Rezension verfasst vor 3 Monaten
(6)
Ich bin positiv überrascht: Flauberts Papagei ist mein erster Roman von Julian Barnes. Vielleicht bin ich nur deshalb auf ihn aufmerksam geworden, weil ich ein ausgesprochener Flaubert-Fan bin. Barnes verquickt hier jedoch Fiktion und Realität auf das Beste miteinander. Der Engländer Geoffrey Braithwaite möchte auf den Spuren seines Lieblingsschriftstellers wandeln: hierzu ist er nach Rouen gekommen und pilgert nun durch die alte Stadt, entdeckt hier und da Brasserien, Museen oder Statuen, die an Flaubert erinnern sollen. Und er trifft auf einen Papagei, der schon Flauberts Leben und Werk begleitet hat. – Barnes schreibt aus der Perspektive des Geoffrey, er lässt ihn seine Erlebnisse und Gedanken erzählen. Dazwischen sind immer wieder autobiographische und chronologische Abteilungen eingefügt, die ganz dokumentarisch über Flauberts Leben berichten. Sehr unterhaltsam war gleich zu Beginn des Romans eine an den Lebensdaten Flauberts zusammengestellte Zitatenliste, die ungemein viel über den Charakter Flauberts preisgibt. Sprachstil und Lebendigkeit der Erzählung sind phantastisch; quirlig, überhaupt nicht langweilig, den Leser stets durch direkte Ansprache in die Handlung einbindend. Beschwingt und überhaupt nicht philosophisch – das Beste zum Seele baumeln lassen und sicher nicht mein letzter Julian Barnes!
Mehr
Weniger
0 Kommentare