Wenn zwei Schriftsteller zusammen ein Buch schreiben, kann das schnell nach hinten losgehen. Nicht immer sind diese Gemeinschaftsarbeiten von Erfolg gekrönt, sehr oft sogar ein echter Flop. Und nun heißt so auch noch das erste Werk aus den Federn von Ken Bruen (1951 in Irland geboren) und Jason Starr (1968 in Brooklyn, USA). Ein schlechtes Vorzeichen?
Keinesfalls. Beide für sich genommen schon äußerst erfolgreich, treten sie hier den Beweis an, dass auch ein Duo äußerst kurzweiligen Pulp zu Papier bringen kann, denn "Flop" ist keinesfalls einer, sondern eins der unterhaltsamsten und komischsten Bücher, das ich zuletzt lesen durfte. Ein Buch, das allein schon aufgrund des derben Humors ganz sicher nicht jedermanns Sache sein und polarisieren wird, aber endlich wieder neuen Nachschub für Freunde des ehrlichsten und unverblümtesten Krimigenres liefert. Die Story sei kurz angerissen:
Max Fisher ist ein Millionär und skrupelloser Geschäftsmann, der es in der boomenden New-Technology-Branche weit gebracht hat und dies vor allem seinem Ideen- und Einfallsreichtum verdankt. In der eigentlichen Materie kaum bewandert, bezirzt er Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen mit Charme und Raffinesse, um an anderer Stelle gleich wieder knallhart zu sein. "Zuckerbrot und Peitsche" ist sein Motto, und besonders letztere ist es, die ihn, dank Unterstützung von Viagra-Tabletten, immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Von der zickigen Ehefrau gelangweilt, beginnt der notgeile Max eine Affäre mit der gut gebauten Sekretärin Angela Petrakos und begeht damit einen großen Fehler. Das stets auf den eigenen Vorteil bedachte Luder wickelt ihn um den Finger, lenkt ihren Chef bald nach Gutdünken und bringt diesen schließlich dazu, den Tod der eigenen Frau in Auftrag zu geben. Ein Killer, der ehemalige IRA-Mann Dillon, wird engagiert, um den Mord auszuführen. Blöd nur, dass dieser ein völliger Psychopath ist und neben der verhassten Gattin auch noch gleich deren Nichte äußerst blutig und brutal abserviert. Nun muss Max vor neugierigen Cops den traurigen Witwer mimen, während ein Rolli fahrender Desert-Storm-Veteran ihn mit Fotos erpresst, die ihn und Angela gemeinsam im Hotel zeigen. Als er dann auch noch erfährt, dass diese insgeheim mit Dillon unter eine Decke steckt, beginnt ein Kampf jeder gegen jeder, der eine blutige Spur in New York hinterlässt...
Jesses, was für ein Buch. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, wohl noch nie eine derart makabre, tiefschwarze, perverse und heftig überzeichnete Pulp-Groteske gelesen zu haben. Bruen und Starr brennen hier ein knallhartes Feuerwerk ab, das in erster Linie von der tragischen Situationskomik lebt und die Lachmuskeln des Lesers, der nicht allzu zart besaitet oder prüde sein sollte, aufs Äußerste in Anspruch nimmt. Wen störts, dass die eigentliche Geschichte nicht allzu viel hergibt, die inhaltliche Tiefe in Millimetern gemessen werden kann?
"Flop" überzeugt mit einer Vielzahl herrlich-skurriler Figuren, die alle auf ihre Art den Bezug zur Realität völlig verloren haben und mit jeglichen zur Verfügung stehenden Mitteln gegeneinander vorgehen. Die Guten gibt's hier in diesem Buch eigentlich nicht. Wenn solche auftauchen, werden sie ganz schnell aus der Geschichte beseitigt. Wie in einem guten Tarantino-Film erfreut man sich stattdessen an expliziter Gewalt und der Abfolge von Absurditäten, die man moralisch besser nicht hinterfragen sollte. Auch sprachliche Feinheiten sucht man vergebens. Der Stil ist knapp, kurz, knackig und hart, die Wortwahl derb und unverblümt. Eben passend zur Story. Wer das in Kauf nimmt oder gar mag, rabenschwarzem Humor und makabren Szenen nicht abgeneigt ist, wird sich hier gleichfalls köstlich amüsieren. Alle anderen dürfen getrost mit der Mainstream-"Bestseller"-Massenware auf den Filialkettenbüchertischen vorlieb nehmen.
Insgesamt ist "Flop" ein urkomisches, trashig-überzeichnetes Vergnügen, das man aufgrund der gerade mal knapp 290 Seiten leider viel zu schnell durchgelesen hat. Eine Perle in der hoffentlich sehr langlebigen Hard-Case-Crime-Reihe des Rotbuch-Verlags, der mit "Crack" bereits den Nachfolger ins Rennen geschickt hat. Muss ich haben!