Rezension verfasst vor 2 Monaten
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Ich kann unmöglich nur 3 Sterne für einen Roman von Ken Follett vergeben, gehört der Autor doch zu meinen liebsten. Vor allem durch Romane wie „Die Nadel“ und „Kinder von Eden“ habe ich ihn als einen Schriftsteller schätzen gelernt, der seinen Lesern durchaus die Intelligenz zutraut, selbst Zusammenhänge zu erkennen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Auch wenn ich nicht sämtliche Werke von ihm gelesen habe, sind es doch etliche, so dass ich erkennen kann, dass sich sein Stil in meinen Augen verschlechtert hat. Das Buch „Tore der Welt“ ist leider nur noch Massenware gewesen und lies mich bereits negativ überrascht zurück.
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Nun freute ich mich darauf, dass Ken Follett eine besondere Idee vorlegte. Ein Roman über die großen Ereignisse der Welt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, verspricht Vergnügen und Wissenswertes. Und viel Wissenswertes vermittelte der Autor in „Sturz der Titanen“ auch. Er hat die Zusammenhänge um den 1. Weltkrieg verständlich beschrieben und interessant erklärt. Bekanntes wiederzufinden und Neues zu lernen bereitete mir viel Freude. Allerdings kam er nicht umhin, die Tatsachen in eine Handlung mit fiktiven Personen zu verpacken, was im Allgemeinen lesenswert sein kann. Gut fand ich auch, dass die Protagonisten den unterschiedlichsten Klassen angehörten, so dass alle zu Wort kamen.
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Damit endet mein positiver Eindruck aber auch schon. Denn leider hat Ken Follett wenig Herzblut in seine Charaktere gelegt oder die Geschehnisse so trivial geschildert, dass ich nicht nur einmal vor Schmerz aufstöhnen musste. Sämtliche Personen sahen umwerfend (wie oft ich dieses Wort lesen musste, kann ich nicht sagen – es war zu oft) gut aus und waren natürlich super intelligent. Verzichtete der Autor in seinen ersten Romanen fast vollständig auf Klischees, ist hier entweder alles nur schwarz oder weiß. Der Earl war reich, für den Krieg, egoistisch, unsympathisch und verlor natürlich am Ende. Das Dienstmädchen war kess, hilfsbereit, kämpferisch,sah gut aus und siegte u.s.w.u.s.f. Außerdem wurde jedes Detail erklärt und beschrieben. Da blieb nicht mehr viel zu tun für den Leser.
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Gewalttätige Zeiten verändern die Menschen. Dies ist mir bewusst. Jedoch kann ich nicht nachvollziehen, wie anfängliche Kriegsgegner kaltblütige Morde verüben, ohne irgendeine Entwicklung in diese Richtung erkennen zu lassen. Kein Zweifeln, keine Zerrissenheit, keine Gewissensbisse. Was mich aber am meisten gestört hat beim Lesen, waren neben den ständigen Wiederholungen (als ob der Autor befürchtete, dass der Leser nach ein paar Seiten die vorangegangene Handlung vergessen haben könnte) die vielen, vielen unglaublichen Zufälle. Leben wir nicht auf einer großen Erde und wurde der 1. Weltkrieg nicht auf einer unglaublich großen Fläche in vielen Ländern ausgetragen? Da ist es doch wohl unverständlich, dass sich unsere Helden ständig auf dem Schlachtfeld, in einem Pariser Hotel oder auf einem Ball wiedertrafen. Sicherlich können solche Zufälle passieren, aber nicht nur und immer wieder. Beim nächsten Aufeinandertreffen zweier Protagonisten war ich dann auch schon nicht mehr überrascht sondern nur noch genervt. Das war mir einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
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Letztendlich muss ich sagen, dass ich die vielen positiven Meinungen über das Buch „Sturz der Titanen“ nicht teilen kann – leider. Warum ich dennoch 3 Sterne vergebe und nicht nur 1? Das Buch ist kein Flop. Ich habe es zu Ende gelesen. Außerdem gibt es viele gute Passagen über die geschichtlichen Ereignisse, die verständlich geschrieben und lesenswert sind. Viel habe ich dazulernen können. Darum würde ich 2 Punkte vergeben. Und dafür, dass Ken Follett mich mit einigen seiner Vorgängerbücher begeistert hat, danke ich ihm mit einem weiteren Punkt. Bonuspunkte habe ich noch nie verteilt, möchte hier jedoch eine Ausnahme machen. Auf mich muss Ken Follett als Leser für seinen 2. Teil dieser Trilogie zwar verzichten, aber allen, denen der 1. Band gefallen hat, wünsche ich viel Spaß beim Lesen.
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