Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, das es mir nicht nur aus Familien- und Freundeskreisen empfohlen wurde, sondern auch die allgemeine Kritik der Öffentlichkeit sehr positiv ausfiel.
Zu Beginn war ich leider wenig begeistert, da nicht richtig viel passierte, man erfuhr zwar um welchen Fall es geht, aber die Ermittlungen kommen zunächst keine großen Schritte voran. Erst nach Kapitel 25, ungefähr 200 Seiten, war es soweit, dass ich Herzklopfen bekam – und dann konnte ich das Buch beim besten Willen nicht mehr aus der Hand legen. Die restlichen 200 Seiten habe ich in vier Stunden verschlungen, bis es halb vier nachts war und ich das Buch durch hatte.
Positiv bewerte ich an diesem Buch zunächst die Charaktere. Carl Mørck ist keiner von diesen Superhelden-Cops, die man sonst so kennt. Nein Carl ist ein Zyniker, der unter einer posttraumatischen Störung leidet. Er lässt lieber arbeiten als selbst zu arbeiten, stößt die Leute vor den Kopf – und ist trotzdem oder deswegen ein fabelhafter Ermittler. Sein Humor hat mich trotz der krassen Story oft schmunzeln lassen.
Noch mehr Freude bereitete mir Carls neuer Assitent Assad, der nicht nur für einen Kulturschock sorgt, sondern auch dafür, dass einige wichtige Spuren verfolgt werden. Assad ist mir richtig ans Herz gewachsen, auch wenn er zum Ende hin eine etwas fiesere Seite offenbart.
Merete Lynggard war mir nicht sympathisch, aber ich denke, das muss sie auch gar nicht sein. Entscheidend ist, dass Adler-Olsen es schafft, ihr Martyrium so eindrucksvoll quälend zu beschreiben, dass man diese arme Frau deutlich vor sich sieht und es einem dem Magen zuschnürt anhand der Folter, die sie durchleben muss.
Adler-Olsen's Sprach- und Schreibstil, bzw die gelungene Übersetzung durch Hannes Thiess trugen dazu bei, dass man sich immer gut reinfühlen konnte in die Hauptcharaktere und Schauplätze.
Klasse ist natürlich auch die Story an sich, auch wenn sie, wie oben gesagt, nur langsam in die Gänge kommt. Was Merete zugestoßen ist wird schnell deutlich, umso mehr denkt man als Leser, die Polizei soll doch endlich mal in die Hufe kommen.
Negativ musste ich leider bewerten, dass für mich persönlich zu offensichtlich war, wer der Bösewicht ist. Zu viel möchte ich nicht verraten, denn ich will ja nicht spoilern, aber ich war schon etwas enttäuscht, weil ich dachte, mein Verdacht sei zu offensichtlich, als dass er sich bestätigen würde. Nervend fand ich auch die Story um den „Fahrradmord“, zu dem Carls Kollegen ermitteln und der letzten Endes keinerlei Bedeutung hat. Ich hatte ja gehofft oder vermutet, dass zwischen diesen beiden Fällen irgendeine Verbindung erscheinen würde, aber schlussendlich bleibt der „Fahrradmord“-Plot überflüssig.
Wenn es euch also auch so geht, dass ihr den Anfang des Buches etwas schwerfällig findet und euch ermahnen müsst, weiterzulesen, dann sage ich euch: Haltet durch! Das Ende ist packend geschrieben (auch wenn ich ja wusste wer der Täter ist), es kommt anders als man denkt und dem Leser wird eine permanent prickelnde Gänsehaut im Nacken geboten.