Bisher habe ich mich noch nicht wirklich mit Büchern von Kai Meyer beschäftigt, obwohl mich thematisch gleich mehrere ansprechen würden. Um nun mal einen Einstieg zu schaffen, habe ich mich an die Merle-Trilogie gemacht und in recht kurzer Zeit Teil 1 beendet.
Der 1. Band lässt mich nun unsicher zurück, denn er hatte durchaus gute Ideeansätze, konnte mich im ganzen aber nicht richtig mitreißen und auch die das magische Venedig blieb mir weitestgehend verschlossen.
Zum Inhalt: Merle und Junipa werden aus dem Waisenhaus zum Spiegelmacher in Lehre geschickt. Doch auch wenn sich damit das Leben der Beiden ersteinmal zum Positiven wendet, ist Venedig doch bedroht von den Mächten des Bösen, die immer näher an die Stadtgrenzen rücken.
Bisher glaubten die Menschen an den Schutz der fließenden Königin und fürchteten die Gefahr nicht, doch nun wurde diese gefangen und Venedig scheint dem Untergang geweiht. Nur eine gewinnt das Vertrauen der Königin und rettet sie aus der Gefangenschaft: Merle. Doch das Böse ist stark und die Königin noch lange nicht sicher, so muss Merle ausziehen um die Königin, sich selbst und ganz Venedig zu retten.
Der Einstieg ins Buch fiel mir ersteinmal nicht leicht. Die Beschreibungen der Charaktere und auch der Situation an sich werden insgesamt eher klein gehalten. So findet man als Leser nur ganz langsam heraus, wie es in Merles Welt abläuft, und was es dort vor allem auch an magischen Dingen gibt. Immer wieder wird kurz was angeschnitten, wie z.B. Meerjungfrauen oder geflügelte, steinerne Löwen, aber erst viel später kann man lesen, was diese Geschöpfe für Venedig sind und welche Rolle sie in der Geschichte einnehmen.
Der Schreibstil ist zwar angenehm einfach und für Jugendliche gut geeignet, trotzdem fehlten mir dann einfach die klaren Aussagen, damit ich Merles Welt auch kennenlernen kann.
Wenn ich in einem Nebensatz irgendwas von fliegenden Löwen lese, ohne eine Erklärung, dann sorgt das bei mir erstmal für Verwirrung und unterbricht meinen Lesefluss. Solche Momente hatte ich vor allem zu Anfang immer wieder und so kam ich gar nicht richtig in das Buch rein.
Die Spannung hält sich ersteinmal auch in Grenzen. Wir lernen ganz langsam Merle und Junipa kennen und doch baut sich nur langsam Sympathie zu den beiden auf. Als sie dann zum Spiegelmacher kommen, hat es einen gewissen Reiz, als Leser, alles mit den Beiden zu entdecken, und doch bleibt mir das Buch da noch zu weit an der Oberfläche. Ich mochte die beiden Mädchen, aber ohne den Bezug zu dieser magischen Welt kann sich kaum Spannung aufbauen. So fiebert man als Leser eben auch nicht richtig mit, wenn Merle beispielsweise auf die venezianische Garde trifft, und sich eigentlich in Gefahr befindet.
Meist lief die Story bei mir nur irgendwie nebenbei ab, ohne richtig Spannung oder Mitfiebern. Richtig interessant wurde es eigentlich erst 50 Seiten vor Schluss und das ist mir leider auch bei dem 1. Band einer Trilogie zu wenig.
Bis zuletzt war ich davon überzeugt, diese Trilogie nicht unbedingt weiterlesen zu wollen. Zwar fand ich Merle als Charakter wirklich sympathisch, aber ich bin einfach nie in dieses magische Venedig richtig eingetaucht, stattdessen blieb ich immer der passive Leser, der die Ereignisse hinnimmt ohne richtig dabei zu fühlen.
20 Seiten vor Schluss kommt es dann zu einer Begebenheit, die bei mir zum ersten Mal richtige Neugier geweckt hat. Es geht dort um Junipa und in etwa darum, dass auch sie "auserwählt" ist, denn anscheinend hat nicht nur Merle eine Aufgabe, sondern auch sie. Endlich Spannung und Neugier auf weitere Informationen!
Damit hat der Autor im Prinzip alles richtig gemacht, denn die Stelle ist mir jetzt in Erinnerung geblieben und ich denke wieder darüber nach mir auch den 2. Teil zu besorgen, obwohl der 1. Teil für mich nur durchschnittlich war.
Fazit: Ein wunderbar leicht zu lesenes Buch für Jugendliche. Bisher konnte ich als Erwachsene noch nicht richtig in die Geschichte eintauchen, habe aber die Hoffnung auf die Folgebände noch nicht aufgegeben.
Für mich ist Teil 1 ersteinmal für Jugendliche von ca. 11 - 14, die nicht nur durchgehende Spannung wollen, durchaus empfehlenswert. Ich bin gespannt, ob die Trilogie sich steigern kann.