise kein Fleisch und dann doch wieder welches aß.
Was ihm dabei missfiel, war seine eigene mangelnde Bereitschaft, sich bewusst mit dem Thema auseinander zu setzen und klar Position zu beziehen.
Sehr interessant fand ich die Schilderungen über seine Kindheit, seine Familie und jüdische Werte und Bräuche.
Tiere essen
Laut Herrn Foer erfüllt Essen zwei Zwecke, nämlich dass es nahrhaft ist und beim Erinnern hilft.
Jeder von uns hat eine Lieblingsspeise, einen bestimmten Geschmack oder Geruch und ein Wohlgefühl, welcher er damit verbindet.
Die Suppe, die die Oma immer für den Enkel gekocht hat.
Der warme Schokoladenpudding am Sonntag.
Der Geruch eines frischen Apfelkuchens…
Dem Autor ist bewusst geworden, wie sehr wir durch solche alltäglichen Essgewohnheiten, durch unser Essen in der Gemeinschaft, Brücken bauen für die spätere Ernährung unserer Kinder und Kindeskinder.
Deshalb ist er der Meinung, dass man sein Wissen was und warum wir es essen, an unsere Kinder weitergeben sollten.
In diesem Kapitel geht er näher auf seine Recherchen ein und beschreibt seine Position zu dem von ihm geschriebenen Buch.
Sehr eindrücklich ist mir die Geschichte der Flucht seiner Großmutter und die daraus resultierende Weisheit im Gedächtnis geblieben.
Ich versuche sie mir oft vor Augen zu halten und mein eigenes Verhalten zu reflektieren.
Alles oder nichts oder etwas anderes beschreibt den Interessenkonflikt, in dem wir uns befinden.
Die Geschichte beginnt mit George, dem Hund des Autors.
Er mochte keine Hunde und ließ dieses Tier doch in sein Herz.
Erstaunlich ist seine provokante Idee, Hunde zu essen, weil es doch Hunde im Überfluss gibt.
Dieses Thema sorgte in meinem Umfeld tagelang für Diskussionen um Ethik, Moral und Tiere.
Warum essen wir keine Hunde? Sind Haustiere besser als Nutztiere? Ist der Mensch ein Tier? Warum stellen wir uns über Tiere?
Wer gibt uns das Recht sie zu essen, zu quälen und über ihr Leben und Tod zu bestimmen?
Es kam zu kontroversen Diskussionen und ich denke eben das ist es, was Herr Foer mit diesem Buch bezwecken will.
Nachdenken, hinschauen, informieren, statt wegzuschauen, mit dem Strom zu gehen und nichts zu hinterfragen.
Wer bin ich und wer will ich sein?
Ein bisschen heftig finde ich das Kochrezept für Hunde, einfach weil man hierzulande keine Hunde isst und dennoch verstehe ich den Sinn der Fragen des Autors und warum er das Rezept notiert hat.
Ich bin auch nicht dafür, dass wir unsere Haustiere essen, aber ich bin dafür Tieren Leid zu ersparen und sein eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen.
Der Autor geht auf as Thema Freunde und Feinde im Tierreich ein und beschäftigt sich mit dem Thema Vegetarismus in der gesellschaftlichen Gesprächskultur.
Als Krieg sieht er unseren Umgang mit den Tieren die wir essen und ins besondere eben den Umgang mit Fischen.
Mit modernster Technik machen wir Jagd auf allerlei Meeresbewohner.
Doch wie wir das tun und welche Folgen das hat, zeigt er auf diesen Seiten auf.
Allein seine Ausführungen zu den verschiedenen Fangvorrichtungen und dem Thema Beifang machen mich wütend.
Wütend auf die Habgier und Rücksichtslosigkeit der Spezies Mensch und wütend auf mich selbst, weil ich mein eigenen Handeln, meine Entscheidungen zu selten bewusst treffe.
Weiter behandelt der Autor das Thema Scham.
Wir Menschen neigen dazu, Tieren menschliche Fähigkeiten zu zu schreiben und nehmen sie als denkende, fühlende, teilweise recht intelligente Wesen wahr.
Am Beispiel eines berühmten Mannes zeigt er auf, wie Mitgefühl einen Menschen dazu bringen kann, auf Fleisch zu verzichten, um den Tieren ohne Scham gegenüber zu treten.
Worte Bedeutung
Hier geht der Autor auf verschiedene Teilüberschriften ein und legt seine Meinung dazu dar.
