Rezension verfasst vor 3 Jahren
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'Smutna' ist das tschechische Wort für 'traurig' und traurig bleibt auch der Gesamteindruck von Judith Hermanns Erzählungen. Diese führen den Leser quer durch Europa und in die USA, zusammen mit den Hauptfiguren, die meist unglücklich verliebt, wenig kommunikationsfreudig und überwiegend passiv ihren Gedanken, Erlebnissen und zwischenmenschlichen Begegnungen nachhängen.
Dass großartige Verwirrungen der Handlung (oder gar Handlungen an sich) in Hermanns Erzählungen nur eine untergeordnete Rolle spielen, hat die Autorin bereits in "Sommerhaus, später" bewiesen, die melancholische Langeweile, die von diesem Buch ausgeht, entspricht also durchaus den Erwartungen des Lesers. Weiß diese Stimmung in der ersten Erzählung "Ruth (Freundinnen)" noch an den Vorgänger anzuknüpfen, verliert sich in den weiteren Erzählungen immer mehr der Faden, kurz: Die Langweile siegt. Die Geschichten "sind so traumverloren, traurig, liebesuchend, abschiednehmend, weiterfragend, zweifelnd, verzweifelt,..." (Zitat Klappentext), dass sie zu einem Einerlei verschwimmen; es fällt schwer, zwischen Prag, Karlsbad und Nevada zu unterscheiden. Auch die Figuren gehen fließend ineinander über, wirken untereinander austauschbar, stechen kaum mit einzigartigen Charakteren heraus.
Für mich als großen Fan von "Sommerhaus, später" eine ziemliche Enttäuschung, auch wenn die Stimmung immer noch so 'hermannesk' ist, dass ich die Erzählungen nicht wirklich schlecht finden kann. Bleibt abzuwarten, ob Judith Hermann mich mit zukünftigen Werken wieder fesseln kann.
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