Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Weimar 1805: Die Studenten Wilhelm und Jakob Grimm sind große Fans von Goethe und erhalten nach langem Warten endlich eine Einladung von Goethe ihn in Weimar zu besuchen. Schiller, der zweite große Dichter der damaligen Zeit und ein guter Freund Goethes, ist schwer erkrankt und die beiden Brüder Grimm sollen ihm von Goethe eine Medizin überbringen, die ihm Erleichterung verschaffen soll. Im Gegenzug gibt Schiller den beiden Studenten sein neuestes Manuskript mit, welches sie Goethe übergeben sollen. Bei dieser Fortsetzung handelt es sich um das lange ersehnte Ende des Geistersehers. Auf dem Weg zu Goethes Haus jedoch werden die Brüder Grimm überfallen und das Manuskript gestohlen. Sie beschließen dies Goethe zunächst zu verschweigen als sie zu Zeugen eines seltsamen Rituals in Goethes Salon werden. Als sich am nächsten Morgen die Nachricht verbreitet Schiller wäre verstorben keimt das Misstrauen in den Brüdern Grimm. Hat Goethe etwas mit dem Diebstahl des Manuskripts zu tun und hat er Schiller ermordet?
Das Buch und das Hörspiel erzählen die Ereignisse aus der sich von Wilhelm Grimm. Die Sprache ist wunderbar anachronistisch, so dass man sich wirklich in das Jahr 1805 zurückversetzt fühlt, aber nicht so verschroben, dass man Probleme mit dem Verständnis bekommen würde.
Dem Hörer begegnen neben den Brüdern Grimm, Goethe und Schiller auch noch andere bekannte Gesichter, wie E.T.A. Hoffman, der den beiden Studenten bei ihren Nachforschungen in Warschau hilft. Das Buch ist voller wunderbarer, innovativer Ideen, wie Vogelöd, über das ich hier nichts verraten werde.
Laut einem Interview auf dem blauen Sofa der Buchmesse 2009 schrieb Kai Meyer "Die Geisterseher" mit 24. Dieses Buch war sein erster Roman. Veröffentlicht wurde er zwei Jahre später bei Rütten & Loening in einer wirklich schönen Ausgabe mit einem durchsichtigen Schutzumschlag auf dem die Figuren gedruckt waren. Der Hintergrund der Szenerie war der eigentliche Einband des Buches und so konnte man mit dem Schutzumschlag die Figuren über den Hintergrund legen. Schwer zu beschreiben, aber wirklich schön und schon lange so nicht mehr gesehen. 2002 wurde das Buch bei Lübbe neu aufgelegt und dieses Jahr im Aufbau Taschenbuchverlag.
Das Buch war 1995 die dritte Veröffentlichung des damals noch unbekannten Autors, aber schon in diesem Buch erkennt man wofür Kai Meyer noch heute bekannt ist: interessante Charaktere und spannende Plots. Eigentlich ist diese Geschichte fast besser als so manche aktuelle Bücher von Kai Meyer, denn damals hatte er seinen Stil noch nicht gefestigt, experimentierte und kam so mit unerwarteten und wirklich innovativen Ideen. Diese Geschichte ist keinem Genre zuordenbar. Sie ist weder reine Fantasy, so wie viele seiner heute so bekannten Geschichten und auch kein reiner Krimi oder historischer Roman, sondern eine Mischung aus allen drei Genres, sozusagen ein historischer Fantasykrimi mit klassischer Verschwörungstheorie in der Art von Dan Brown. Sie hat alles von erster Liebe, Mord, Verschwörung und natürlich auch die derzeitig so beliebten Illuminaten fehlen nicht.
Die Umsetzung in ein Hörspiel ist exzellent gelungen. Der Zaubermondverlag, der für die Dorian Hunter Hörspiele bekannt ist und schon mehrere Preise gewonnen hat, so z. Bsp. den "Hörspiel-Award 2008", hat bei diesem Hörspiel in die vollen gegriffen. In Zusammenarbeit mit dem Autor schrieb der Regisseur Marco Göllner die Skripte und hat wirklich großartige Synchonsprecher für dieses Hörspiel engagiert. Unter anderem den Grimme-Preisträger Matthias Habich, Andreas Fröhlich (deutsche Stimme von Edward Norton), und Marius Clarén (deutsche Stimme von Tobey Maguire) und Gerlach Fiedler.
Auf der Internetseite des Verlags gibt es eine 20 minütige Hörprobe, die einem die Kaufentscheidung abnimmt, denn da gibt es wirklich nichts zu entscheiden.
Insgesamt hätte das Hörspiel mit einer Laufzeit: ca. 300 min auch auf 4-5 CDs gepasst, aber mit 6 CDs macht die Hülle natürlich einen deutlich ausgewogeneren Eindruck, auch wenn auf den letzen beiden CDs deutlich weniger Tracks zu finden sind als auf den ersten CDs. Die Tracks sind von sehr unterschiedlicher Länge, teils recht kurz teils 14 Minuten oder länger, was ich teilweise etwas ungeschickt fand. Besonders die langen Tracks hätte man noch in mehrere unterteilen sollen, damit man nach Hörpausen den Anschluss wieder besser findet.
Eines meiner Hörspielehighlights des Jahres 2009.
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