Die Teilüberschriften sind alphabetisch geordnet und wirken so wie Auflistungen aus einem Lexikon der Fehler und Grausamkeiten.
Die Themen sind Anthropomorphismus Athropozentrismus, Artengrenze, bäuerlicher Familienbetrieb, Beifang, Biologisch, Bullshit, CAFO, CFE, Festliegen, Freilaufend, Frisch, Futter und Licht, Futterverwertung, Macht der Gewohnheit, Grausamkeit, Instinkt, Intelligenz, Intelligenz?, Käfighaltung, KFC, Leiden, Leugnen des Menschlichen im Tier, Massentierhaltungsbetrieb, Masthähnchen, Menschlich, PETA, Radikal, Stress, Sentimentalität, Tier, Umweltschutz, Unwohlfühlessen, Verarbeitung, Verzweiflung, Wohlfühlessen.
Mit wenigen Worten räumt er mit gängigen Vorurteilen auf und beschreibt das Dilemma des US- Bürgers.
Zu Lesen, das Freilandhaltung nicht Freilandhaltung bedeutet und wie die Realität aussieht, war ein Schock für mich.
Die Illusion der in der frischen Luft auf Gras herumlaufenden Hühner zerplatzte wie eine Seifenblase und machte der ernüchternden Gewissheit platz, total fehlinformiert und getäuscht worden zu sein.
Seine Ausführungen zu den einzelnen Themen sind sehr lesenswert und decken einiges an Missständen auf.
Schonungslos offen wird hier die Wahrheit auf dem Silbertablett serviert und wer jetzt noch wegschauen kann, dessen Menschlichkeit wird in Frage gestellt.
Verstecken suchen
Sehr plastisch stellt der Autor dar, wie viel Platz einem Huhn zum Leben bleibt.
Durch die Beschreibung, wie er mit einer Umweltschützerin in eine Tierfarm einsteigt, macht er die wahren Zustände für den Leser erfahrbar und informiert außerdem über seine Bemühungen, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die Farmer sind oder in Schlachtbetrieben arbeiten.
Der Bericht ist ergreifend und macht mich traurig, wütend und hilflos auf die Willkür der Farmer und deren Vorgesetzten.
Doch nicht nur die sind laut dem Buch und der darin zu Wort kommenden Personen an der Misere schuld.
Wir als Konsumenten sind schuld, weil wir immer mehr Nahrung zu immer weniger Geld wollen.
In einem kleinen Brief lässt er die Umweltschützerin zu Wort kommen und beschämt den Leser damit, selbst oftmals untätig zu sein.
Nach dem Brief kommt ein Fleischproduzent zu Wort und wir lernen das erste Huhn kennen.
Tja, auch mit der Illusion der gesunden Tiere, die nach einem erfüllten Leben bei uns Auf dem Teller landen, räumt der Autor relativ schnell auf.
Was ich da über Genetik, absolut nicht artgerechte Haltung und andere Umstände erfahre, lässt mich erneut an unserer Menschlichkeit zweifeln.
Seltsam finde ich den Mythos, den der Autor erzählt.
Die Tiere sollen darin eingewilligt haben sozusagen gegen Kost und Logis irgendwann für uns ihr Leben zu lassen.
Solche und andere absurde Argumente haben wir uns also zurechtgelegt, um unser Handeln zu rechtfertigen!
Im weiteren Verlauf des Buches lernen wir die erste Massentierhalterin kennen und erfahren, welche Lawine sie ungewollt ins Rollen gebracht hat.
Wir lesen über genetisch manipulierte Tiere, denen Tagesrhythmen vorgespielt werden, damit sie z.B. mehr Eier produzieren.
Von Schäferhunden, die allein für die Optik so gezüchtet werden, dass sie im Alter schwere Probleme mit dem Bewegungsapparat haben müssen und ich möchte am Liebsten die Augen verschließen vor so viel Grausamkeit.
Warum können wir die Tiere nicht lassen wie sie sind?
Warum fügen wir ihnen so viel Leid zu, damit sie produktiver und ertragreicher für uns sind?
Tiere werden schon im Kindesalter hochzüchtet, damit sie schön fett werden und wenige Tage alt schon geschlachtet werden können.
Männliche Küken werden lebendig geschreddert, weil sie nutzlos für die Eierproduktion sind….
In der ganzen Misere gibt es Ausnahmen wie den letzten Geflügelfarmer, der nun zu Wort kommt.
