Warum dieses Buch?:
Ich hab mir das Buch „Im Koma“ von Joy Fielding in unserer Bücherei vorbestellt, weil es seit seinem Erscheinen ständig entliehen war und ich es unbedingt lese wollte.
Auf die Autorin Joy Fielding bin ich vor Jahren eher durch Zufall gestoßen, als ich in einem Weltbild Katalog blätterte, in dem einige ihrer Bücher vorgestellt wurden.
Seitdem habe ich alle ihre Bücher die ich kriegen konnte verschlungen.
„Lauf Jane, lauf“, „Bevor der Abend kommt“, „Sag Mami goodbye“ und ganz besonders „Die Katze“ sind meine absoluten Lieblingsbücher von ihr.
Nun habe ich das Buch „Im Koma“ innerhalb kurzer Zeit gelesen und bin ganz begierig darauf, euch davon mitzuteilen!
Die Autorin:
Bevor ich mit dem Buch loslege, möchte ich noch ein paar Dinge zur Autorin sagen:
Joy Fielding studierte über einige Umwege Literatur, versuchte sich als Schauspielerin und hat nun endlich ihre Bestimmung als bekannte und gefeierte Autorin zahlreicher Psychothriller gefunden.
Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Toronto, Kanada und Palm Beach, Florida.
Die meisten der Romane die ich von ihr gelesen habe, haben ein ähnliches Schema:
Eine gutaussehende, erfolgreiche amerikanische Frau wird mitten aus dem Leben gerissen und gerät in einen Strudel aus Emotionen, Verwirrungen, Habgier und anderen niederen Instinkten.
An Joy Fieldings Büchern gefällt mir, dass ihre Bücher tief in menschliche Abgründe blicken lassen und einen durch ihren einmaligen Schreibstil von der ersten bis zur letzten Seite fesseln.
Ich fiebere beim Lesen ihrer Bücher geradezu mit, lebe, liebe und leide mit der jeweiligen Hauptakteurin mit, sodass ich unfähig bin eines ihrer Bücher aus der Hand zu legen, bevor ich es nicht ausgelesen habe.
So habe ich schon so manche Nacht erst spät Schlaf gefunden, aber das ist es mir allemal wert!
Besonders der Schluss ihrer Bücher ist meistens packend, unerwartet und man erschreckt sich über die wahren Handlungsmotive der einzelnen Charaktere.
Ihre Geschichten sind so alltäglich und trotzdem so unglaublich, dass man beginnt sich über sich und seine Mitmenschen Gedanken zu machen.
Ich habe mich schon oft gefragt, woher diese Frau nur ihre Buchideen nimmt…
Es würde mich wahnsinnig freuen, sie bei einer Buchmesse kennen zu lernen.
Fakten zum Buch:
Das Buch ist ein gebundenes Taschenbuch.
Es umfasst 432 Seiten und ist 2009 beim Goldmann Verlag erschienen.
Kristian Lutze hat es ins Deutsche übersetzt.
Das Buch ist im Buchhandel zum Preis von 19,95 Euro zu haben.
Der amerikanische Originaltitel heißt „Still life“ und erschien bei Atria Books.
Die Geschichte:
Die wohlhabende Innendesignerin Casey Marshall lebt mit ihrem Mann Warren in einem Vorort von Philadelphia zusammen.
Nach einer nicht gerade glücklichen Kindheit mit einem wohlhabenden Playboy als Vater und einer desinteressierten, auf ihre Schönheit bezogene Alkoholikerin ohne Muttergefühle als Mutter nimmt sie ihr Leben in die Hand.
Der Unfalltod der Eltern bei einem Flugzeugabsturz macht sie zur alleinigen Verwalterin über das beträchtliche Familienvermögen und lässt sie somit auch über das finanzielle Wohl ihrer drogensüchtigen und etwas kindhaften jüngeren Schwester Drew, entscheiden, die selbst schon Mutter einer kleinen Tochter ist.
Casey wähnt sich trotz allem glücklich, plant ein Baby zu bekommen und sieht sich am Ziel ihrer Träume.
Sie hat zwei wunderbare Freundinnen, Gail und Janine, die verschiedener nicht sein könnten, doch ich möchte nicht zu viel verraten.
Das Buch beginnt mit einer idyllischen Szenerie:
Casey sitzt im Nobelrestaurant mit ihrer besten Freundinnen beim Mittagessen.
Sie unterhalten sich über das geplante Baby, Frisuren und ihre berufliche Vergangenheit.
Dann kommt ein Szenenwechsel, Casey betritt ein Parkhaus auf dem Weg zu ihrem teuren Sportwagen.
Sie erreicht ihren Wagen leider nie, denn ein silberner Van steuert mit achtzig Stundenkilometern gnadenlos direkt auf sie zu.
Durch die enorme Wucht schlägt ihr Kopf hart auf dem Betonboden auf und sämtliche Knochen sind gebrochen.
Casey kommt erst einige Zeit später in einem Privatkrankenhaus wieder zu sich und doch auch wieder nicht, denn außer ihr nimmt niemand wahr, dass sie bei Bewusstsein ist.
Regungslos liegt sie in völliger Schwärze, unfähig zu verstehen, wo sie ist, warum sie niemanden sehen kann und warum keiner auf sie reagiert.
Durch Gespräche von Ärzten dämmert ihr allmählich, dass es sich bei der armen Frau, von der diese reden um sie selbst handelt.
Sie ist weder entführt worden, noch träumt sie, doch kann sie nur hören und ist für ihre Umstehenden schon fast wie tot.
