Jane Whittaker vergisst an einem Sommernachmittag plötzlich, wer sie ist. Sie weiß, dass sie in die Stadt gehen wollte, um Zutaten für einen Schokoladenkuchen zu besorgen. Aber sie weiß nicht mehr, für wen sie den Kuchen backen wollte oder mit welchem Anlass. So beginnt der Albtraum einer Frau, deren Seele vor den schrecklichen Ereignissen der jüngsten Vergangenheit zu fliehen versucht.
Hysterische Amnesie lautet die Diagnose der Ärzte. Glücklicherweise wird sie im Krankenhaus von einer Ärztin wiedererkannt, die ihren Mann - ein verehrter Kinderchirug - kennt. Ihr Mann, überglücklich sie wieder gefunden zu haben, bringt sie wieder zu sich nach Hause. Doch sie kann sich an nichts erinnern... Stattdessen fühlt sie sich bald wie eine Gefangene im eigenen Haus und fühlt sich auch körperlich immer schlechter. Es kommt die Frage auf, ob das an den Medikamenten liegt, die ihr Mann und seine Haushaltshilfe ihr regelmäßig geben? Ist ihr Mann Michael der Drahtzieher einer Verschwörung? Wusste sie etwas, das sie unbedingt vergessen sollte? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn Michael hat einen teuflischen Plan...
Dieses Buch hat mich derart gefesselt, dass ich es binnen 48 Stunden durch hatte. Was für mich, die ich eigentlich eine Wenigleserin bin, recht schnell ist. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen. Den Titel "Lauf, Jane, lauf" fand ich sehr passend, denn die Geschwindigkeit, die der Titel verspricht, zieht sich durch das ganze Buch. Rasend schnell geht es von einer Situation in die nächste. Nur an einer Stelle fand ich das Buch kurzzeitig etwas langatmiger, nämlich als Jane erfahren hat, dass ihre Tochter angeblich tot sein soll, und sich dann ihrem Schicksal fügt.
Das Buch ist genauso geschrieben, wie ich das von einem Thriller erwarte. Packend von der ersten bis zur (naja nicht ganz) letzten Seite. Bis zu dem Moment, in dem Jane ihre Erinnerungen zurückbekommt, ist die Spannung rasant steigend. Die ganze Zeit wird der Leser zum Mitfiebern animiert. Mir persönlich war von Anfang an recht klar, dass ihr Mann dahinter stecken musste. Ich konnte mir anfangs die Gründe nicht erklären, vermutete aber, dass es etwas mit ihrer gemeinsamen Tochter zu tun haben musste, da er sie so gekonnt von ihrer Mutter fernhielt. Sie durfte ja nichtmal mit ihr telefonieren. Zeitweise hatte ich auch die Ahnung, dass Michael mit Paula durchbrennen wollte und Emily mitnehmen und deswegen versuchte, sie in eine Anstalt abzuschieben. Die Idee mit dem Missbrauch kam mir dann erst ganz zuletzt. Diese verspielten Kleider, die eigentlich gar nicht zu Janes Stil passten, wurden ja des öfteren erwähnt, und am Ende dachte ich mir dann fast, dass der Kinderchirug wohl nicht nur medizinisch eine Vorliebe für Kinder hat... Schrecklich, was er Emily und seiner Frau angetan hat und all den anderen Kindern, die Vertrauen in ihn hatten.
Das Ende hätte man sicher noch ein wenig spannender gestalten können. Jane marschiert einfach so in die Wohnung der Eltern und nimmt ihre Tochter mit. Ich hätte mir da etwas mehr Action versprochen, aber es war schon okay. Wenigstens gab es dann doch noch ein fast Happy End!
Dass der Roman bereits 20 Jahre alt ist, habe ich fast gar nicht bemerkt. Dieses Thema ist immer noch topaktuell, leider!
Von mir gibt es fünf Sterne für ein Buch, dass die Bezeichnung Psychothriller wirklich verdient hat!