Francesca ist anders, als die anderen Bridgertons. Sie ist ruhig, bedächtig und hält sich eher im Hintergrund. Sie ist zwei Jahre mit John, dem Earl of Kilmartin, verheiratet, als das Unfassbare geschieht und John ganz plötzlich stirbt. Francesca ist verzweifelt und trauert. In ihrer Trauer wendet sie sich an ihren besten Freund und Johns Cousin Michael. Doch der kann ihr in dieser Situation nicht zur Seite stehen, denn seine Situation scheint noch auswegloser…
Michael erbt Johns Titel und die damit verbundenen Pflichten. Schon seit Jahren ist er heimlich in Francesca verliebt, tut jedoch alles, damit keiner es merkt, denn schließlich ist sie mit seinem Cousin verheiratet. Nach Johns Tod plagen ihn Zweifel und Reue, denn nun muss er in seine Fußstapfen treten und kommt dadurch auch Francesca wieder näher. Weil er das nicht aushält, geht er für einige Zeit nach Indien und überlasst die Verwaltung des Kilmartin-Besitzes ihren fähigen Händen. Doch auch in Indien muss er ständig an sie denken und als er nach vier Jahren zurückkehrt, kommt er genau zur rechten Zeit. Francesca hat endlich die Trauer abgelegt und begibt sich auf die Suche nach einem neuen Ehemann…
Jahrelang spielt Michael Francesca den Verführer und charmanten Herzensbrecher vor; hält eine sorglose Fassade aufrecht, damit sie bloß nie auf die Wahrheit stößt: dass er eigentlich nur sie begehrt. Als sie ihn dann letztendlich auch genau als den Tunichtgut betrachtet, den er ihr vorspielt, ist er schwer gekränkt und verärgert. Was soll das denn bitte? Da darf er sich dann aber auch nicht wundern.
Was ich dann nicht so ganz nachvollziehen kann, ist, dass Michael nach so langen Jahren, in denen er sich selbst Vorwürfe macht und sich einredet, dass er Francesca unmöglich heiraten kann, all seine Bedenken nach einem Gespräch mit Colin Bridgerton ablegt und sich um 180 Grad dreht. Plötzlich setzt er alles daran, dass sie seine Frau wird, und als überzeugende Argumente nicht ausreichen, beginnt er, sie zu verführen… ja, das ergibt dann spannende und durchaus erotische Szenen, aber wie die Entwicklung hier so sprunghaft in Gang gekommen ist, gefällt mir leider nicht. Da hätte Julia Quinn ruhig noch ein wenig weiter ausholen können.
Außerdem kommen Sätze wie „er konnte ihr immer ein Lächeln entlocken“ und „nur, dass es dieses Mal anders war“ zu Hauf vor. Nach einiger Zeit ging mir das ziemlich auf die Nerven – ja, sie verstehen sich einfach prächtig und ja, sie beide sehen etwas Neues im jeweils anderen. Das muss man doch nicht ständig wiederholen.
Sehr schade fand ich auch die teilweise Entfremdung Francescas von ihrer Familie. Ich will an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten; wer das Buch bereits gelesen hat, weiß, was ich meine. Wann ist Francesca so zur Außenseiterin geworden? Leider erfährt man dadurch nicht so viel darüber, was der Rest der Bridgertons so macht, was mir in den anderen Bänden so gut gefallen hat.
Auch dieser Bridgerton-Roman ist, wie sein Vorgänger, eher etwas ernster und trauriger gehalten. Nachdenklicher und nicht so spritzig, aber dennoch definitiv lesenswert! Julia Quinn zeigt hier, dass sie nicht nur lustige und schlagfertige Charaktere schreiben kann. Bis auf die oben genannten Punkte hat mir das Buch wieder sehr gut gefallen und ich bin traurig darüber, dass ich jetzt nur noch zwei Teile vor mir habe…