Fünf Seiten des Buches sind bedruckt mit zwei Worten, nämlich Sprachlosigkeit und Einfluss.
Hier geht der Autor auf vielfältige Art auf das Thema Erkrankungen beim Menschen durch eine tierische Ernährung ein.
Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Vogelgrippe und andere Erkrankungen.
Außerdem räumt er mit gängigen Vorurteilen zum Thema fleischfreier Ernährung auf.
Scheibenweise Paradies Haufenweise Schei..
In diesem Kapitel geht es um die Ausscheidungen von Tieren und welchen toxischen Gefahren diese für den Menschen darstellen.
Danach wird das eigentlich Schwein dargestellt und die Realität in amerikanischen Schweineschlachtbetrieben.
Amerikas Massentierhaltung wird von Konzernen mit schlecht bezahlten Arbeitern dominiert. Selten gibt es Farmer, deren Tiere ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen können und dürfen, sowie artgerechter gehalten werden.
Stattdessen fristen die Tiere ein trauriges Dasein in Enge, Dunkelheit, ihre Frischlinge werden ihnen entrissen, unbrauchbare Tiere zerschellen an den Wänden uvm.
Der Autor beschreibt das unfassbare Vorgehen der Konzerne und das Leiden der Tiere vom Leben bis zum Tod.
Sie werden von den Arbeiterin aufs Übelste misshandelt, bei lebendigen Leib behäutet und Schlimmeres.
Man kann sich kaum vorstellen, dass jmd. Zu so etwas in der Lage ist und allein das lesen solcher Praktiken lässt mich wünschen, keine Massentierhaltungsbetriebe mehr zu haben.
Die Menschen dort müssen Tiere töten, ihnen Gliedmaßen abtrennen, sie ausbluten lassen.
Viele flippen dabei aus, entwickeln Aggressionen gegen die Tiere und begehen schreckliche Taten, so was möchte ich nicht unterstützen.
Solche Vorgehensweisen betreffen nicht nur Schweine, Hühner und andere Nutztieres, sondern auch Fische und andere Meerestiere.
Im Kapitel „tun“ zeigt der Autor Möglichkeiten auf und portraitiert interessante Menschen wie Bill und Nicolette,
Sie ist eine vegetarische Viehzüchterin und er arbeitete an einer Alternative zur Massentierhaltung.
Dazwischen kommt eine PETA-Aktivistin zu Wort.
Jeder für sich zeigt auf, warum er so lebt und handelt, wie er es tut und wie er zum Thema Fleischkonsum steht.
Besonders interessant war der Bericht des Veganers, der Schlachthöfe baut.
Ein seltsames Paradoxon und doch irgendwie einleuchtend.
Das Buch endet mit dem Thema Thanksgiving und Truthähne.
Warum gibt es zu diesem Fest Truthahn zu essen? Wie käme ein fleischloses Thanksgiving Essen bei der Bevölkerung an?
Danach gibt es eine kurze Danksagung des Autors, sowie Anmerkungen und sehr detaillierte Quellenhinweise.
Es folgen die Anmerkungen zur Sachlage in Deutschland.
Hatte ich zu Beginn des Buches noch etwas Hoffnung, so zerstreuten die Autoren Sebastian Zösch und Dominik Schäfer vom Vegetarierbund Deutschland diese im Nu.
Abschließend gibt ein alphabetisches Register, von dem ich jedoch keinen Gebrauch machte.
Mein Fazit:
Nach der Lektüre des Buches war ich erstmal erschlagen von so vielen Informationen und schrecklichen Wahrheiten.
Das Schlimme ist eben, dass die geschilderten Umstände nicht aus der Phantasie eines Horrorfilmproduzenten entstammen, sondern der Wirklichkeit entsprechen.
Herr Foer teilt in diesem Buch seine subjektiv zusammengetragenen Forschungsergebnisse auf eine sehr emotionale und persönliche Art mit.
Sein Buch regt noch lange danach zum Nachdenken und Infrage stellen an.
Meine Eltern, meine Familie und Freunde, sie alle essen zum Grossteil Fleisch und brachten mir dies von Kindesbeinen an bei.
Es gab Zeiten, in denen es mir schlecht ging oder ich versuchte mich im Rahmen einer Diät fleischlos zu ernähren und auf Unverständnis stieß.
