Seit langer Zeit fällt es mir zum ersten Mal wieder richtig schwer, eine Rezension zu einem Roman zu verfassen. Dieses Buch liegt mir nicht, es spricht mich nicht an, manches an ihm ärgert mich sogar - aber es fällt mir schwer, es in Worte fassen.
"Eine Liebe in Luxor" erzählt die gemeinsame Geschichte der Lady Duff Gordon, ihrer Zofe Sally Naldred und ihres ägyptischen Dieners Omar Abu Halawy.
Die Lady, seit Jahren immer wieder von Krankheit und Schwächeanfällen gebeutelt, reist mit ihrer Kammerzofe nach Ägypten, dessen heiße und trockene Luft ihr Linderung bringen soll. Erste Station ihrer Reise ist Alexandria, wo aus dem Duo ein Trio wird, denn der Ägypter Omar tritt in die Dienste der Lady und begleitet sie und Sally auf ihren Reisen. Von Alexandria, das für die Lady noch zu feucht und stickig ist, geht die Reise weiter den Nil hinauf, bis sie schließlich in Luxor ankommen, wo sie zu bleiben entscheiden. Mit der Zeit scheinen die Grenzen zwischen Herrschaft und Dienerschaft immer mehr zu verschwinden. Lady Duff Gordon war immer schon gut zu Sally und sehr vertraut im Umgang mit ihr, doch der Tausch ihres größeren Haushalts in England gegen das nur von zwei Dienern geführte Haus in Luxor und der Verlust ihrer Familie, die in England bleiben musste, lassen Lady Duff Gordon einen immer innigeren Kontakt zu Sally und Omar pflegen. Als sie dann erfahren muss, dass Sally von Omar, der bereits verheiratet ist, nach ägyptischem Recht aber eine zweite Frau haben darf, schwanger ist, bricht ihre Welt zusammen. Wütend und verletzt weigert sie sich fortan, Sally auch nur eines einzigen Blickes zu würdiegn - an Omar hingegen hält sie fest. In ihren Augen ist er der Verführte und Sally die hintertriebene Verführerin und Ehebrecherin. Was wird nun aus Sally und Omar? Und was wird mit ihrem Kind geschehen? Und zu wem wird Omar letztlich halten?
Lady Duff Gordon ist eine historische Gestalt, ebenso ihre Zofe Sally und ihr Dragomane Omar. Die Lady selbst hat ihre Briefe aus Ägypten veröffentlichen lassen, so dass man über sie einiges zu wissen glaubt, während Sally und Omar Randerscheinungen bleiben. Daher ist auch Kate Pullingers Geschichte, die sie in "Eine Liebe in Luxor" erzählt, das Produkt schriftstellerischer Phantasie. Leider lässt sie auch in ihrem Nachwort offen, was genau nun Fakt und was Fiktion ist, daher weiß ich nicht recht, ob ich mich über ein reales Verhalten einer Lady Duff Gordon ärgern sollte oder vielmehr über eine Autorin, die ihre Figur einen Wesenswandel durchlaufen lässt, der in meinen Augen unglaubwürig erscheint.
Lady Duff Gordon wird zu Beginn des Buches als warmherzige, intelligente und trotz aller Krankheit lebenslustige Frau geschildert, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihre Zofe behandelt sie gut und auch in Ägypten mischt sie sich unters einfache Volk und setzt sich für deren Belange ein. Da mutet ihre Reaktion auf Sallys Schwangerschaft einfach seltsam an. Sie fühlt sich hintergangen durch das Schweigen des Paares, das ist verständlich, ebenso wie ihre Wut - doch in dieser Konsequenz ist dies eine 180°-Wendung, die sich vorher durch nichts ankündigte. Wobei ich es auch unglaublich finde, dass die Lady bis zum Ende nicht sieht, dass ihre Zofe schwanger ist - sie denkt, sie wird einfach nur dick.
Letztlich hat dieser Roman mich nicht überzeugt. Sprachlich zwar solide, wenn auch ein bisschen steif, so kann ich mich für die Geschichte an sich einfach nicht erwärmen. Der Titel des Buches hätte mich schon stutzig machen sollen, denn er klingt ein bisschen nach Groschenroman, doch der Originaltitel, "The Mistress of Nothing", klang gut, also wollte ich den Verusch wagen - doch leider wurde dieser Roman nicht für mich geschrieben.