Der vierte Band der Bridgerton-Reihe dreht sich um den dritten Sohn der Familie, Colin, und um Penelope Featherington, die bisher immer etwas am Rand stand. Endlich tritt auch sie mehr in den Vordergrund und ich muss zugeben, dass ich bisher auch zu jenen gehörte, denen sie einfach nur furchtbar Leid tat. Aber nachdem ich sie im Verlauf der Geschichte besser kennen lernen konnte, habe ich festgestellt, was für eine tolle Persönlichkeit sie doch hat!
Stille Wasser sind tief: Penelope ist klug und hat einen starken Charakter. Sie hat ihr Schicksal akzeptiert und schreibt als Lady Whistledown nun bereits seit elf Jahren die spritzige und skandalöse Kolumne, die ganz London begeistert. Mit ein wenig Hilfe von Lady Danbury entdeckt sie schließlich, dass doch mehr in ihr steckt, als sie bisher glaubte. Sie entwickelt sich vom Mauerblümchen, dass immer nur am Rand von Veranstaltungen zu finden war, zu einer kleinen Perle, die leider nicht für jeden sichtbar ist.
Colin ist rastlos und daher viel auf Reisen. Er ist nicht unbedingt unzufrieden mit seinem Leben, dennoch fehlt ihm etwas, eine Aufgabe, die er erfüllen kann. Ein wenig neidisch auf seine verheirateten Brüder, die alle etwas mit ihrem Leben anzufangen wissen, flüchtet er sich in fremde Länder und sucht vergeblich nach etwas, das auch sein Leben erfüllt. Es stört ihn sehr, dass Lady Whistledown immer wieder betont, wie charmant er doch ist, denn das ist nicht alles, was ihn ausmacht. Das ist auch nicht die Art, wie er nach seinem Tod in Erinnerung behalten werden möchte. Insgesamt ist er ein sehr interessanter Charakter – Menschen, die viel Reisen haben meist auch viel zu erzählen – aber mir fehlen ein paar Ecken und Kanten an ihm.
Auch Lady Danbury kommt in diesem Band häufiger vor und wir dürfen an ihrer herrlich-verschrobenen Art teilhaben. Während sie mit genau dieser Art die meisten Leute in die Flucht schlägt, kann Penelope sie ganz gut leiden. Als die beiden Damen feststellen, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht, werden sie zu Freundinnen und Lady Danbury schafft es sogar, neue Facetten aus Penelope herauszukitzeln. Ich mag die alte Dame, hoffentlich bekommen wir noch mehr von ihr zu sehen. ;)
Da die Geschichte vor allem aus Penelopes Sicht erzählt wird, tritt der Rest der Familie Bridgerton leider etwas in den Hintergrund. Aber das Buch hat mich dennoch wieder fasziniert und mich in seinen Bann geschlagen. Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen und habe es in einem Stück ausgelesen. Schon jetzt vermisse ich Lady Whistledowns Kolumne am Anfang jedes Kapitels. ;)
Wie in den vorigen Bänden gibt es auch hier wieder spritzige, lustige, manchmal bissige Gespräche und einfach eine wundervolle Sprache. Habe ich schon gesagt, wie toll ich den Schreibstil finde? Julia Quinn ist es wieder mit Leichtigkeit gelungen, mich in der Welt der Bridgertons versinken zu lassen und mir ein paar schöne und amüsante Stunden zu schenken. Dieses Buch ist etwas anders, als die anderen, aber trotzdem genauso schön und eine absolute Leseempfehlung!