In meinem Bekanntenkreis sind nur drei Vegetarier und ebenso wenig wie sie versucht der Autor für seine Ansichten zu werben.
Ich komme jedoch nicht umhin, mein Essverhalten in Frage zu stellen und bin gespannt, was sich daraus ergibt und welche Konsequenzen die Lektüre des Buches bei anderen Lesern hat.
Das Buch ist ehrlich und unterhaltsam geschrieben und beleuchtet das Thema aus vielen Blickwinkeln.
Viele der Beschreibungen sind so heftig, das mir mehrfach fast die Tränen kamen. (besonders wenn’s um Tierquälerei in Schlachthöfen geht)Einziges Manko des Buches ist meiner Meinung die Tatsache, dass sich die Recherche überwiegend auf den Raum USA beschränkt und ich mehr über die Zustände in Deutschland wissen möchte.
Auf jeden Fall weckt das Buch in mir den Wunsch, auf Milch, Eier und Fleisch zu verzichten und gegen Massentierhaltung etc. vorzugehen.
Viele Dinge haben mir Zusammenhänge verständlicher gemacht und mich teilweise auch erschreckt z.B. Krankheiten der Atemwege und die Gesundheit der Tiere aus der Massentierhaltung.
Wir brauchen uns nicht wundern, wenn wir resistent gegen Medikamente werden, wenn wir diese zuvor den Tieren, die wir essen täglich zufüttern, damit sie produktiver sind und gegen ihre Art handeln.
Auf jeden Fall bietet das Buch eine gute Grundlage für Diskussionen und philosophische und ethische Meinungsbildungen.
Ich empfehle es allen, die das Thema interessiert.
Jeder, der mündig essen möchte und verantwortungsvoller Teil unserer Gesellschaft sein möchte, sollte das Buch lesen.
Viel Spaß beim Lesen, Bewerten und Kommentieren wünscht Alchemilla
Rezension verfasst vor 2 Monaten (6)
Als ich neulich mit einigen Freunden zusammen saß, kamen wir irgendwie auf das Thema Jonathan Safran Foer. Seine beiden Romane habe ich gelesen und geliebt. Von “Tiere essen” wurde mir immer mal wieder abgeraten. An diesem Abend war das auch der Fall – mit der Begründung, keine Vegetarierin zu sein. Und trotzdem – vielleicht auch gerade deshalb – laß ich dann in der vergangenen Woche dieses Buch.
Natürlich wusste ich von Anfang an, worauf ich mich einlassen würde, dass ich hier kein Roman sondern ein Sachbuch, ein Dokumentation der Gegenwart, in den Händen hielt. Mit einer Thematik, die jeden einzelnen von uns etwas angehen sollte: unsere Ernährungsweise.
“Es ist ein Plädoyer für den Vegetarismus, aber gleichzeitig auch ein Plädoyer für eine andere, klügere Tierhaltung und eine angemessene Art, Fleisch zu essen.”
Ja, man kann das Buch lesen, wenn man kein Vegetarierer ist. Und nein, man wird mit der Lektüre nicht zwingend zum Vegetarierer. Denn Vegetarismus ist – wie auch Jonathan Safran Foer sagt – eine persönliche Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen sollte.
Natürlich liefert das Buch gute Argumente für den Vegetarismus, keine Frage, schließlich ist es die Lebensweise, die Jonathan Safran Foer für sich gewählt hat. Er bringt wirklich gute Ansätze, manchmal fehlte leider die Tiefe, die Auseinandersetzung über die Oberfläche hinaus.
Dieses Buch hat Einfluss, dieses Buch bleibt hängen, dieses Buch hinterlässt Spuren.
“Es mag utopisch klingen, aber wenn wir uns die Mühe machen und uns umsehen, können wir nicht leugnen, dass wir mit unseren täglichen Entscheidungen die Welt gestalten.”
Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen: Ich möchte eine Ernährungsweise finden, die für mich vertretbar ist. Vegetarismus stand für mich eigentlich nie wirklich zur Debatte. Ich habe kein Problem damit, über einen längeren Zeitraum auf Fleisch oder Fisch zu verzichten. Aber ist dieser längere Zeitraum mit dem dauerhaften Verzicht zu vergleichen? Ich tu mich damit wirklich schwer. Vegetarierer haben vermutlich die besseren Argumente, unsere sind an einigen Stellen zweifellos überholt. Was ich für mich aus der Lektüre für’s Erste mitnehme, ist definitiv die Tatsache, dass ich mein Konsumverhalten hinterfragen und überdenken sollte. Woher kommt das Erzeugnis überhaupt? Kann ich die Umstände, unter denen die Produktion stattfand, überhaupt vertreten? Kann ich Fleisch auf eine angemessene Art – ob es die wirklich gibt, sei dahingestellt – konsumieren? Falls ja, welche Bedeutung hat das ganze für mich und letztlich auch für die Welt, in der ich lebe? Ich muss mich selbst auf die Suche nach Antworten begeben, um die Ernährungsweise zu finden, die für mich vertretbar ist. Wohin mich das letztlich führt, wird sich zeigen.
