Inhalt:
Dass der Mensch sich oft selbst widerspricht, ist vielen von uns klar. Unsere Ansichten, moralischen Überzeugungen und Meinungen dagegen scheinen klar und fundiert und in sich stimmig.
Nun wird uns vor Augen geführt, wo unsere eigenen, persönlichen Widersprüche liegen. Ist unser Bild von Gott stimmig? Bin ich wirklich ein so logisch denkender Mensch, wie ich es gerne wäre? Wie weit reichen meine Moralvorstellungen?
Dies ist die Welt, in die uns "Der kleine Denkverführer" entführt...
Meine Meinung:
Julian Baggini und Jeremy Stangroom haben ein Buch veröffentlicht, das uns aufzeigt, dass unser Gehirn oft nicht so funktioniert, wie wir es gerne hätten. Ebenfalls zeigt uns "Der kleine Denkverführer", welche unserer Meinungen widersprüchlich sind.
Somit lässt uns dieses Buch mit dem schlimmsten Feind überhaut kämpfen: Mit uns selber.
Bagginis und Stangrooms Buch ist gefüllt mit unterschiedlichen Rätseln zu unterschiedlichen Themen. Wir werden mit unserer Grundeinstellung konfrontiert, die sich öfter als geahnt selber widerspricht. Unsere morlischen Werte werden geprüft und unsere Tabus untersucht.
Dabei muss man damit rechnen, dass das Buch ab und zu unangenehm wird. Sei es dann, wenn wir gesagt bekommen, dass unser Hirn schwabbelig ist oder wenn wir Fragen beantworten sollen, die wir eigentlich gar nicht erst gestellt bekommen wollen.
Ausserdem spricht der Denkverführer an vielen Stellen Themen an, bei denen wir uns eventuell unwohl fühlen. So zum Beispiel das Kapitel "Schlachtfeld Gott", da Religion schon immer ein heikles Thema gewesen ist.
Aber wir dürfen widersprechen. Das steht sogar im Vorwort. Es geht sogar so weit, dass man dazu aufgefordert wird, für bestimmte Fragen oder Widersprüche Begründungen zu finden. An anderen Stellen wiederum ist das fast nicht möglich, da uns aufgezeigt wurde, dass das, was wir bisher dachten, sich irgendwie widerspricht. Dann sind wir dazu aufgefordert, unsere Denkmuster zu verlassen und vielleicht eine alte Meinung aufzugeben. Da ist er also wieder, unser alter Feind.
Sind wir aber an diesem Punkt angelangt, hat das Buch seinen Zweck eigentlich schon erfüllt. Wir denken nach. Der Untertitel lautet nicht umsonst "Philosophische Spiele", geht es doch tatsächlich darum, über das eine oder andere Thema etwas genauer nachzudenken. Man sollte den Untertitel jedoch nicht zu genau nehmen. Hier geht es vor allem darum, ob etwas, was wir denken, auch wirklich eine logische Begründung hat und nicht darum, uns in philosophische Tiefen zu stürzen, in die sich sonst nur Philosophiestudenten wagen.
Die Rätsel sind fundiert und aufschlussreich, die Professoren, die an ihrer Entstehung mitgearbeitet haben, haben sich da bestimmt was bei gedacht. Nur sind die Auflösungen oft so kompliziert beschrieben, dass man sich die Anleitung zur Auflösung gleich zwei- oder dreimal durchlesen muss, bis man weiss, was genau zu tun ist.
Fazit:
"Der kleine Denkverführer" ist ein nettes Buch für alle Hobbyphilosophen und die Denker unserer Nation. In diesem Buch finden sie viele Anreize und Anstösse, über die es sich nachzudenken und die es genauer zu untersuchen lohnt.
Aber auch wer das Buch nur der Rätsel wegen kauft, wird unterhalten werden. Man muss jedoch wissen, dass es hier um die eigenen Einstellungen geht, man sich manchmal vielleicht angegriffen fühlt.
Da die einzelnen Kapitel eigentlich recht kurz sind und hauptsächlich aus den Rätseln und deren Auflösung besteht, ist das Buch auch gut für zwischendurch geeignet.
Und schlussendlich kam bei Jari heraus, dass es nicht logisch denkt, dafür aber intellektuell und überaus tolerant ist.