Leser-Rezension zu „Denn ihrer ist das Himmelreich” von Kjetil Try
am 18.11.2010
Hmm, so viele Bücher noch auf dem Stapel, was nehm ich denn da als nächstes? Ein Krimi - aus Skandinavien? Ach ja, damit kann man ja eigentlich nichts falsch machen, dachte ich.
Und ich habe richtig gedacht. Kjetil Trys Buch "Denn ihrer ist das Himmelreich" ist wohl nicht das erste aus der Reihe um Kriminalkommissar Lykke und seine Mitstreiter, aber das erste, das ins Deutsche übersetzt wurde. Den geneigten Leser erwartet ein, ja, fast schon altmodisch anmutender Krimi. Altmodisch aus meiner Sicht deshalb, weil sehr viel Wert auf die Darstellung und Entwicklung der Charaktere gelegt wird, keine Verfolgungsjagden oder Splatterszenen darin vorkommen. Das Hauptaugenmerk liegt hier tatsächlich auf der Polizeiarbeit und den kleinen privaten Geschichten drumrum.
Zuerst verschwindet ein Theaterschauspieler - und nur seine Organe tauchen wieder auf. Allerdings fehlt eine Niere. Dann wird eine junge Nonne als vermisst gemeldet, und auch hier werden zunächst nur innere Organe gefunden. Wo sind die Opfer selbst? Und - geht es wirklich um Organhandel, oder ist das Geheimnis, dass sich hinter den Mordfällen verbirgt, ein ganz anderes?
Ich möchte nicht zuviel verraten, aber die Auflösung des Ganzen war sehr stimmig und selbst für mich krimikostgewohnte Leserin eine Überraschung, bei der ich mich durchaus gegruselt habe. Eine wirklich gute Story mit plausiblem Schluss.
Die Sprache ist jetzt nicht unbedingt gesondert hervorzuheben, aber die Zeichnung der einzelnen Charaktere hat mir gut gefallen. Die handelnden Personen und ihre zwischenmenschlichen Probleme sind mir beim Lesen ein wenig ans Herz gewachsen, und ich wüßte gerne, wie es mit der einen oder anderen Geschichte weitergeht. Vielleicht dürfen wir ja irgendwann noch mehr übersetztes Material von Kjetil Try erwarten? Eins steht fest, ich werde dann auf jeden Fall zugreifen!