Nach und nach erfährt sie das schreckliche Ausmaß der Folgen des Unfalls und verbringt Tage und Wochen damit seichten Geplätscher aus verwirrenden Gesprächsfetzen zu lauschen.
Nach und nach kann sie Stimmen auseinander halten und bekommt so die Besuche von Krankenpflegehelferinnen, ihren Freundinnen, ihrer Schwester und natürlich ihres Mannes mit.
Verzweifelt versucht sie sich mitzuteilen und ihr Herz quillt über vor Freude über die vermeintliche Liebe und Fürsorge ihres Mannes, als plötzlich Leben in die Szenerie kommt.
Die Polizei taucht auf und stellt den Unfall plötzlich in Frage.
Nun wird es beängstigend, denn jeder könnte der Mörder sein.
Hilflos hört sie Streitereien ihrer Schwester und ihres Mannes mit an, lauscht geistlosen Fernsehshows und ärgert sich über die Krankenpflegerin, die so offensichtlich und schamlos ihrem Mann schöne Augen macht, dass man sie am Liebsten ohrfeigen möchte.
Während sie so vor sich hin liegt und zwischen Traum und Wachzustand dahin gleitet, lässt sie ihr Leben und ihre Kindheit vor ihrem geistigen Auge Revue passieren.
Einzig ihr Überlebenswille und die Frage nach dem Mörder halten sie am Leben.
Ihr Mörder offenbart sich und beobachtet sie nun mit wachsender Regelmäßigkeit.
Ihr Zustand bessert sich, doch nur für sie selbst merklich.
Ihr Mann nimmt sie mit zu sich nach Hause, vorgeblich um sie zu pflegen doch eigentlich hat er andere Pläne mit ihr.
Das Pflegepersonal lässt sich täuschen, Geheimnisse kommen ans Licht.
Einzig und allein ihrer Schwester, mit der sie jahrelang eher Streit und Abwesenheit verband kann sie nach einiger Zeit ihre wahren Fortschritte fühlbar machen.
Doch sie muss vorsichtig sein, um nicht die falsche Person auf sich aufmerksam zu machen.
Diese wartet nur darauf ihren tödlichen Plan zu vollenden und wenn es sein muss selbst den Richter über Leben und Tod zu spielen.
Es ist schon fast zu spät…
In einem rasanten Showdown bin ich gefangen zwischen Hoffen und Bangen um Caseys Leben und werde schließlich auf etwas überraschende, wenn auch ein bisschen unlogisch anmutende Art erlöst.
Meine Meinung zum Buch:
Mir fällt es etwas schwer über einen Roman zu schreiben.
Zu schmal ist die Gratwanderung zwischen Erzählen und zu viel verraten.
Dieses Buch von Joy Fielding wurde aus Sicht von Casey geschrieben.
Mir gefällt das, weil es mal eine andere Perspektive ist.
In vielen Psychothrillern erfährt man die Handlung aus der Sicht des Mörders, lernt seine Motive kennen und folgt seiner Handlung.
In diesem Buch ist das Opfer des versuchten Mordes im Zentrum.
Man sieht die Räume nicht, weil Casey sie nicht sehen kann.
Man kann sich Charaktere und deren Aussehen nur aus Caseys Sicht und ihrer Vorstellung ausmalen.
Dadurch erfährt man relativ schnell, wer der Mörder ist.
Aber es macht das Ganze auch ziemlich reizvoll, weil man ich mich dadurch stark mit Caseys Sicht der Dinge identifiziere und mich mit ihr wundere, freue, ängstige und um ihr Leben und ihre Zukunft bange.
Wie so einige von Joy Fieldings Büchern behandelt das Buch ein Thema, dass einem Nahe geht und in das man sich gut hineinversetzen kann.
Allein die Vorstellung, jemand der mir Nahe steht könnte mir nach dem Leben trachten ist schon schlimm genug.
Noch viel schlimmer ist die Vorstellung, im Koma zu liegen, innerlich wach zu sein, alles hören können und mich doch nicht mitteilen zu können.
Mir tat Casey ziemlich Leid.
Angeschlossen an eine Ernährungssonde und künstlich beatmet lag sie da und musste hoffen und warten, dass sich ihr Zustand bessert.
Mit der medizinischen Richtigkeit der Fakten aus dem Buch zum Thema Komapatienten kenne ich mich nicht aus.
Jedoch gehe ich davon aus, dass die Autorin gut recherchiert hat, da sie in ihrer Danksagung schreibt, dass sie sich bei drei namentlich genannten Ärzten darüber informiert hat.
Allgemein finde ich es immer sehr lobenswert, dass die Autorin für ihre Buchideen intensiv recherchiert.
Insgesamt bin ich mit dem Buch sehr zufrieden.
Die Story ist gut, die Charaktere entstehen lebhaft vor meinen Augen.
Man erfährt etwas früh, wer der Mörder ist, aber das gehört meiner Meinung zu Caseys Erzählperspektive.
Das Einzige was mich an dem Buch etwas stört, sind die Zitate aus dem Buch „Middlemarch: Eine Studie über das Leben in der Provinz“.
Caseys Freundin Janine liest der Komapatientin daraus vor und es liefert dieser Stoff zum Nachdenken und motiviert sie zu einer wichtigen Tat.
Mir persönlich gefallen die Texte aus dem Buch jedoch nicht, weil sie sehr langatmig sind und mich etwas langweilen.
Ansonsten kann ich das Buch „Im Koma“ jedem nur wärmstens empfehlen!
Viel Spaß beim Lesenn wünscht Alchemilla