Wieder versuchte der Kellner, das Mädchen abzuschütteln. Es gelang ihm nicht. [...]
Leichenblass kreischte der Kellner: „Sie hat mich gebissen! Gebissen!“ [...]
Etwas fiel Viola aus dem Mund. [...]
Sie öffnete die Lippen und ein blutiges Loch tat sich auf. [...]
„Mein Finger!“, schrie der Kellner. „Sie hat mir den Finger abgebissen!“ Er taumelte.S. 89 u. 90_
Inhalt:
Das Virus verbreitet sich und zwar schnell. So schnell, dass die Menschen mit ihren Vorkehrungsmaßnahmen nicht mehr hinterherkommen. Das Virus überträgt sich über die Luft und Berührungen, es greift gnadenlos über.
Anstatt zusammenzuhalten und einander zu helfen, lassen die Menschen ihre Panik siegen und das Tier in sich erwachen, welches nur ein einziges Ziel kennt: Zu überleben, egal, um welchen Preis!
Daneben agieren noch einige, wenige Menschen, die versuchen zu retten, was noch zu retten ist.
Wird das ausreichen?
Letztlich ist das nicht die Kernfrage, sondern vielmehr ein Kontrastprogramm. Schwarz neben weiß. Obwohl schwarz und weiß eigentlich zusammenhalten sollten, richten sie sich gegeneinander und lassen dabei das Grau aus den Augen. Grau, für das Virus.
Doch das Tier in ihnen ist ruhelos, hysterisch und vermag nicht mehr von Freund oder Feind zu unterscheiden. Normen und Werte sind schon lange ausgehebelt.
Was würdest du in dieser Situation tun?
Meine Meinung:
Der Autor Klaus-Peter Wolf hat ein wahrlich faszinierendes Werk geschaffen, dem ich mich nicht zu entziehen vermochte.
Szenisch brillant wird aus den unterschiedlichsten Perspektiven und verschiedensten Situationen berichtet. So erhält man als LeserIn einen Gesamtüberblick der Lage. Dadurch kann man sich mit einem der vielen und facettenreichen Charaktere identifizieren. Beim Lesen konnte ich eine gewisse Distanz wahren, wenn ich wollte. Versuchen die schockierenden Ereignisse neutral zu verarbeiten. Wenn es mir zuviel war, klappte ich den Roman einfach zu und versuchte mich abzulenken.
Ehrlicherweise wurde es mir ziemlich häufig zuviel, weswegen ich so einige Pausen beim Lesen einlegte.
Deswegen las ich mehr als eine geschlagene Woche an diesem Werk. Das bedeutet nicht, dass das Buch nicht spannend war und fesselte, im Gegenteil!: Es hat eine düstere Vision. Außen wie Innen ist diese schwarz.
Dass Schockierende daran für mich:
Ich las den Roman in der Gewissheit, dass dieses gesamte Szenario, welches von Klaus-Peter Wolf dargestellt ist, genauso passieren kann und wird, wenn sich solch ein Virus unter uns einmal verbreitet.
Es werden andere Menschen sein, mit anderen Gesichtern und anderen Namen, doch es sind die Menschen, die die Kontrolle verlieren;
Die Menschen, die mit der Krisensituation nicht richtig umzugehen wissen und zu Überreaktionen neigen. Eben diese Menschen sind es, die Panik ausbrechen lassen. Hysterie verbreitet sich und aus einer schlimmen , fatalen Situation, die eventuell noch kontrolliert werden könnte, entwickelt sich eine nicht zu bändigende Bestie.
Das und noch mehr hat mir dieser Roman verdeutlicht.
Ich erschrak über die Tiefe und Wahrheit darin. Denn noch mag der geschilderte Krisenherd Fiktion sein, doch eines Tages könnte etwas ähnliches schon dir, mir und oder uns allen passieren. Die schwarzmalerische Fantasie eines Autors könnte zu grausamer Realität werden.
Dann bleibt wiederholt nur noch die Frage:
Was würdest du tun?
Mein Fazit:
Mich hat dieses ideenreiche Buch überzeugt. Mit Authentizität und dichten, spannenden Einzelgeschichten, die alle ihren Bezug zum Oberthema finden, hat Klaus-Peter Wolf ein unvergessliches Leseerlebnis geschaffen. Es wird sehr deutlich, wie verheerend und zerstörend Massenhysterie sein kann.
Die vielen Erzählstränge haben es mir besonders angetan und diesem Roman letztlich noch einmal den letzten Kick verliehen, weil ich dadurch breit gefächerte Einblicke ins Geschehen bekam.
„Todesbrut“ ist für mich eines jener Werke, die man einmal in seinem Leben gelesen haben sollte!
Also, was wirst du nun tun nach dieser Rezension? Das Buch erwerben oder…?
Vielen Dank an den Script5-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!