Rezension verfasst vor 3 Monaten (5)
Ich war vom Fleischkonsum schon immer hin und her gerissen und mir waren bestimmte Dinge schon länger klar. Warum ich dann nicht eher Vegetarier geworden bin, weiß ich nicht. Ich erfuhr dann von dem Buch und habe es mir sofort gekauft. Schon vor dem Lesen hatte es mich schon beeinflusst. Ich habe seit dem Moment kein Fleisch mehr gegessen und das Lesen des Buches hat dies natürlich untermauert.
Mittlerweile habe ich aber andere Bücher gelesen mit mehr Fakten und sehr nüchterner Betrachtung, was einem in der Argmumention besser hilft.
Man kann sagen dass Tiere essen nicht das Buch für sehr detailierte Fakten ist sondern viel mehr eins für die Seele. Ich denke eventuell der wichtigste Punkt zur Bekehrung, dann kann man sich auch intensiver mit dem Thema auseinandersetzen.
Das Buch sollte auf jeden Fall jeder mal gelesen haben um sich mit seinem eigenen Standpunkt gegenüber dem Fleischkonsum auseinanderzusetzen und dieses vielleicht zu überdenken. LESEN!
Rezension verfasst vor 3 Monaten (6)
Auf "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer habe ich 4/5 meines bisherigen Lebens gewartet. So lange bin ich schon Vegetarierin.
Inzwischen lautet mein Motto: " Nichts was Augen hatte oder hätte haben können, werde ich essen."
So lange wie ich Vegetarierin bin, so lange beschäftige ich mich auch schon mit den damit zusammenhängenden Fragen nach Ethik, Moral und Charakter.
Viele Jahre lang gab es nur wenig Informationen über die Art und Weise, wie mit Nutztieren umgegangen wird, wie sie leben und sterben und wie das Essen ihres Fleisches die Menschen prägt und verändert.
Letztendlich hat jedoch für mich das "Wissen" keine so große Rolle gespielt. Ich wollte einfach keine Tiere essen. Das habe ich schon sehr früh in meinem Leben gewußt und diese Entscheidung habe ich mit allen Konsequenzen umgesetzt.
Ich könnte hier endlos darüber referieren, mit welchen unangenehmen, harten, manchmal sogar tragischen Folgen meiner Entscheidung ich gelebt habe, gerade auch in meinem Berufsleben und in meinen persönlichen Beziehungen.
Für meine Überzeugung habe ich in Kauf genommen, zur Aussenseiterin zu werden, als "grasfressende Kuh" (das war so ziemlich der harmloseste Titel) bezeichnet zu werden und mich immer wieder inquisitorischen Verhören stellen zu müssen.
Es gibt kaum etwas in meinem Leben, das mich so sehr geprägt hat, wie die Weigerung, tote Tiere zu essen.
Es hat auch Zeiten gegeben, in denen ich gezweifelt habe, gedacht habe: "Was soll das eigentlich? Ist es nicht egal? Würde es mein Leben nicht erleichtern, sich einfach der Masse anzupassen?" Letztendlich konnte ich es jedoch nicht.
Heute, wo sich die Skandale häufen, wo das ungeheuerliche Ausmaß des Tierequälens und -hinschlachtens immer offensichtlicher wird, wo sich zeigt, wie sehr der Mensch selbst unter seinem Verhalten zu leiden hat, fühle ich eine große Erleichterung. Keine Freude, keine Schadenfreude, keine Genugtuung, keine Wut, einfach nur Erleichterung. Und Mitleid mit den Tieren!
Es tut gut, einmal im Leben etwas wirklich richtig gemacht zu haben.
Inzwischen kann ich mich sehr viel offener und radikaler verhalten und meine Meinung äußern. Die Änderungen hin zu mehr Achtsamkeit und Anteilnahme finden unendlich langsam statt, aber ich habe den Eindruck, das sie sich nicht mehr umkehren lassen. Dazu hat das worldwideweb maßgeblich beigetragen!
