Leser-Rezension zu „Dying to Live” von Kim Paffenroth
am 29.10.2011
Dying To Live habe ich empfohlen bekommen, als ich nach einer guten Zombie-Apokalypsen-Story gefragt hatte. Auf das Ende war ich wenig gefasst und musste dieses erst verdauen, bevor ich die Aussage hinter den Geschehnissen verstehen konnte.
Jonah irrt durch eine von Untoten heimgesuchte Welt, auf der Suche nach seiner Familie, als er auf eine größere Gruppe Überlebender trifft, die einen sicheren Zufluchtsort inmitten einer von Zombies belagerten Stadt aufgebaut haben. Die Charaktere überzeugen durch ihre Besonderheiten und ihre eigene, tragische Vergangenheit. Jeder der Überlebenden hat mit ganz persönlichen Problemen zu kämpfen, dennoch glimmt eine vage Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft unter ihnen; es gibt gewisse Regeln und Gesetze, die das Zusammenleben erleichtern. Dass die Streifzüge auf der Suche nach Ressourcen mehr oder weniger glatt laufen, sowie die Idylle in der Gemeinschaft machten mich anfangs etwas skeptisch. Umso weniger war ich auf die 180-Grad-Drehung nach zwei Dritteln des Buches gefasst; als einige der Hauptcharaktere auf eine weitere Gruppe Überlebender trifft, werden sie gefangen genommen und müssen um ihr Überleben fürchten.
Wer bei Zombies nicht auf blutige Szenen vorbereitet ist, kennt das Genre nicht zur genüge. Trotzdem hat mich das Buch mit dem letzten Drittel, welches an Brutalität drastisch zunimmt, vollkommen erschüttert - mehr noch, da es sich bei den "Gegnern" nicht um Zombies handelte, sondern um Menschen. Die Aussage des Buches gründet sich jedoch genau auf diese Tatsache; dass es eben doch die Menschen sind, die an Boshaftigkeit ihrer eigenen Art gegenüber nicht zu übertreffen sind. Und dass der Mensch gerade im Angesicht von traumatischen Ereignissen den animalischen Überlebenswillen und Mut aufbringt, der ihn in einer hoffnungslosen Welt vorantreibt.
Zwischendurch gibt es auch ein paar tolle Highlights, die das Buch einfach lesenswert machen; beispielsweise der Selbstmord einer schwangeren Frau, nachdem sie merkt, dass sie infiziert ist und ihr Kind damit retten will. Oder die meist absurden Geschichten der Überlebenden, die nur durch eine Aneinanderreihung von Zufällen lange genug ausharren konnten, bis sie zu der Gruppe stießen.
Allen Genrefans zu empfehlen, jedoch nichts für empfindliche Gemüter. Der zweite Teil ist auch erschienen und heißt "Die Traurigkeit der Zombies". Es gibt auch einen dritten Teil, der dieses Jahr erschienen ist und soweit ich weiß noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

