Leser-Rezension zu „Hunger” von Knut Hamsun

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Verfasst von Gelöschter Benutzer
am 9.03.2011
 

Ein Mann will Schriftsteller werden. Mühsam ernährt er sich von kleinen Artikeln für Zeitungen. Der Hunger verstärkt und trübt die geistigen Fähigkeiten. (Klappentext)

Es gibt nur wenige Bücher, die einen wirklich beeindrucken können. Sicher viele gefallen einem, man liest sie, ist begeistert und stellt sie ins Regal. Und dann sind da noch die kleinen Perlen, die immer wieder rausgezogen werden, in denen geblättert und hier und da gelesen wird und darüber die Zeit verfliegt, so dass man sich wundert, wie lange man am Regal gestanden hat.
„Hunger“ von Hamsun ist so eine Perle. Es gibt nur wenige Bücher, die mich so begeistert haben und fast alle stehen in einer Linie wie „Ask the Dust“ von John Fante oder „Faktotum“ von Charles Bukowski. Allen ist gemein, dass ein junger Mensch versucht im sog. Literaturbetrieb Fuß zu fassen, sich jedoch nicht verbiegen lassen will und weit ab von dem was allgemein als Mainstream bezeichnet wird, seine spezielle Art von Literatur verfasst. Sie sind von sich überzeugt, hungern dafür und kratzen dabei fast ab. Es sind keine Personen, die Schreiben, weil es so toll ist und Spaß macht, sie müssen einfach ihre Gefühle und Gedanken in Worte fassen. Sie können nicht anders, würden sonst einfach nur durchdrehen.
Der in Ich-Form erzählende namenlose Protagonist in „Hunger“ hat bereits eine Stelle, in der er Schreiben kann, einen Job bei der Zeitung. Doch seine Artikel stoßen auf wenig Gegenliebe und so bekommt er auch keine Kohle rein. Also hungert er und verzweifelt an sich. Ist einerseits voller Lebenslust und andererseits am Boden zerstört. So wandelt er durch die Straßen Kristianias voller Scham und Wahnsinn und versucht das Ersichtliche zu verbergen.
Die Sprache Hamsuns hat etwas Eigenes. Manchmal kommt sie mir so naiv vor, nur um im nächsten Augenblick so treffend einen Zustand oder eine Sache zu beschreiben, dass ich aus dem Staunen nicht herauskomme.
Ich weiß nicht wie „Hunger“ 1890 aufgenommen wurde, kann mir aber vorstellen, dass das Buch die Menschen gespaltet hat. Zu neu, eindringlich und auch schonungslos scheint mir die Sprache für die damalige Zeit. Aber das ist nur eine Vermutung.
Und wenn man schon immer über die Genialität von Melvilles ersten Satz spricht, so darf man den Satz, der „Hunger“ einleitet, ebenso dazuzählen. Denn er nimmt vorweg, was letztendlich passieren wird.
Großes Kopfkino von einem genialen Autor, der sich durch seine weitere Entwicklung im Alter bei mir jegliche Sympathien verspielte. Nichtsdestotrotz hat er, als er noch klar im Schädel war, geniale Bücher abgeliefert, von denen seine Erstveröffentlichung immer noch heraus sticht, auch wenn er 30 Jahre später mit einem anderen Buch den Literaturnobelpreis bekam.

 

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Knut Hamsun

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Hunger
von Knut Hamsun

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