Aber durch Statements wie "Tiere essen" ist es nun auch salonfähig geworden, eine klare Position zu beziehen. "Tiere essen" ist ein Weltbestseller! Das macht Hoffnung!
Safran Foer schafft es, die Balance zwischen den zum Teil tief verhärteten Fronten zu halten und schließt auch sich selbst und seine Zweifel nicht aus. Ich glaube, das ist es, was das Buch aus der Menge der Abhandlungen zum Thema heraushebt.
Da schreibt einer, der sich geändert hat, der sich entschieden hat und zu dieser Entscheidung steht und das öffentlich. Der gezweifelt und versucht hat, einen Weg jenseits seiner Zweifel zu finden. Der Gefühle zuläßt. Denn Essen bedeutet immer Gemeinsamkeit, Wärme und ganz oft auch Trost. Ohne Essen funktioniert das Leben nicht. Aber ohne Tiere zu essen allemal und das nicht schlechter.
Safran Foer spart aber auch nicht mit Kritik, insbesondere am Verhältnis Mensch/Haustier/Nutztier/Esstier, das extrem schizophrene Züge angenommen hat. Ebenso wie die Art, Hormone, Cortison, Antibiotika und Genmanipulation lautstark und empört abzulehnen, sich aber genauso laut und verärgert über die höheren Preise für "besseres" Fleisch zu beschweren.
Großartig finde ich, wie der Autor erläutert, wie das Leben als Vegetarier den Blick auf sich und die Welt verändert und verfeinert, wie es dazu führt, differenzierter zu denken und zu handeln, auch andere Lebens-und Gesellschaftsbereiche zu hinterfragen und sie zu verändern.
"Tiere essen" ist eine unverzichtbare Lektüre für jeden Menschen, der über sich und die Welt -und seinen Platz in ihr- nachdenkt.
Vielleicht muß ich mich entschuldigen für meinen sehr persönlichen Blick auf das Thema und auf das Buch, aber ich weiß sehr genau, was es bedeutet, eine solche Entscheidung zu treffen.Tiere zu essen oder nicht zu essen ist eben keine ausschließlich rationale Entscheidung, sie muß mit Instinkt und Gefühl getroffen werden, weil sie nur so lebbar und vertretbar wird.
Nur ein bisschen Tier essen geht ganz einfach nicht!
Rezension verfasst vor 4 Monaten (9)
Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ hat international für Furore gesorgt. Die Konfrontation mit den grausamsten Fakten aus der heutigen Tierhaltung hinterließ Spuren bei den Menschen. Fakten, die wir im ersten Moment nicht glauben können oder vielmehr wollen, weil wir die Lügen, die uns die Lebensmittelindustrie täglich vorgaugelt, um einiges angenehmer empfinden als die erschreckende Realität.
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Die meisten Menschen reagieren nach dem Lesen des Buches empört und nahezu erschüttert. Ganze Nationen werden wachgerüttelt. Doch ändert sich dadurch wirklich etwas? Kaufen wir sie nicht weiter ein, die Eier aus Käfighaltung, die Brathähnchen oder Bratwürste vom Stand unseres Vertrauens und das günstige Fleisch aus dem Discounter? Und warum? Ganz einfach. Es ist verhältnismäßig günstig und es schmeckt uns. Wer will schon darauf verzichten oder sich Gedanken darüber machen, wie die Lebensmittel entstanden ist? Und selbst wenn: nicht jeder kann sich die oftmals überteuerten Bio-Lebensmittel oder regionalen Produkte leisten. Selbst hier lassen wir uns für blöd verkaufen. Auch Bio-Eier müssen nicht zwangsweise von freilaufenden Hühnern stammen. Genau genommen muss zwar ein Zugang zum Freien bestehen, es heißt aber nicht zwangsweise, dass die Tiere diesen auch tatsächlich nutzen können. Ist alles nur ein großer Schwindel?
