Leser-Rezension zu „Du fehlst” von Joyce Carol Oates
am 20.06.2010
"Du fehlst" beschäftigt sich mit einem schwierigen Thema: der Trauer einer Tochter, die mit dem plötzlichen und unerwarteten Tod der Mutter klar kommen muss, zu der sie Zeit ihres Lebens kein "perfektes" Verhältnis hatte.
Ich muss zugeben, dass ich mit dem Buch sehr schwer getan habe. Es hat zwei, drei Anläufe gebraucht, bis ich über die ersten fünfzig Seiten hinaus kam. Joyce Carol Oates springt immer wieder im Zeitstrang hin und her und machte es mir damit nicht einfacher, Zugang zu Nikki, der Hauptfigur zu bekommen. Durch die Ich-Perspektive bekommt die Geschichte einerseits eine sehr persönliche Note und kann die Innenwelt der Protagonistin gut darstellen. Andererseits kommt dadurch besonders das Verhältnis zwischen Nikki und ihrer Schwester Clare alles andere als "gut weg".
Ich habe das Buch durchgelesen, aber nicht, weil es mich gefesselt hätte. Dafür blieb Nikki, bis auf wenige Ausnahmen, für mein Empfinden trotz Ich-Perspektive zu distanziert. Dass ihre Mutter ermordet wurde, ist für die Dramaturgie der Geschichte sicher gut - für das, was ich mir vom Buch erwartet habe, aber eher schlecht. Irgendwie hatte ich mehr Reflexion über das Mutter-Tochter-Verhältnis erwartet, doch die kam mir ein bisschen zu kurz. Da wurde Nikkis Verhältnis zu einem verheirateten Mann irgendwie mehr thematisiert...
Vielleicht lag es an falschen Erwartungen von meiner Seite, vielleicht daran, dass ich mir der Schreibstil der Autorin nicht liegt - mich persönlich hat das Buch nicht wirklich überzeugt.

