Angeschnallt ihr Schlampen und Stecher! Die Abenteuer von Max Fisher gehen in ihre nächste Runde.
Nein, dies ist kein weiterer geistiger Ausschiss eines Hauptschulschülers mit Langeweile, sondern der Beginn meiner Rezension zu „Crack“, dem neunten Hard Case Crime Band aus der Feder des kongenialen Duos Ken Bruen und Jason Starr. Und wenn sie diese meine Wortwahl bereits schockiert hat, dürfen sie auch gleich getrost einen großen Bogen um das Buch machen, denn die Fortsetzung von „Flop“ ist mindestens genauso durchgeknallt und politisch inkorrekt wie ihr Vorgänger. Wer jedoch auf boshaften, unverblümt deftigen Spaß steht, ist hier genau richtig. „Waffen, Drogen, Titten, Rap.“ Das braucht, laut Al Pacino alias Tony Montana, der Mann. Selten hat dieser Ausspruch wohl so gut gepasst, wie in diesem Fall auf Hauptprotagonist Max Fisher.
Der ehemals so erfolgreiche Geschäftsmann ist nach dem Verlust seiner IT-Firma (Wer genaueres wissen will, lese bitte den Vorgänger „Flop“) auf dem harten Boden der alkoholgetränkten Realität gelandet: Sein Dauersuff hat ihn in ein billiges Motelzimmer im hintersten Alabama gebracht. Der Großteil seines Geldes sowie die eigenen Schneidezähne glänzen durch Abwesenheit. Der absolute Tiefpunkt also, den aber ein Macher wie Max natürlich nicht hinnehmen kann. Gemeinsam mit dem vertrottelten Südstaaten-Hinterwäldler Kyle stampft er kurzerhand ein lukratives Drogengeschäft aus dem Boden und kehrt als reicher Crack-Dealer zurück nach New York. Das ihn hier bereits sein alter Schatten, der rachsüchtige Detective Joe Miscali erwartet und Fishers gemietetes Liebesspielzeug, die Nutte/Stripperin Felicia, als Spitzel engagiert hat, ahnt Max nicht. Er ist zu sehr damit beschäftigt an seiner neuen Außenwirkung zu arbeiten. Und was schindet mehr ein Eindruck als ein chilliger Name? Nichts, denkt Max, und nennt sich kurzerhand in The M.A.X. um, in der Hoffnung vielleicht irgendwann mal das Kürzel zum Label machen zu können.
Auf der anderen Seite des großen Atlantiks ist Fishers ehemalige Verlobte Angela Petrakos in einer ähnlichen Lage. Das von Max gestohlene Geld hat sie verprasst, mit den Männern soviel Glück wie eh und je. Also keins. Daran ändert auch ihr neuer Fang Slide nichts, der sich nach kurzer Zeit als psychopathischer Serienmörder entpuppt und mit dem sie, nachdem eine Entführung der Stones-Legende Keith Richards im blutigen Fiasko endete, nun die Rückreise nach New York angetreten hat.
Es kommt was kommen muss: Angelas und Max' Wege kreuzen sich erneut und nicht zuletzt die Anwesenheit der kolumbianischen Drogenmafia sorgt dafür, dass auch dieses Mal das totale Desaster mit sicherer Hand angesteuert wird.
Soweit die „Handlung“ von „Crack“, welche ich mit vollster Absicht in Anführungsstriche gesetzt habe, da man hier eigentlich nicht wirklich von so einer sprechen kann. Dieses Buch ist vielmehr ein vollkommen abgedrehter Ritt auf der Rasierklinge und wo „Flop“ schon mit derbem Dauerwitz und brutalsten Gewaltexzessen brillierte, da setzt „Crack“ doch gleich noch einen drauf. Noch mehr Betäubungsmittel, Sex, Flüche und Coolness. Noch mehr Chaos und Unheil. Bruen & Starr haben den Pulp-Krimi auf eine neue Stufe gehoben und sind dabei immer scharf am Rand der Parodie gesegelt. Über die volle Distanz von gerade mal 219 Seiten frönt das Autorenduo der herrlichsten Übertreibung, ohne sich dabei jedoch eines gewissen Augenzwinkerns enthalten zu können. Wer sich von all den Möpsen, Drogen und Schießereien nicht vollends blenden lässt, erkennt wie intelligent und kalkuliert auf so manche Entwicklung in der Gesellschaft angespielt wird. Denn wo sind die Guten? Richtig, gibt wohl keine mehr. Ein jeder hier hat Dreck am stecken, ist nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Das Leben ist ein Haifischbecken und besonders Max Fisher wird in diesem mehr als einmal in den Ar*** gebissen.
„Crack“ ließe sich wohl am besten mit einem Stockcar-Rennen vergleichen: Hart, rasant und der nächste Aufprall kommt bestimmt. Wo Max und Angela Hand anlegen, da ist das Unheil nicht fern. Mit beinahe kindlicher Unschuld und einer noch größeren Portion Dummheit reiten sich beide stets aufs Neue rein, wobei das Ganze natürlich einer gewissen Tragik nicht entbehrt. Ihre wahrlich hassenswerten Charakterzüge verhindern jedoch, dass man an irgendeiner Stelle wirklich so etwas wie Mitleid empfinden kann. Man genießt viel mehr die Lust an der Schadenfreude, zumal der stets fortschreitende Verlauf der Geschichte ohnehin keine Zeit lässt, um inne halten zu können. Die Ereignisse überstürzen sich mit einer beinahe atemberaubenden Geschwindigkeit, was schließlich dazu führt das man das Buch bald so fest packt, dass die Fingerknöchel knirschen. Wer überlebt, wer stirbt? Der Ausgang bleibt über lange Zeit ziemlich offen und es wird deutlich, dass nur eins wirklich sicher ist: Jede Figur in „Crack“ wird mindestens einmal übers Ohr gehauen.
Wenn ich nun abschließend sage, dass ich mich köstlich amüsiert habe, stapele ich damit noch tief. Fakt ist: Die rechte Seite meiner Freundin dürfte in den nächsten Tagen eventuell etwas bläulich anschwellen, so oft habe ich sie während meiner Lektüre des Buches mit dem Ellbogen angestoßen, um dann zu sagen: „Hier, du, hör mal. Das muss ich Dir vorlesen!“
Insgesamt ist „Crack“ ein herrlich boshaftes, trashiges und erfrischend amoralisches Lesevergnügen, das sich als würdiger Nachfolger von „Flop“ präsentiert und mit seinem offenen, schrägen Ende die Vorfreude auf eine Fortsetzung weiter ganz hoch hält. Diese, mit Namen „The M.A.X“, wird im Herbst des Jahres 2010 im Rahmen der Hard Case Crime-Reihe veröffentlicht werden. Und dazu kann man wohl nur eins sagen: Chill Baby, echt chill!