Bereits nach ihrem letzten Roman (Romanfiguren Malkom Slaine und Carrow Graie) war ich skeptisch, ob Kresley Cole es mit ihrem neuesten Werk endlich wieder schaffen würde zurück auf die Romantasy-Schiene zu finden. Leider ist ihr das meiner Meinung nach nicht gelungen. Im Gegenteil, von romantischer Fantasy hat sie sich mit diesem Buch sogar noch weiter entfernt.
Wenn ich romantische Fantasyliteratur lese, dann erwarte ich mir in jedem Fall zwei Dinge: Romantik und Fantasy. Romantisch allerdings war an diesem Buch gar nichts. Es war brutal und sogar höchst unromantisch.
Ein Held, von inneren Dämonen zerfressen: das hatten wir ja schon tausendmal. Aber Declan Chase ist in keiner Weise ein Held, sondern er ist ein kranker Psychopath. Was genau Reginleit the Radiant im Endeffekt an ihm so sexy und romantisch findet, ist mir absolut schleierhaft, zumal im Roman selbst eigentlich nicht einmal klar definiert wird, welche positiven Eigenschaft der wiedergeborene Aidan the Fierce überhaupt besitzt.
Jemand der kaltblütig zusieht wie Lebewesen gefoltert, getötet und bei lebendigem Leibe seziert werden, der kann meiner Meinung nach in keiner Hinsicht auch nur ansatzweise ein Held sein. Schon klar, es herrschen Kriegszustände in the Lore, aber auch Kriege können "ehrenhaft" oder "unehrenhaft" ausgetragen werde. Es ist ein Unterschied, ob ich meinen Feind töte, oder ob ich ihn vorher zum Spaß und im Sinne der Wissenschaft noch foltere und quäle.
Das Buch zu Ende zu lesen, war eine regelrechte Überwindung. Ich mag Thriller und Krimis, aber wenn ich Romantasy lese, dann erwarte ich etwas anderes, oder zumindest gehe ich davon aus, dass die Romantik trotzdem nicht zu kurz kommt. Ich konnte keinerlei romantischen Aspekt in diesem Buch finden, weder zu Beginn, noch am Ende. Der Anfang war mühsam, weil Declan Chase nicht einmal wusste, dass Regin seine Auserwählte ist, und das Ende war auch anstrengend, weil man nach den Vorfällen im Labor einfach nicht nachvollziehen kann, warum sich Regin letztendlich doch noch in Declan Chase verliebt.
Die starke, lustige Regin, die in all den Vorgängerbüchern extrem sympathisch und lebenslustig rüberkommt, ist im Endeffekt also nur ein schwacher Charakter mit Helferleinsyndrom.
Im großen und ganzen könnte man das Buch in wenigen Worten beschreiben. Vorgeschichte (wie Regin Aidan the Fierce kennen lernt), Gefangennahme und Labor (Folter, Grausamkeiten, Sucht), Revolte und Flucht. Man fragt sich an welcher Stelle die Autorin hier überhaupt Romantik einbauen hätte können. Sogar Lothaire, das große Böse, ist in diesem Band ein größerer Sympathiegräger als der "Held".
Abgesehen davon habe ich in diesem Band Kresley Coles größte Stärke vermisst: bislang hat sie es immer gut verstanden, liebgewonnene Charaktere aus vorangegangenen Bänden einzubauen. Das hat mir in diesem Buch auch gefehlt.
Fazit: Leider überhaupt nicht die Kresley Cole, die ich gewohnt bin. Nach der Lektüre dieses Buches und des fragwürdigen Happy Endings wünscht man den Helden eigentlich nur eines: einen guten Psychiater.