Rezension zu "The Remains of the Day" von Kazuo Ishiguro

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Thaila

Vor 3 Jahren

(22)

Mr Stevens ist Butler in einem der großen englischen Herrenhäuser. Mittlerweile ist sein alter Arbeitgeber Lord Darlington jedoch verstorben und das Anwesen Darlington Hall an einen neureichen Amerikaner verkauft, der zwar freundlich ist, die Feinheiten des britischen Butler-Wesens jedoch wenig zu würdigen weiß. Für Stevens ist es an der Zeit Bilanz zu ziehen. Das tut er auf eine eigentümlich umständliche Art und Weise. Der erste Satz des Romans zeigt den eigentümlichen Stil des Romanes: It seems increasingly likely that I really will undertake the expedition that has been preocupying my imagination now for some days. So meandert die Erzählung vor sich hin. Stevens berichtet von der Reise, die er gerade unternimmt, von der Berufswürde der Butler, und von seiner Vergangenheit als Butler von Lord Darlington. Eine Figur taucht dabei in seinen Erzählungen immer wieder auf, Miss Kenton, die ehemalige Haushälterin, die er überreden will nach Darlington Hall zurückzukehren.
Was vom Tage übrigblieb ist eine wunderbare, auf eigentümliche Art und Weise zärtliche Parodie auf die britische Standesgesellschaft. Der Butler als wahre Macht in den Häusern des Adels nimmt eine entscheidende Stellung in dieser Gesellschaft ein, auch wenn Mr. Stevens in seinem Standesdünkel dazu neigt, seine Bedeutung in den politischen Geschäften seines Arbeitsgebers ein bißchen überzubewerten. Mr Stevens formalistisch- umständlicher Stil liest sich sehr vergnüglich und man kann sich den steifen, älteren Herrn, der immer darauf bedacht ist, Haltung zu wahren, großartig vorstellen. Aber die Parodie wird im Laufe des Romans zunehmend trauriger, wenn Mr. Stevens beispielsweise ohne erkennbares Bedauern davon berichtet, dass er seinen sterbenden Vater aufgrund seiner beruflichen Plichten nicht mehr hatte an seinem Totenbett besuchen können. Für ihn ist klar: Die Pflichterfüllung gegenüber dem Herrn ist oberstes Gebot. Und so sehen wir einen Mann, dessen Gefühlsleben vollkommen unterdrückt, ja verkrüppelt ist. Ein wunderbar traurig-komisches Buch!

Autor: Kazuo Ishiguro
Buch: Was vom Tage übrigblieb
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