Rezension verfasst vor 1 Jahr
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In dem Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr wird die Geschichte einer jüdischen Familie aus Deutschland erzählt, die wegen der anstehenden Naziherrschaft das Land verlassen muss. Im Fokus stehen insbesondere die Erlebnisse, Gedanken und Gefühle der Tochter.
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Die Geschichte spielt im Jahre 1933. Die Nazis versuchen immer stärker die Macht an sich zu reißen und sind im Alltag schon präsent. Die Kinder werden sogar auf dem Schulweg mit der Partei konfrontiert; „ „Da ist wieder ein Bild von dem Mann“, sagte Elsbeth. „Meine kleine Schwester hat gestern auch eins gesehen und gedacht, es wäre Charlie Chaplin.“.
Den Kindern wird die drohende Macht erst bewusst als ihr Vater, ein bekannter Schriftsteller, trotz schwerer Influenza nach Prag reist. Er verschwindet heimlich und die Kinder müssen ihn vor der Nachbarschaft verleugnen. Die Angst, dass die bevorstehende Wahl für die Nazis ausgehen könnte veranlasst die Familie ihr Hab und Gut einzupacken. Anna, ihr Bruder Max und die Mutter wollen für 6 Wochen in die Schweiz verreisen, um bei einem Sieg der Hitlerpartei in Sicherheit zu sein.
Auf Grund des Siegs der NSDAP am 5. März 1933 blieb die Familie in der Schweiz und lebt dort in einer Pension. Am folgenden Tag nach der Wahl wurde der gesamte Besitz der Familie bereits konfisziert. Max und Anna finden Spielgefährten bei den Wirtsinhabern und gehen dort zu einer Schule. Jedoch findet der Vater keine Arbeit, da die Zeitungen seine Nazi kritischen Artikel nicht veröffentlichen wollen, um die Neutralität zu wahren. Ein Angebot aus Paris veranlasst die gesamte Familie nach Paris zu ziehen, da diese dort ihr neues Glück suchen. Trotz kleiner Wohnung und die Sprachprobleme können sich vor allem die Kinder in die neue Kultur integrieren und lernen fließend Französisch zu sprechen. Beide Kinder bestehen sogar die Schulexamen, Max sogar als Klassenbester. Unterstützt wird die Familie von den Ferdinands, welche der Mutter beim Schneidern oder Stopfen von Kleidern zur Hand gehen. Jedes Familienmitglied lernt Frankreich lieben, sogar die Mutter, welche nun auch Kochen, Stopfen und für den Haushalt sorgen kann. In Berlin hatte die nämlich Unterstützung von einer Haushälterin. Durch die Wirtschaftskrise und die Geldnot wird die Familie am Ende zu einem Neuanfang in England gezwungen, da der Vater dort ein Drehbuch verkaufen konnte.
Am Ende haben sich alle Charaktere trotz der schwierigen Umstände weiterentwickelt und für Anna steht fest: „Manches war schwierig gewesen, aber immer war es interessant und manchmal komisch, und sie und Max und Mama und Papa waren fast immer zusammen gewesen. Solange sie beisammen waren, konnte es doch keine schwere Kindheit sein.“
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Die Erzählung ist meiner Meinung nach super für die Heranführung an die NS- Thematik geeignet. Die Protagonistin Anna schildert die Welt aus Kinderaugen, was sehr authentisch wirkt. Gestützt wird dies durch die vielen Gedanken und Gefühle, welche sie dem Leser mitteilt. Dieser erlebt somit die gesamte Geschichte und nicht nur die äußeren Umstände. Annas Gedanken über bestimmte Ängste, wie die Schule nicht zu schaffen, sind deutlich nachvollziehbar und lösen eine Identifikation mit der Protagonistin aus. Man hat ein Ende das Gefühl, ein Teil von Annas Welt mit allen Sorgen und auch schönen Momenten geworden zu sein. Was mich persönlich jedoch gestört hat ist, dass die NS- Thematik im Titel genannt wird und nur selten explizit im Roman selbst angesprochen wird. Natürlich bildet dies die Rahmenbedingungen für die Handlung, aber im Endeffekt kommt diese zu kurz. Auch der Titel wird im Roman nicht geklärt, da Anna nur einmal erwähnt, dass die traurig ist, da ihr Kaninchen nicht mehr da ist. Mir kommt diese Thematik etwas zu kurz, auch der Selbstmord des Onkels wird nicht näher erläutert. Das Kontextwissen der Leser muss bereits vorhanden sein, um bestimmte Anmerkungen in Verbindung mit dem Hitlerregime bringen zukönnen.
Trotz allem möchte ich die Erzählerperspektive positiv hervorheben, welche wie oben schon genannt eine besondere Atmosphäre schafft und die Situation real und nachvollziehbar macht. Diese Opferperspektive ist meiner Ansicht nach gut, um Kinder in diese Thematik einzuführen, da die Folgen anhand eines Beispiels deutlich gemacht werden und somit auch ein Interesse an den Gründen für diese Situation hervorgerufen wird. Einige Anmerkungen über das Thema innerhalb der Erzählung hätte ich jedoch besser gefunden, um die nähere Umstände besser zu verdeutlichen. Daher erscheint die Hitlerthematik nur oberflächlich.
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Fazit: Eine interessante Erzählung aus der Perspektive eines jüdischen Mädchens, welche durch das Naziregime zum Flüchtling wird. Auf jeden Fall gut lesbar!
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