Rezension verfasst vor 2 Jahren
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Es war mal wieder der Klappentext.
Vom „großen literarischen Wurf“ war da die Rede, von dem einsamen Bankier Hans, der früher „perfekte, sichere Bahnen auf dem Eis der Grachten“ fuhr und heute nach dem 11. September „in seinen Grundfesten erschüttert“ ist. Davon, wie er auf „Google Earth verzweifelt nach Lebenszeichen im Haus seines kleinen Sohnes“ sucht, der inzwischen mit der Mutter nach London gezogen ist.
Das alles fand ich spannend, doch eigentlich hätte ich da schon stutzig werden müssen. Denn Google Earth kann einem alles mögliche zeigen, nur nicht irgendwelche aktuellen Lebenszeichen. So ähnlich ist es auch mit diesem Klappentext. Er erzählt einem alles mögliche, nur nicht das, worauf es in dem Buch ankommt. Beispielsweise beharrt er darauf, dass Hans sich mit Chuck, einem Westinder, aufmacht, „um ein aktives, brodelndes, ihm gänzlich unbekanntes New York zu entdecken“ – aber dann besteht dieses brodelnde Getümmel aus endlosen Beschreibungen von Cricket-Angelegenheiten, die sich im Jonglieren mit Begriffen wie Pitch und Wickets erschöpfen. Noch dazu kommt es nur äußerst selten zu einem Spiel, stattdessen werden meist bloß die Vorbereitungen dazu geschildert.
Bekanntermaßen können selbst solche Bücher sehr aufregend sein, die einem ein bisher unbekanntes Terrain näherbringen, also hätte ich wohl auch dann nicht gezögert, zuzugreifen, wenn der Klappentext zugegeben hätte, dass es in dem Buch zum allergrößten Teil um Cricket geht. Auch lange Beschreibungen stören mich nicht, oft tauche ich dann beim Lesen in poetische Trancezustände ab – siehe Jan Christophersons „Schneetage“.
Insofern ist es nicht nur die Klappe. Es ist auch der Autor. Aus meiner Sicht hat er durchaus keinen „leuchtenden, am Ende Hoffnung machenden Traum gedichtet“, der einen verzaubern könnte. Nein. Aus meiner Sicht hat er jedes Leuchten mit Präzision umschifft, alles, was zu einem fesselnden roten Faden hätte werden können – z.B. die Probleme mit seiner Frau und die Schmerzen der Trennung, die Nachwirkungen des 11.9., der eingangs im Buch erwähnte rätselhafte Tod des besagten Chuck sowie dessen verdächtige kleine Geschäfte – einfach lose baumeln lassen, und nur ab und zu mal ein bisschen angezogen, ohne dass das jedoch spürbare Konsequenzen für den weiteren Verlauf gehabt hätte.
„Ich strich den Sommer durch ein Sieb, das nur Cricket zurückhielt.“ Na, kein Zweifel, solche Sätze sind genial. Leider aber ging’s mir mit dem Buch zu ähnlich, um mich lange daran zu delektieren: für mich bleibt nur ungepflegte Langeweile zurück.
Mann, wie schade.
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