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„Etwa 98 Prozent aller Hühner und Schweine, die für den Verzehr bestimmt sind, stammen in Deutschland aus Massentierhaltung – das sind über 500 Millionen Tier im Jahr. Würde man auch die Rinder und Fische hinzurechnen – die aus verschiedenen Gründen schwieriger zu quantifizieren sind – wäre die Zahl noch bedeutend höher.“
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Zitat, Seite 9
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Massentierhaltung zählt mittlerweile zur gängigen Praxis. Es ist günstiger, es werden schneller Ergebnisse erzielt und es wird mehr Umsatz gemacht. Macht und Profit stehen für die meisten Konzerne im Vordergrund. Wie es den Tieren dabei geht, interessiert die wenigsten. Oder doch?
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Laut Umfragen im Jahr 2011 des Meinungsforschungsinstituts FORSA leben bereits über 42 Millionen „Teilzeitvegetarier“ bzw. „Flexitarier“ in Deutschland. Ihre Zahl nimmt augenscheinlich deutlich zu und macht heute schon die Mehrheit aus (Auszug von www.vebu.de). Der Trend geht weiter. Immer mehr Menschen verändern ihre Ernährungsweise und wollen von nun an auf Fleisch und Fisch verzichten. Auch Foer ist sich sicher, dass die Massentierhaltung nur gestoppt werden kann, wenn man gänzlich auf Fleisch verzichtet. Es gibt sie zwar, die letzten Ausnahmen, tierfreundliche Geflügelfarmer und Viehzüchter, die den Tieren zumindest bis zu ihrer Schlachtung ein schönes Leben schenken. Doch mit der konstanten Nachfrage nach Fleisch, kann man der Massentierhaltung nicht entgegenwirken.
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„Die Natur ist flexibler, als wir glauben. Doch auf jeden Fall ist es normal und natürlich, dass Tiere andere Tiere essen, und da wir Menschen Teil der Natur sind, ist es auch ganz normal, dass Menschen Tiere essen. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir Tiere essen müssen.“
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Zitat von Nicolette Niman (Niman Ranch), Seite 238
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„Versetzen Sie sich in einen überfüllten Aufzug, einen so überfüllten Aufzug, dass Sie sich nicht umdrehen können, ohne Ihren Nachbarn anzurempeln (oder ihn zu verärgern). Der Aufzug ist so überfüllt, dass Sie oft in der Luft hängen. Das ist fast ein Segen, denn der abgeschrägte Boden ist aus Draht, der Ihnen in die Füße schneidet. Nach einiger Zeit werden die Wesen im Aufzug die Fähigkeit verlieren im Interesse der Gruppe zu funktionieren. Einige werden gewalttätig, andere drehen durch. Und ein paar werden, da ihnen Futter und Hoffnung versagt, zu Kannibalen. Es gibt keine Auszeit, keine Hilfe. Kein Aufzugmechaniker kommt. Die Tür wird sich nur einmal öffnen, nämlich am Ende Ihres Lebens zu Ihrer Reise an den einzigen Ort, der noch schlimmer ist.“
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Zitat aus der Definition zu Käfigbatterie, Seite 75
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„Tiere essen“ ist eine wahre Bereicherung für jeden von uns. Mit ihm ist Foer ein vielschichtiges Sachbuch gelungen, dass eine ungeheure Bandbreite an Themen auf harmonische Weise vereint. Man trifft auf perfekt in Szene gesetzte Informationen; Interviews von Experten, die nahezu mit aller Macht gegeneinander duellieren; Definitionen von Fachbegriffen und Foers persönliche Ansichten. Auch das Thema Hundefleisch ergattert Foers Aufmerksamkeit.
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„Tatsache ist, dass es in 44 Staaten völlig legal ist, den „besten Freund des Menschen“ zu essen, und trotzdem ist es in den Köpfen ebenso tabu wie die Vorstellung, dass ein Mensch seinen besten Freund ist.“
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Zitat, Seite 35
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Aus der gezielten Recherche nach der idealen und gesündesten Ernährungsweise für seinen Sohn, entstand die Idee, ein Buch zu schreiben. „Tiere essen“ ist dadurch zu einem sehr authentischen und abwechslungsreichen Werk geworden, was sich auf wunderbar flüssige Weise lesen lässt. Sicherlich ist dies nicht mit der ein oder anderen Lesepause möglich, da die Fakten teilweise sehr brutal und lebendig beschrieben sind. Doch nur wer die Dinge beim Namen nennt, kann etwas ändern! Es wird wohl kaum jemanden geben, der das Buch liest, ohne beeindruckt zu sein. Aus diesem Grund ergattert Foer verdiente 5 von 5 grunzenden Schweinen, die sich glücklich im Schlamm wälzen.










