Jussi Adler-Olsen nimmt uns mit zum zweiten Fall seines Ermittlers Carl Mørck, der so ganz anders ist als alle anderen Ermittler. Er ist irgendwie der Anti-Held, er ist ein bisschen faul, ziemlich zynisch, aber ich persönlich liebe seinen trockenen Humor. Damit sind wir auch direkt beim ersten lobenswerten Punkt angelangt: Die Figuren. Neben Carl, dessen sarkastische Ausdruckweise und Gedanken man ja die meiste Zeit verfolgt, ist auch wieder sein Assistent Assad mit von der Partie. Assad war schon im ersten Band mein Liebling, denn er ist oft unfreiwillig komisch und wirkt auf den Leser einfach nur total putzig und drollig.
Doch in diesem Band bekommt das Team Verstärkung von der resoluten Rose, die ihren Job als Assistentin antritt. Auch sie habe ich direkt lieb gewonnen, weil sie sich von Carl einfach nichts gefallen lässt und außerdem ihre Arbeit sehr gut macht. Insgesamt ist sie meiner Meinung nach leider etwas zu blass geblieben, aber wer weiß wie sich das im dritten Band entwickelt.
Auch die Verdächtigen, Ditlev, Ulrik und Torsten sind gut geschildert. Krass zwar, aber glaubhaft. Denen möchte man auf keinen Fall im Dunkeln begegnen, so viel wird schnell klar.
Bei der Figur der Kimmie hingegen bin ich doch etwas hin- und her gerissen. Sie wirkte auf mich durchgehend wie ein abgedrehter Teenager, dabei ist sie rund vierzig Jahre alt. Zunächst sicherte sie sich meine Sympathiepunkte, im Laufe des Buches wuchs meine Abneigung ihr gegenüber jedoch zunehmend. Ich weiß nicht, ob das vom Autor beabsichtigt war.
Die Sprache und der Schreibstil insgesamt sind wieder sehr gut verständlich und eingänglich. Sowohl Humor und Witz als auch Spannung und Gefahr sind sehr gut dargestellt und führen dazu, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.
Auch der Aufbau hat mich überzeugt. Es wurde immer wieder zwischen verschiedenen wichtigen Charakteren gewechselt, sodass der Leser immer wusste, wer gerade wo was tat. Das fand ich klasse, denn oft steigerte es die Spannung noch weiter.
Für Spannung sorgt natürlich die Storyline an sich besonders. Für mich war es eine ziemlich neue Geschichte, rund um die ehemalige Internatsclique, die zum Spaß Menschen quälten. Man blickt hinter die perfekten Fassaden einflussreicher Männer und schaut geradewegs hinein in die tiefsten Abgründe des menschlichen Daseins. Unvorstellbare Grausamkeiten warten auf den Leser.
Ein Kritikpunkt meinerseits ist allerdings das Ende, in dem Carl und Assad durch eine unbedachtete Idee in eine gefährliche Situation kommen. Dass Carl darein gerät, hätte ich ihm eigentlich nicht zugetraut. Kimmies Handlungen gegenüber den Männern sind nachvollziehbar, ich finde das Ende jedoch trotzdem zu klischee-haft.
Und was Kimmie selbst anbelangt, so finde ich, dass der Autor verzweifelt versuchte, nochmal Sympathie für sie zu wecken, was mir selbst überhaupt nicht mehr gelingen konnte.
Fazit: Wieder mal ein sehr, sehr gutes Buch von Jussi Adler-Olsen, das nicht nur mit Humor und Spannung daher kommt, sondern auch mit einer neuer Story, die es in sich hat.