Inhalt:
Lake Warren ist 44 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und gleichzeitig sehr erfolgreich in ihrem Beruf als Marketingexpertin. Aufgrund ihrer Scheidung von ihrem Ehemann Jack macht sie jedoch gerade eine schwierige Zeit durch. Gerade als sie beginnt, sich wieder besser zu fühlen, erfährt sie, dass ihr Ex-Mann das volle Sorgerecht für ihre Kinder erreichen will – obwohl sie sich vorher bereits auf geteiltes Sorgerecht geeinigt hatten. Ihr Anwalt rät ihr deshalb, sich während des Prozesses unauffällig zu verhalten und keinerlei Verbindung zu einem Mann einzugehen.
Dennoch lässt sie sich von dem attraktiven Arzt Mark Keaton verführen, der in derselben Klinik für Fruchtbarkeitsbehandlungen tätig ist, für die Lake ein Marketingkonzept erarbeitet. Sie verbringt eine gemeinsame Nacht mit ihm – in der er prompt ermordet wird.
Nun muss Lake sich darum bemühen, ihren „One-Night-Stand“ geheim zu halten, um nicht selbst als Verdächtige zu gelten und im Sorgerechtsstreit nicht negativ aufzufallen. Sie entschließt sich, selbst Nachforschungen anzustellen. Schon bald stellt sie fest, dass es in der Klinik nicht ganz mit rechten Dingen zugeht. Haben deren dubiose Machenschaften etwas mit Keatons Ermordung zu tun?
Lake begreift bald, dass sie sich in höchster Gefahr befindet und dass sie nicht zuletzt auch um ihre Kinder bangen muss. Wird sie rechtzeitig herausfinden, wer hinter Keatons Ermordung steckt?
Mein Eindruck:
Der Prolog ist typisch für einen Thriller: eine Frau erwacht schwerverletzt aus einer Ohnmacht und kann sich zunächst nicht erinnern, was geschehen ist.
Im Folgenden lernt der Leser die Protagonistin Lake Warren und ihre momentane Lebenssituation mittels eines Gesprächs mit ihrer neuen Freundin Molly kennen: sie steckt mitten in einer Scheidung von ihrem Ehemann Jack, die sie seelisch sehr belastet. Ihre Kinder befinden sich im Ferienlager. Beruflich betätigt sie sich als selbstständige Marketingexpertin, wobei sie im Moment ihr Hauptaugenmerk darauf legt, ein neues Marketingkonzept für eine Klinik zu entwickeln, die sich auf Fruchtbarkeitsbehandlungen spezialisiert hat.
Das Buch ist in relativ kurze Kapitel aufgeteilt, die sehr häufig mit einer Art Cliffhanger enden, was Spannung aufbaut und es mir selten erlaubte, das Buch am Ende eines Kapitels aus den Händen zu legen. Kate White bedient sich einer einfachen und schnörkellosen Sprache, so dass sich das Buch sehr flüssig und zügig lesen lässt.
Leider schleichen sich insbesondere im letzten Drittel des Buches mehrere Leichtsinnsfehler ein. So werden beispielsweise ab und an die Namen der Protagonisten verwechselt, was mich immer ein wenig aus dem Lesefluss warf.
Der Erzählstil beginnt ruhig und wird zum Ende hin immer temporeicher. Atemlos beobachtet der Leser, wie das Leben der Protagonistin aus den Fugen gerät und sie schließlich nicht mehr weiß, wem sie noch vertrauen kann. Es kann prinzipiell ein jeder hinter dem Mord stecken, zumal der ermordete Arzt auch noch glücksspielsüchtig war und zudem ein Playboy und Frauenschwarm. Somit besteht die Möglichkeit, dass die Glücksspielmafia hinter dem Mord steckt, aber genauso gut kann es sich um eine eifersüchtige Frau handeln. Lakes Ex-Mann benimmt sich in letzter Zeit ebenfalls seltsam. Und natürlich sind da auch noch die Verantwortlichen der Klinik, die vermutlich schon mitbekommen haben, dass Lake eigene Nachforschungen anstellt…
Die Handlung lädt den Leser förmlich zum Miträtseln und Spekulieren ein und ich hatte so gut wie alle Charaktere mindestens einmal in Verdacht, der Mörder zu sein oder anderweitig in den Fall verstrickt zu sein. Das ist schon einmal ein positiver Aspekt bei einem Thriller.
Ein Manko des Buches war für mich allerdings, dass ich keinen richtigen Zugang zu den Charakteren fand. Insbesondere Lake blieb die ganze Zeit über blass und trotz ihrer umfangreichen und genauen Vorstellung blieb sie mir emotional fern. Außerdem handelt sie in meinen Augen nicht immer nachvollziehbar, was aber nicht unbedingt ein Minuspunkt ist.
Zudem ist das Buch an manchen Stellen etwas unglaubwürdig. So wird der Reporter Kit Archer für meinen Geschmack etwas zu gutmütig und zurückhaltend dargestellt. Mir hätte es besser gefallen, wenn diese Figur etwas zwiespältiger gestaltet worden wäre und vielleicht ein wenig mehr vom „skrupellosen Reporter“ gehabt hätte. Stellenweise wirkt der Thriller nicht zuletzt deshalb auch ein wenig konstruiert.
Die Auflösung konnte mich größtenteils überraschen und ich wäre von selbst nicht auf den Täter gekommen, was ich positiv hervorheben möchte.
Angemerkt sei noch, dass ich das Cover des Buches sehr ansprechend gestaltet finde. Einzig beim Titel kann ich keine Verbindung zum Buchinhalt feststellen.
„Schlaf still“ war für mich eine spannende Lektüre für zwischendurch, die mir aber wohl nicht in Erinnerung bleiben wird. Allerdings sehe ich es als vordergründige Aufgabe eines Thrillers an, mir einige Stunden an spannender Unterhaltung zu bieten, was das Buch auf jeden Fall erfüllt hat. Deshalb lässt mich das Buch relativ zufrieden zurück. Wer also einen spannenden Thriller für einen gemütlichen Lesetag auf dem Sofa sucht, der ist mit „Schlaf still“ bestens bedient.