Leser-Rezension zu „Evas Auge /Fremde Blicke” von Karin Fossum
am 15.06.2009
Evas Auge
Könnte sie als Prostituierte ihr Geld verdienen? Für die junge, bislang erfolglose Malerin Eva Magnus stellt sich diese Frage, als sie ihrer Jugendfreundin Maja begegnet. Diese ist der lebensfrohe Beweis dafür, wie man durch Anschaffen zu viel Geld kommt. Eva beginnt ihre Lehre: Durch einen Türspalt läßt Maja sie dabei zusehen, wie sie einen Kunden empfängt. Aber es kommt zu einem Streit, und die Voyeurin im Nebenzimmer bleibt mit der Leiche der Freundin zurück. Der sympathische Kriminalkommissar Sejer, der in dem Mordfall ermittelt, ahnt, daß die junge Künstlerin mehr zu erzählen hat, als sie aussagt, und Eva muß befürchten, daß der Mörder um die Zeugin weiß...
Ich habe mich zunächst etwas schwer getan, in das Buch reinzukommen, aber das geht mir bei neuen Autoren oft so. Im Laufe der Geschichte bin ich aber auf einen sehr sympatischen Kommissar gestoßen, der nicht zu viele Worte macht, sehr geduldig ist und auf seine Art eben doch ans Ziel kommt. Auch hier gibt es natürlich ein Privatleben, welches aber auch nicht sehr aufregend ist. Konrad Sejer lebt seit dem Tod seiner Frau, die er immer noch sehr vermißt, zusammen mit seinem großen, gemütlichen Hund Kollberg.
Fremde Blicke
Still und schwarz liegt der Schlangenweiher, eingebettet in die Hügel der grünen Fjordlandschaft, als Hauptkommissar Konrad Sejer am Ufer die junge Annie Holland findet. Sie ist ermordet worden, und niemand in dem kleinen norwegischen Dorf kann sich erklären, weshalb. Denn Annie galt als liebenswert und äußerst hilfsbereit. Doch als der wortkarge Konrad Sejer mit Beharrlichkeit und feinem Ohr für die Mißtöne in der Dorfgemeinschaft Annies letzte Wochen rekonstruiert, stellt sich heraus, daß sie sich in dieser Zeit sehr verändert hatte - sie war plötzlich tieftraurig, wankelmütig und launisch geworden. Und dann stößt Sejer auf einen zweiten tragischen Todesfall in der Gemeinde, der erst wenige Monate zurückliegt...
Die Geschichte schließt nahtlos an den ersten Roman an und erschien mir einfacher als die erste. Natürlich ist es zunächst völlig rätselhaft, wieso jemand das junge Mädchen getötet hat und nackt auf einem Stein liegen ließ. Ein Sexualdelikt scheint ausgeschlossen. Doch mit den Ermittlungen von Konrad Sejer kommt man selbst dem Geheimnis immer näher.

