Ein Roman über Kinder – und doch kein Buch für Kinder. Jorge Amado erzählt einfühlsam die Geschichte der „Herren des Strandes“, einer Gruppe von über hundert Straßenjungen aus Bahia, einer Stadt in Brasilien.
Das Leben der Jungen ist von Leid und Hass geprägt. Sie sind noch Kinder, das Alter erstreckt sich von 6 bis 16, und doch führen sie das harte Leben von Männern. Früh verloren sie ihre Eltern oder flohen in seltenen Fällen von zuhause. Um nicht verhungern zu müssen, stehlen sie. Sie nächtigen in einem alten Speicher am Hafen, dessen Dach undicht ist und der von Ratten bevölkert wird, an allen Ecken und Enden pfeift kalter Wind herein. Doch es ist eine Behausung, sie sind froh, nicht unter freiem Himmel schlafen zu müssen und immerhin hält er den Regen soweit fern, dass jeder ein trockenes Plätzchen findet.
Unter den Herren des Strandes kristallisieren sich ein paar Jungen heraus. Allen voran Pedro Bala, der Anführer der Herren des Strandes. Er ist der gerechteste von allen, derjenige, der sich durch seine Güte durchsetzen konnte. Ihm zur Seite stehen Hinkebein, dessen eines Bein zu kurz ist, der sich durch seine Behinderung bei den reichen Familien einschmeicheln kann, um bei ihnen für kurze Zeit zu wohnen und auszuspionieren, wie die Bande am Besten an die Schätze des Hauses kommt. Professor ist der einzige der Gruppe, der des Lesens mächtig ist, er ist auch der Klügste, er liest bei Kerzenschein Bücher und erzählt die Geschichten daraus seinen Freunden. Er entwirft die Schlachtpläne. Joao Grande, ein Schwarzer Junge mit unheimlicher Kraft steht Pedro Bala am nächsten, er ist ihm ergeben und begleitet ihn überall hin, eine treue Seele, der es meist nicht wagt, nach dem Warum zu fragen. Volta Seca kam aus dem Urwald in die Stadt Bahia, seine Mutter war die Geliebte eines Gangsters, der diese Gegend unsicher macht, seinem Paten, zu dessen Bande er eines Tages gehören möchte. Und Pirolito ist ganz Gott verfallen, er betet für die Herren des Strandes und auch dafür, eines Tages Priester zu werden, so wie es ihm der Pater Jose Pedro, ein Freund der Gruppe, prophezeit hat.
Gemeinsam schlagen sie sich durch den Tag, brechen in Häuser ein, verhehlen die Waren, sie trinken und rauchen, haben Frauen, genauso, wie richtige Männer. Dabei müssen sie gegen die Polizei, die Besserungsanstalt und gegen Krankheiten bestehen. Eines Tages stößt Dora mit ihrem Bruder zu der Bande, sie wird das erste Mädchen der Gruppe. Doch es dauert nicht lange und jeder der Herren des Strandes muss sich seinem Schicksal stellen.
Jorge Amado erzählt die abenteuerlichen Ereignisse von Kindern, die früh lernen mussten, sich mit Gewalt in einer Welt der Reichen zu Recht zu finden. Der Autor gilt als Sprachrohr der Armen, erlangte in Brasilien dadurch große Popularität. Seine Bücher sind genauestens recherchiert, wodurch sie sehr authentisch werden. Es sind die wahren Erlebnisse der armen Bevölkerung, in diesem Fall einer Bande kleiner Diebe. Die Sprache zeichnet sich als gut lesbar aus, jedoch wirken die häufigen Wiederholungen stilbrechend.