Leser-Rezension zu „Flieh wenn du kannst” von Joy Fielding
am 5.04.2010
"Flieh, wenn du kannst" - so lautet der Titel dieses Psychothrillers von Joy Fielding, aber wenn du nicht fliehen kannst, sei wachsam - so würde ich den Titel am liebsten erweitern... Denn Bonnie Wheeler, die von der Ex-Frau ihres Mannes telefonisch gewarnt und darauf hingewiesen wird, daß sowohl Bonnie als auch ihre Tochter in Gefahr sind, bekommt leider keine näheren Informationen über die Art der Gefahr, in der sie und ihre Tochter schweben. Denn die "Informantin" ist tot - erschossen -. Und damit nicht genug, nein, denn ausgerechnet Bonnie entdeckt die Ermordete als Erste und gerät somit auch noch unter Mordverdacht. Niemanden scheint es zu kümmern, daß auch sie eine Warnung erhalten hat, also macht sie sich selbst daran herauszufinden, wer ihr und ihrer kleinen Tochter Amanda gefährlich werden könnte...
Anstatt zu fliehen, bleibt sie im Zentrum des Nebels, der sich einfach nicht lichten will und der so undurchschaubar ist, daß sie die Gefahr, in der sie beide schweben, nicht erkennen kann.
Es hat mich schon sehr erstaunt, wie naiv Bonnie teilweise handelt, gleichzeitig aber überaus misstrauisch gegenüber ihrer "Ursprungsfamilie" ist. Aber auch die Verarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit gehört zum Schleier ihres persönlichen Nebels, der sie immer wieder in die Irre leitet.
Ein spannender Psychothriller, der den Charakter der Protagonistin lebhaft und glaubwürdig darstellt und dem es so gelingt, sich in ihre Gefühlswelt und ihre Ängste hineinzuversetzen. Der lebhafte und spannungsgeladene Schreibstil hat mir wieder Lust auf "mehr" Joy Fielding gemacht...

