Leser-Rezension zu „Hunger” von Knut Hamsun
am 3.09.2009
neulich beschwerte ich mich ja über sätze wie "dies ist ein unglaublich kluges buch." nun aber bin ich gewillt, selber vergleichbaren und ähnlich unhaltbaren irrsinn zu schreiben. nämlich diesen hier: "dies ist ein sehr modernes buch".
modern, soso, das soll es also sein, so die damentennissche behauptung. eine mutige behauptung! sagen die einen. welch öde einordnung! sagen wiederum die anderen. dritte sagen wieder anderes. aber mal was zum buch jetzt.
das moderne an diesem buch ist natürlich sehr offenkundig, sonst hätte ich das ja nicht bemerkt. dass nämlich der autor eine "zerrissene person" ist. ach je, was ich hier so alles schreibe! als wäre ich im literaturetrieb. bin ich aber doch gar nicht.
aber die figur, die ist sowas wie zerrissen. die kann sich nämlich nicht für eine position entscheiden und löst das problem dann, indem sie alle entscheidung zeitlich aufeinander folgen lässt, was zu großem chaos führt. heute funktioniert zwar ein großteil der gesellschaft exakt so, aber aufs individuum heruntergerechnet gibt das eben diese unschönen szenen. wenn man dem menschen das "ich" abspricht, wird er fuchsig. er braucht das, sonst hat er nichts mehr.
der protagonist, das kann ich mal festhalten, steht sicher nicht mit "beiden beinen im leben" oder ähnliches, sondern steht dort eher gar nicht drin, im leben. er lebt halt, ohne zu stehen, er hat nämlich keinen standpunkt! oder viele standpunkte! ja, wahrscheinlich hat er sogar nur standpunkte! überhaupt nichts anderes als permanent standpunkte! das stelle man sich mal vor!
das müsste strenggenommen sehr modern sein, denn auch heute oder heutzutage wäre es vollkommen zwangsläufig, entweder nur standpunkte zu haben oder eben keine standpunkte zu haben. an einer welt, die irgendwo dazwischen liegt, zu grunde zu gehen, ist also erwartbar.
obwohl der protagonist dieses buches, der kein held ist, letztlich am hunger zu grunde geht. weshalb das buch auch "hunger" heißt und nicht "standpunkt". hamsun wusste das, darum hat er es aufgeschrieben. so und nicht anders. nicht so wie ich denke. so wie er denkt. eben,

