Rezension verfasst vor 4 Jahren
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Alle Menschen gelangen nach ihrem Ableben zunächst in die Stadt der Toten und bleiben dort so lange, wie sich noch irgendjemand unter den Lebenden an sie erinnert. Die Stadt ist unendlich groß und es herrscht ein stetiges Kommen und Gehen. Eines Tages leert sich die Stadt rasant schnell, was natürlich bei den Bewohnern die Befürchtung auslöst, dass sich in der „lebendigen Welt“ irgendetwas Grauenhaftes abspielen muss. Und so ist es auch…
Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die „Wildlife-Expertin“ Laura Byrd, die es zusammen mit zwei Kollegen im Rahmen einer groß angelegten Marketingaktion eines Nahrungsmittelkonzerns für längere Zeit in die Antarktis verschlagen hat und die in ihrer Abgeschiedenheit erst nach und nach merkt, was in der belebten Welt um sie herum passiert, nämlich dass die Menschheit geradezu ausradiert wird. Völlig allein gelassen und isoliert bleibt ihr nur eine Chance, sich irgendwie mit unzureichender Ausrüstung durch den antarktischen Winter zu einer Außenstation durchzuschlagen. Ein dramatischer Wettlauf gegen Kälte, Einsamkeit und die Zeit beginnt. Aber auch in der Stadt der Toten geraten die Dinge logischerweise langsam aber sicher außer Kontrolle….
Das Buch ist eine gelungene und spannende Mischung aus Katastrophenroman, Familien- u. Beziehungsdrama, Naturbuch und Fantasy. Viele interessante Charaktere vor allem in der „Nachwelt“ werden behutsam und teils über Rückblenden vorgestellt und entwickelt und im Laufe der Geschichte miteinander logisch verschachtelt. Reizvoll fand ich vor allem die Idee des Autors von einer Stadt, in der sich nach dem Tod ganze Familien quasi als „Zusammenführung“ wieder treffen (wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt, so nach dem Motto „da wir uns ja schon im Leben nichts zu sagen hatten, können wir jetzt auch hier in unterschiedlichen Stadtvierteln wohnen“). Durch seine hier lockere u. trockene Erzählweise schafft es Brockmeier gut, diesem eigentlich recht heiklen Thema total die Spitze zu nehmen.
Nach und nach verlagert sich die Geschichte zum Ende hin auf eine deutlich metaphysische Ebene, aber auch hier schafft es der noch junge Autor glaubhaft, diese dem Leser über eine tolle bildhafte Sprache, die dann völlig vom vorab Gelesenen abweicht, nahe zu bringen.
Für Freunde solcher Themenwelten ein interessantes Buch, was mir viel Spaß gemacht hat.
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